Schwestern tanzen sich in die Herzen der Menschen

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Schwester Judith (2.v.l.) und ihre Mitschwestern begutachten den ersten Probelauf.

Wie die Gmünder Vinzentinerinnen vom Heiligen Vinzenz von Paul mit einem Tanzvideo zu Internetstars werden.

Schwäbisch Gmünd

Ein Video geht derzeit in den sozialen Netzwerken durch die Decke. Es wird geteilt und kommentiert – und jeder, der es betrachtet, bekommt wie aus Zauberhand ein Lächeln ins Gesicht. Gemeint ist die "Jerusalema Challenge", an der auch die Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Vinzenz von Paul aus Schwäbisch Gmünd teilgenommen haben.

Der südafrikanische Song Jerusalema geht in den sozialen Netzwerken viral und bringt alle zum Tanzen. Der Song von DJ Master KG und Sängerin Nomcebo Zikode soll in Zeiten von Corona Hoffnung in die Welt bringen. Man sieht alle Berufsgruppen tanzen: Polizisten, Klinikpersonal oder Verkäuferinnen aus aller Herrenländer. Und eben auch die Gmünder Schwestern vom Heiligen Vinzenz von Paul.

Ein wichtiger Hinweis hierbei in eigener Sache, sagt die "Initiatorin" des Internethits, Schwester Judith, schmunzelnd: Die Vinzentinerinnen sind keine Nonnen, wie es in mancher Berichterstattung irrtümlich heißt. Kirchenrechtlich wird nur als Nonne bezeichnet, wer in päpstlicher Klausur in einem klösterlichen Orden lebt. Das ist bei den Vinzentinerinnen nicht der Fall. Die Schwestern stehen, wenn sie nicht gerade tanzen, mit beiden Beinen fest im weltlichen Leben. Die sozialen Medien wie Facebook, YouTube und WhatsApp sind den Schwestern vertraut und werden auch gerne genutzt.

Auszeit vom Alltag

Über den rasanten Erfolg des Videos zeigt sich Schwester Judith "ganz glücklich". Die Challenge ermögliche es Menschen, sich in dieser schwierigen Zeit zu bewegen, eine kurze Auszeit vom Alltag zu nehmen. Den Betrachtern bieten die vielen Videos im Netz immer ein Stück Lebensfreude. Nachdem Schwester Judith auf die Tanzchallenge aufmerksam geworden ist, war sie umgehend mit dem "Jerusalema-Virus" infiziert. Ein wenig habe sie ihre Mitschwestern schon überzeugen müssen, bekennt sie sich "schuldig". Der Erfolg gibt ihr recht: Kein negativer Kommentar ist zu finden, vielmehr Dankesworte, Lob und Glückwünsche. Die beim ersten Hinsehen komplizierte Tanzfolge haben ihre Mitschwestern schnell "drauf gehabt", meint Schwester Judith zufrieden, der gleichzeitig auch die Choreografie oblag. Man sieht sie und ihre Mitschwestern tanzend im Schnee, in der Turnhalle und in der Kirche – und ihre Tanzfreude scheint ansteckend zu sein. Viele Mitarbeiter der Gmünder Vinzenz von Paul gGmbH seien durch das Video "angespitzt".

Am Montag ging das Tanzvideo der Schwestern auf YouTube online, knapp 6000 Klicks und 187 "Gefällt mir" waren bereits am Freitag zu verzeichnen. Vom Kloster Untermachtal, dem Stammhaus der Vinzentinerinnen, kommt dazu die Erklärung, "Wir tanzen. An verschiedenen Orten und über Konvente hinweg. Vielleicht ein bisschen spät, aber irgendwie trotzdem gerade richtig jetzt, wo sich alles gar nicht mehr nach ‘2021 wird alles besser!' anfühlt." Auch das Tanzen nehme die Sorgen nicht weg, die Pandemietage werde deshalb nicht einfacher. "Aber sich ein leises ‘trotzdem' zusprechen und sich bewusst machen: Wir sind nicht allein – das ist schon eine ganze Menge", erklären die Schwestern. Im Text des Liedes werde Gottes Schutz und Führung erbeten. "Dafür beten auch wir in diesen Tagen – für euch und für uns alle", versprechen sie.

Für Schwester Judith würde ein kleiner Traum in Erfüllung gehen, wenn die Mitschwestern aus Tansania und Äthiopien ebenfalls ein Tanzvideo produzieren würden. Mit "Jerusalema" ist die "Tanzkarriere der Gmünder Vinzentinerinnen möglicherweise noch nicht beendet, "eine Wiederholung kann nicht ausgeschlossen werden".

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