Schwörhaus-Konzert: „Öffnen Sie Ihr Herz “

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Auftritt vor vollem Haus: Britt Christiansen am Klavier, Vukan Milin, Querflöte, und die Viel-Instrumentalistin Kathrin Jöris mit Piccolo-, Altblock-, Quer-, Altquer-, Bass-Querflöte und Sopranino.
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„Funkenflug. Mitreißend klassisch – Durch Zeit und (T)raum“ beim Schwörhaus-Konzert mit einem hochmusikalischen Trio.

Schwäbisch Gmünd

Mit „Wir sind total begeistert, dass es heute so voll ist!“, begrüßte Pianistin und Moderatorin Britt Christiansen das Publikum. Trotz widrigem Wetter war der Saal Corona-gemäß voll besetzt beim Schwörhaus-Konzert „Funkenflug. Mitreißend klassisch – Durch Zeit und (T)raum“.

Die drei Vollblutmusiker begeisterten: Britt Christiansen am Klavier, Vukan Milin, Querflöte, und die Viel-Instrumentalistin Kathrin Jöris mit Piccolo-, Altblock-, Quer-, Altquer-, Bass-Querflöte und Sopranino. Der erste Programmteil mit Werken von Debussy, Bach, Vivaldi und Piazzolla stand unter dem Motto „Entschleunigung, Beschleunigung, Vom Herzschlag der Musik“.

Die Moderation war nicht nur die Ankündigung eines Werkes, Britt Christiansen stimmte das Publikum aktiv auf das Kommende ein: „Mit Musik kann man durch Jahrhunderte reisen, aber auch durch die eigene Geschichte.“ Musik als Zeitmaschine, mit der sich Zeit beschleunigen oder anhalten lässt. Zu Claude Debussys „Syrinx“ fasste sie die Geschichte des liebestollen Pans und der verfolgten keuschen Nymphe kurz zusammen, brachte dazu die Verlegung des ersten Unterseekabels von Europa nach Amerika als Zeitbild, bevor die tönenden Luftstöße der Querflöten von Kathrin Jöris und Vukan Milin den Saal verzauberten.

Hingabe, Freude, Leichtigkeit

Schon ihr Anblick beim Spielen der Instrumente war etwas Besonderes. Hingabe an Komposition, die Freude am Ausdruck, Leichtigkeit voll Können rissen mit. Das Spiel von Frage und Antwort zwischen Flöten und Klavier,mit spitzig frechen Tönen von Piccoloflöte und der hohen Tonlage des Sopranino. Dann Vivaldis Piccolokonzert als ruhigeres Moment, von der Moderatorin verglichen mit Honig, der langsam über den Löffel als großer Tropfen auf das Sonntagsbrötchen gleitet.

Es folgte ein Tonohrgewitter mitungewohnten Rhythmen des japanischen Komponisten Joji Yuasa aus den 60er-Jahren, beeindruckt vom Nõ-Theater.„Öffnen Sie Ihr Herz für etwas ganz Anderes!“, rieten die Musiker. Ein Streitgespräch in schrillen und dunklen Tönen, ein Miteinander-Ringen, dann Durchdringen,erläuterten die beiden Flötisten.

Ungewöhnlich und anstrengend das Zuhören beim Töne -spucken, dem extrem Aufeinander hören, Töne, die dicht nebeneinander liegen, schräg sind. Am Ende standenbeide Flötisten dicht hintereinander und verständigen sich mit Zehen-Morsezeichen zur Atemlänge. Eine große musikalische und technische Herausforderung, die Jöris und Milin technisch meisterlich absolvierten.

Begierig tauchte das Publikum vor der Pause in die Tangorhythmen von Piazzollas Oblivion und Libertango ein. Vukan Milin gab sie Hände klatschend vor, das Publikum übernahm sie zum Klang von Flügel und Flöten.

Der zweite Teil des Konzerts, überschrieben und szenisch eingeführt zum Motto „Ins Freie – tief durchatmen“ setzte Glanzlichter mit den Soli der einzelnen Instrumente. Tempo, rasant und langsam, lange Passagen und meisterliche Interpretation rissen zu Beifallsstürmen hin.

Sechs verschiedene Flöten

In Taffanells „Freischütz-Fantasie“, „Die verliebte Nachtigall“ von François Couperin, Saties „Trois mélodies sans Paroles“, Mozarts „Ein Vogelfänger bin ich ja“ und Bizets „Carmen-Fantasie“glänzten Britt Christiansen, Klavier, Vukan Milin, Querflöte, und Kathrin Jöris mit ihren sechs unterschiedlichen Flöten, gewürzt mit anekdotischen Zwischenworten. Das brachte Atemlosigkeit ins Publikum, die sich in lang anhaltendem Applaus auflöste, belohnt von zwei furiosen Zugaben.

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