Scora schafft Verständnis

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Michelle Michaux (ganz rechts) im Austausch mit ihren KollegInnen aus Israel.

Scheffold-Gymnasium nimmt an Pilotprojekt teil, das den Schüleraustausch zwischen Baden-Württemberg und Israel in den Fokus rückt.

Schwäbisch Gmünd

Heute sagen wir offiziell ‚ja‘ zu dieser wundervollen und wichtigen Partnerschaft!“. Mit diesen Worten eröffnete Claudia Rugart, Schulpräsidentin des Regierungsbezirk Stuttgart, den Festakt in Esslingen, eine Feier für 15 Schulen aus dem Raum Stuttgart bis Ostalb und ihre israelischen Partnerschulen. Die beiden Lehrerinnen am Scheffold, Julia Helming und Michelle Michaux, die den Seminarkurs zum Thema „Fernes Land, fremde Kultur – Israel entdecken“, für die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe Eins leiten, nahmen daran ebenso teil wie der stellvertretende Schulleiter Severin Feigl. In der zeremoniellen Unterzeichnung eines „Memorandum of Understanding“ bekräftigten sie die Bindung an ihre Partnerschulen in Israel, deren Vertreter für diesen Abend extra aus Israel angereist waren.

Claudia Rugart ist die Initiatorin des Austauschprogrammes SCORA (Schools opposing Rassism and Antisemitism). Ihr Ziel: Ein Netzwerk aus deutschen und israelischen Schulen aufzubauen, die im gegenseitigen Austausch eine gemeinsame Zukunft schaffen.

Am Scheffold-Gymnasium freut man sich auf den ersten Besuch in Israel im Mai 2023. Die 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Seminarkurses werden dann ihre Partnerschule, die Aljoodan Highschool, kennenlernen: Ein drusisches Gymnasium in Kisra-Samia im nördlichen Galilää, das zusammen mit weiteren arabischsprechenden Highschools die Vielfalt Israels zeigt, in dem ein Großteil der Bevölkerung jüdisch ist. „Es war ergreifend, den Schulleiter und auch einige Lehrer persönlich kennenzulernen“, erklärt Michelle Michaux. Ihr sei vor allem klar geworden, wie wichtig die Familie in Israel sei: „Wenn man sich vorstellt, dann gehören zum Namen auch die Anzahl der Geschwister, Kinder und Enkel.“ Und so war es ganz natürlich, dass Sohad ein Selfie zeigte, das sie von ihrer Familie bekommen hat. „Gestern habe ich noch den ganzen Tag Oliven geerntet, es ist viel Arbeit. Und morgen hat mein Sohn eine große Ehrenfeier beim Militär. Aber ich weiß, dass das hier wichtig ist, also bin ich hier.“

Nicht nur internationale Gäste und hochrangige Besucher aus der Region, wie Regierungspräsidentin Susanne Bay, Maron Steege aus dem Generalkonsulat des Staates Israel oder Christian Baron, erster Bürgermeister von Schwäbisch Gmünd, waren zu diesem Festakt geladen. Auch die Rektoren und projektverantwortlichen Lehrkräfte der deutschen und israelischen Partnerschulen, rund 30 an der Zahl. Sie alle haben ein gemeinsames Ziel: ein aktuelles und vielschichtiges Bild von Israel zu vermitteln.

„Wir alle tragen ein Biest in uns“, sagte Giora Saltz, Leiter des Regionalrates Obergaliläa bei seiner imposanten Rede anlässlich des Festaktes, in der er die schrecklichen Auswirkungen der Kristallnacht und des Holocaust auf seine Großmutter und seinen Vater erzählt hatte, die aus Deutschland flohen. „Dieses Biest schläft in uns allen und kann jederzeit erwachen.“

Nach schlimmen Erlebnissen sich nicht abgrenzen, sondern seine Kraft nutzen und offen kommunizieren, gemeinsam die Dunkelheit überkommen, so Saltz, das sei die Lehre und Motivation, die er aus seiner Familiengeschichte ziehe. „Meine Großmutter, mein Vater, sie überlebten und sie beschlossen, ihr Leben nicht mit Hass zu füllen. Meine Familie, ihre Geschichten, sie sind meine Inspiration für die Zukunft.“ Für Michelle Michaux und Julia Helming ist es wichtig, dass ihre Schülerinnen und Schüler während des Seminarkurses viele unterschiedliche Inspirationen bekommen. „Wir alle sollten verhindern, dass so ein „Biest“ eine Chance bekommen kann“, nimmt Michelle Michaux Bezug zu der Rede von Giora Saltz. „Denn gegenseitiges Verständnis kann nur entstehen, wenn man miteinander redet“, ist sie sich sicher.

Der stellvertetende Schulleiter des Scheffold-Gymnasium, Severin Feigl (2.von links) freut sich gemeinsam mit Schulpräsidentin Claudia Rugart (links) und den israelischen Gästen Nazeer und Giora Saltz über die neue Partnerschaft.
Gmünds erster Bürgermeister Christian Baron freut sich über die Unterzeichung des SCORA-Projektes. Neben ihm Nazeer (Schulleiter der Aloojodan Highschool), Lehrerin Michelle Michaux, Sohad und der stellvertretende Schulleiter des Scheffold-Gymnasiums Severin Feigl.

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