„Sehr grenzwertiger“ Spaziergang

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Montagsspaziergang
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Stadtverwaltung schätzt bis zu 850 Teilnehmer an der Protestaktion am Montagabend in der Innenstadt. Rund 30 angeblich spontane Aktionen in der Gegend.

Schwäbisch Gmünd

Und wieder waren es mehr als in den Vorwochen: Bis zu 850 Teilnehmer schätzte die Stadtverwaltung beim dieswöchigen Montagsspaziergang durch die Gmünder Innenstadt. Alle Altersklassen waren vertreten, auch ganze Familien spazierten mit, manche nutzten die Runde, um ihren Hunden Auslauf zu gönnen. Mit der vorgeblich spontanen Aktionsform wollen die Beteiligten gegen die Corona-Auflagen demonstrieren.

Auf ihrem nicht immer gradlinigen Weg vom Bahnhof zum Königsturm und zurück hielten die Teilnehmer in Teilen die Vorgaben ein, die ihnen mit auf den Weg gegeben worden waren. Die Polizei hatte vor Beginn des Marsches am Bahnhof per Lautsprecherdurchsage nach dem Organisator oder der Organisatorin gefragt, um mit ihm oder ihr den Verlauf und die Auflagen durchsprechen zu können. Da sich niemand meldete, wurden die Regeln, die das städtische Ordnungsamt als zuständige Versammlungsbehörde vorgegeben hatte, ebenfalls per Lautsprecher mitgeteilt: Unter anderem war Maskenpflicht vorgegeben, falls der Abstand von eineinhalb Metern nicht eingehalten werden könne. Und der Straßenverkehr sollte nicht behindert werden.

„Nicht mehr in Ordnung“

„Die Versammlungsfreiheit ist ein hohes Gut“, hatte Gmünds Ordnungsbürgermeister Christian Baron noch vor Beginn des „Spaziergangs“ gesagt. Aber es gebe auch „rote Linien“, die die Teilnehmer nicht überschreiten dürften. Nach dem Ende der Aktion bezeichnete Baron das Verhalten der „Spaziergänger“ als „sehr grenzwertig“.. Unter anderem am Kalten Markt hatten die Teilnehmer den Verkehr behindert, in der Remsstraße weitete sich der Fußgängerstrom teilweise auf die Hälfte der Fahrspuren aus. Das Verhalten vieler Fußgänger dort sei „nicht mehr in Ordnung“ gewesen. Die Stadtverwaltung werde an diesem Dienstag darüber beraten, ob sie aus dieser Erfahrung Konsequenzen zieht, kündigte Baron an.

An mehreren Stellen des Umzugswergs stoppten Streifenwagen von vorneherein den Fahrzeugverkehr, um möglicherweise problematische Begegnungen zwischen Autos und Fußgängern zu verhindern.

Die Aktion in der Gmünder Innenstadt war Teil eines Netzwerks: Die Polizei registrierte rund 30 „Spaziergänge“ in der näheren Umgebung, wenn auch teilweise nur mit einer Handvoll Teilnehmern. In Gmünd und Aalen liefen die wohl als zentral eingestuften Aktionen mit mehr Beteiligung im Kreisgebiet ab, größere Treffen gab es offenbar auch wieder in Backnang und Crailsheim.

Katz-und-Maus-Spiel

Dabei hatte der Rundgang durch Gmünd teilweise schon Ähnlichkeiten mit einem Treffen alter Bekannter: Man plauderte über Kochrezepte oder übers Fernsehprogramm. Andererseits entstand auch der Eindruck, dass viele Teilnehmer eigens für den „Spaziergang“ nach Gmünd angereist waren. Manche waren auffallend mit Leuchtartikeln „geschmückt“.

Und es war auch ein Katz-und-Maus-Spiel. Immer wieder äußerten Fußgänger fast diebische Freude, wenn sie in eine andere Richtung abbiegen konnten, als die Polizei und die Mitarbeiter des Ordnungsamts erwartet und wo sie ihre Einsatzwagen entsprechend positioniert hatten. Andererseits waren die Streifenwagen immer schnell wieder vor den „Spaziergängern“.

Die Versammlungsfreiheit ist ein hohes Gut, aber ...“

Christian Baron,, Ordnungsbürgermeister
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An manchen Stellen wie am Kalten Markt (Bild) oder in der Remsstraße blockierten oder behinderten Teilnehmer des Montagsspaziergangs den Verkehr.

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