Seit sieben Jahrzehnten ein Ehepaar

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Domes
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Nach 70 gemeinsamen Jahren kann das Ehepaar Katharina und Bruno Domes an diesem Mittwoch das seltene Fest der Gnadenhochzeit feiern.

Schwäbisch Gmünd

Besucher werden beim Ehepaar Katharina und Bruno Domes im Gmünder Warbeckweg auf das Herzlichste empfangen. Das Reihenhaus blitzt vor Sauberkeit, der Duft frisch gewaschener Wäsche zieht durch die Räume, und Katharina Domes lässt es sich nicht nehmen, jede Woche zu backen. Etwas „Vorlaufzeit“ benötigen sie zwischenzeitlich, meint das Ehepaar, schließlich ist Bruno Domes bereits 93 Jahre alt, seine Frau Katharina wird im kommenden Monat 92. Seit 70 Jahren geht das Paar gemeinsam durchs Leben und kann nun das seltene Fest der Gnadenhochzeit feiern.

Er liebt ihren „Striezel“

Katharina wird in Szomor bei Budapest als Tochter einer hart arbeitenden Landwirtsfamilie hineingeboren und ist das Arbeiten schon von Kindesbeinen an gewohnt. Auch heute mit 92 Jahren kann sie die Hände nicht in den Schoß legen, man müsse immer etwas tun und in Bewegung bleiben, erklärt sie. Den Haushalt führen und einkaufen gehen und täglich etwas Frisches kochen, das gehört einfach dazu, „auch wenn alles jetzt etwas länger dauert“, meint sie. Bruno schwärmt auch nach 70 Ehejahren noch von Katharinas „Striezel“, einem Hefezopf.

Bruno stammt aus Neueigen, einem Dorf direkt an der Quelle der Oder in Mähren. Schon früh träumte Bruno davon, einmal als Lehrer zu arbeiten. Nach drei Semestern an der „Lehrerbildungsanstalt“ in seiner Heimat machte der Krieg seiner Lebensplanung einen Strich durch die Rechnung. Der Vater blieb in Russland zurück, die Mutter konnte das Studium ihres Sohnes nicht mehr finanzieren. Mit dem Kriegsende verloren beide ihre Heimat, innerhalb kürzester Zeit mussten Katharina und Bruno ihre Heimat verlassen, nach langen und anstrengenden Reisen landeten beide in Schwäbisch Gmünd. Während Bruno mit seiner Mutter in Weiler eine „beengte Bleibe“ gefunden hatte, fand Katharinas Familie eine Unterkunft in Herlikofen. Als Polisseuse arbeitete Katharina im gleichen Betrieb wie Bruno, aus der „guten Bekanntschaft“ wurde im Laufe der Zeit mehr, nach vier Jahren trat das Paar gemeinsam vor den Altar im Heilig-Kreuz-Münster. An eine große Hochzeitsgesellschaft sei damals nicht zu denken gewesen, die Hochzeitsfeier fand in der Wohnstube von Katharinas Elternhaus statt. Mit viel Fleiß und Energie erfüllte sich das Paar den Traum vom Eigenheim in der Weststadt, ohne viel maschinelle Unterstützung wurde in Handarbeit mit Schaufeln und Spaten gegraben. Vier Kinder wurden dem Paar geschenkt.

Trotz vieler Schicksalsschläge ließen sich die beiden nie unterkriegen. Katharina stand bis zur Rente 1990 immer im Berufsleben, Bruno arbeitet bis 1993. Dass sie noch in ihren eigenen vier Wänden wohnen können, freut das Paar, die gute Nahversorgung in Gmünds Weststadt erleichtern Katharina die Einkaufsgänge sehr.

Busreisen in die alte Heimat

Bruno hat etwas Probleme beim Laufen, das hindert ihn aber nicht daran, Berichte zu verfassen, die in der Heimatzeitschrift der Sudetendeutschen Landsmannschaft veröffentlicht werden. 47 Jahre hat es gedauert, bis er wieder seinen Fuß auf Heimatboden setzen konnte, engagiert als ehrenamtlicher Ortsbetreuer seiner früheren Heimatgemeinde und als Aktiver in der Sudetendeutschen Landsmannschaft konnte er viele berührende Busreisen in die alte Heimat organisieren. Und er konnte erwirken, dass der Friedhof in seiner Heimatgemeinde zu einer Gedenkstätte wurde.

Glücklich ist Katharina, wenn sie in ihrem Garten arbeiten und ihr eigenes Gemüseanbauen kann. Ihr Mann hat die heimische Terrasse in einen Wintergarten verwandelt, für Katharina ist dies einer der Lieblingsplätze, hier findet ihre Nähmaschine Platz und das Licht ist gut genug zum Stricken. Im Wintergarten soll auch das Familienfest zur Gnadenhochzeit stattfinden, zur Abwechslung kocht Katharina nicht selber, Bruno hat ein Menü bestellt. Gottesdienstbesuche im Münster lässt Brunos Gesundheit nicht zu, die regelmäßigen Besuche von Dekan Robert Kloker sind für das Paar eine „große Freude und Ehre“, auch zur Gnadenhochzeit hat der Geistliche seinen Besuch angesagt.

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