Selbstverteidigung – es gibt einfache und wirksame Techniken 

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Kempo-Judo ist mehr als eine reine Kampftechnik, denn es verbindet Kempo, das „Gesetz der Faust“, mit Elementen aus dem klassischen Judo, dem „sanften Weg“.
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Wie Kempo Judo Mädchen und Frauen zu mehr Selbstbewusstsein verhilft und warum dies im Falle eines Angriffs wichtig ist, zeigt der Budosportclub Wetzgau.

Schwäbisch Gmünd-Wetzgau. Jeder Mensch hat seine ganz empfindlichen Stellen, weshalb Selbstverteidigung im Falle eines Angriffs naheliegend und auch vielversprechend ist. Ein bisschen Übung und ein paar Tricks können allerdings nicht schaden, weshalb der Verein Frauen helfen Frauen bereits in der Schule mit seinen Kursen „Mut zur Stärke“ beginnt. Nun hat der Verein ein neues Angebot in Zusammenarbeit mit dem Budosportclub Wetzgau geschaffen, das sich an Frauen und Mädchen richtet: der Selbstverteidigungskurs NEIN; mittwochs von 18 bis 19 Uhr treffen sich derzeit rund zehn Frauen in der Turnhalle der Friedensschule und lernen von Erika Müller, welche Techniken einfach und wirksam sind. 

Erika Müller macht seit vielen Jahren Kempo-Judo. Der eher kleinen Frau sieht man an, dass sie sich vor nichts und niemandem fürchtet, und das hat an erster Stelle mit Selbstbewusstsein zu tun, und mit der Haltung: „Der Oberkörper ist immer gerade“, lautet die erste Ansage. Denn Selbstverteidigung fange mit dem Auftreten an, erklärt Bianca Heister-Bückner, Vorstandsfrau des Vereins. Sie hat die Kampfkunst Kempo selbst praktiziert und den Kurs in die Wege geleitet. „Wer signalisiert, dass er keine Angst hat, ist weniger angreifbar“, ergänzt Trainerin Erika Müller. 

Auf den blauen Matten geht es die nächste Stunde richtig zur Sache. Klammergriff von hinten – keine Chance? Von wegen, viele Frauen sind mit Handy unterwegs. Ein gezielter Schlag quer über den Handrücken des Angreifers, und der lässt mit fast hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit los. Ein Schlag auf die Knochen und Sehnen an dieser Stelle tue empfindlich weh, erklärt die Trainerin. Ebenfalls heftig ist ein Schlag mit dem Handy an die Schläfe. 

Als nächstes kommen Kugelschreiber und Schlüssel zum Einsatz, die mit voller Wucht in den Rücken des Angreifers gerammt werden können. Der Schmerzmoment verschafft Zeit wegzurennen. Genauso wie der Tritt von hinten ins Kniegelenk, der ebenfalls sehr schmerzhaft ist. Der „Klassiker“ ist natürlich ein Schlag in den Schritt. Dies sei ebenfalls eine gute Abwehr, wenn Frau von hinten angegangen wird: Ein Schritt auf die Seite machen, sich leicht nach vorne beugen und dann gezielt zwischen die Beine schlagen – „autsch ist immer das Beste“, bringt es Müller auf den Punkt. 

„Jeder hat Waffen bei sich“, schafft die Trainerin bei den Frauen das Bewusstsein, nie wehrlos zu sein: den Ellenbogen ins Gesicht rammen, seitliche Kinnhaken ins Gesicht, die kleinen Finger packen und verdrehen, mit dem Finger in die Augen des Angreifers stechen – Selbstverteidigung ist vielfältig. Wichtig nennt sie Schnelligkeit und Kraft, und rät, an der Sache dran zu bleiben, denn die möglichen Reaktionen müssen verinnerlicht werden. Groß nachdenken ist im Falle eines Angriffs nicht angesagt, sondern automatische Verteidigung. 

„Ich kann jedem empfehlen, sich körperlich zu ertüchtigen“, sagt Katharina Engels, erfahrene Kampfsportlerin, mit der die Trainerin die Übungen demonstriert. Im Kopf hat sich bei den Teilnehmern schon nach ein-, zweimal viel getan. Eine Frau, deren Tochter parallel den Kurs für Mädchen besucht, sagt: „Wenn mich einer angreift, verdient er das volle Programm.“ Aus dem Kopf raus müsse das Denken, Mädchen wehren sich nicht. Wegrennen und nicht groß in eine Kampfsituation einzusteigen sei aber das Allerbeste, fügt sie hinzu. 

Kempo-Judo ist mehr als eine reine Kampftechnik, denn es verbindet Kempo, das „Gesetz der Faust“, mit Elementen aus dem klassischen Judo, dem „sanften Weg“. Zum Repertoire gehören neben harten Schlägen, Tritten oder Fingerstichen auch Ausweichmanöver, Gelenkhebel und das Ausnutzen der gegnerischen Kraft. Wer gerne mal ins Training reinschnuppern will, kann zum regulären Training mittwochs von 20 bis 21.30 Uhr und freitags von 19.45 bis 21.15 Uhr in die Turnhalle der Friedensschule kommen.

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