Sensenmacher und Goldschmiede

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Susanne Lutz bei der Führung im Stadtgarten.
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Wie entstand der Remspark und welche geschichtlichen Hintergründe hat das umliegende Areal? Stadtführerin Susanne Lutz gibt Auskunft.

Schwäbisch Gmünd

Der Remspark, im Herzen der ältesten Stauferstadt Schwäbisch Gmünd, präsentiert sich nicht erst seit seiner Umgestaltung zur Landesgartenschau im Jahr 2014 als blühendes Ausflugsziel. Der städtische Park blickt auf eine lange Geschichte zurück, die von der Stadtführerin Susanne Lutz am Samstag beleuchtet wurde. Dabei ging die Stadtführerin tief zurück in die Vergangenheit der Stadt Gmünd, die von Konrad III im 12. Jahrhundert das Stadtrecht erhielt. An der engsten Stelle des Remstales gelegen, münden hier viele Bäche in die Rems, was den Namen „Gmünd“ rechtfertigt. Die Weiterentwicklung der Stadt ist auf die Huf- und Wagenschmiede zurückzuführen, die Kunst, der sich später ansiedelnden Sensenschmiede war weit über die regionalen Grenzen hinaus geachtet und brachte der Stadt eines der wichtigsten wirtschaftlichen Standbeine.

Nur Katholische erwünscht

Da die Stadt Gmünd bis ins beginnende 19. Jahrhundert rein katholisch ausgerichtet war, hatten die Sensenschmiede einen schweren Stand, „sie wären gerne evangelisch geblieben“, erläutert Lutz, ein Bürgereid, der damals abzulegen war, ließ aber nur die Ansiedlung von Katholiken zu. Es liege sogar die Vermutung nahe, „dass keine evangelischen Übernachtungsgäste in der Stadt geduldet wurden“. Von einer dokumentierten Ausnahme kann Lutz berichten, dabei habe es sich um den Gesellen einer Goldschmiedewitwe gehandelt, der das Handwerk weiter ausführen durfte, die Witwe als Frau stand als Betriebsleiterin damals nicht zur Debatte.

Nach der Abwanderung der Sensenmacher siedelten sich die Goldschmiede an, die mit ihren Rosenkranzarbeiten sehr erfolgreich waren. Mit dem 18. Jahrhundert kamen Handlungsreisende nach Gmünd, die Produkte aus Metall, Gold und Silber anboten. Die Kollektionen wurden in „Musterbüchern“ präsentiert und auf Bestellung angefertigt. Lediglich mit der Bezahlung haperte es ein wenig, es fanden Tauschhandel statt. Ob sich ein Handlungsreisender über 20 „getafftete Regendächer“ gefreut hat, bleibt dahingestellt.

Leben in den „Stadtgarten“ brachte die Familie von Stahl. Bürgermeister Georg Franz von Stahl ließ 1780 das Lustschloss, das Rokoko-Schlösschen, von Baumeister Johann Michael Keller errichten und schenkte dies seiner Gattin Veronika, „der Beginn des Stadtgartens“, wie die Stadtführerin Lutz erläutert. Die Parkanlagen wurden damals bereits mit barocken Blumenanlagen versehen, eine Beetanordnung, die bis heute erhalten geblieben ist. Ebenfalls zur Landesgartenschau wurden die Beetanlagen mit den geraden Beeten „barock“ gestaltet. Die Gmünder Stadtgärtnerei unter der Leitung von Ramona Baur zeigt sich dafür verantwortlich, dass die Beete regelmäßig mit saisonaler Bepflanzung versehen wird. Jetzt im Spätsommer dominieren die warmen Rot- und Violetttöne von Akeleien, Feuersalbei und Prachtkerzen, die durch Lampenputzergras aufgelockert werden. Die Schönheit der Parkanlage wurde am Samstag als Motivhintergrund von sechs Hochzeitspaaren unterstrichen.

Hexenverbrennungen

Baumeister Johann Michael Kellers Handschrift umfasst nahezu alle Gebäude auf dem Gmünder Marktplatz, das Rathaus mit eingeschlossen. Verschiedene Umstände sorgten dafür, dass der „von Stahlsche Park“ in städtischen Besitz überging, unter der Voraussetzung, dass der Park der Öffentlichkeit zugänglich bleibt. Neben den Schönheiten der antiken Sonnenuhr im Park, dem „Geigerbrunnen“ und dem Rückbau der „Fünf-Knopf-Brücke“ auf die ursprüngliche mittelalterliche Gestaltung, kann Gmünd auch auf „unrühmliche“ Aspekte zurückblicken. Im Konkurrenzdenken mit der Stadt Ellwangen begann 1613 die „Hexenverfolgung“ in der Stadt. „Ellwangen konnte mehr Hinrichtungen aufweisen“, so Lutz. Schwere Unwetter, die in den Folgejahren in der Stadt niedergingen, „das musste mit dem Teufel zugehen“, wurden als Anlass genommen, über 50 Frauen und Männer bis zum Jahr 1617 hinzurichten.

„Das musste mit dem Teufel zugehen.“

Susanne Lutz, Stadtführerin

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