Sexismus aus dem Verborgenen holen

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Über 50 Frauen haben Ann-Katrin Lauer (Mitte) und ihren Kolleginnen der Gmünder Fraueninitiative Fotos zum Thema „Nicht meine Schuld“ zugeschickt.
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Mit einer Foto-Aktion macht die Fraueninitiative Schwäbisch Gmünd auf Gewalt an Frauen aufmerksam. Kundgebung am 27. November auf dem Marktplatz geplant.

Schwäbisch Gmünd

Auf dem Foto steht eine zierliche Frau im schwarzen, langen Pulli. Von ihrem Kopf sieht man nur ihre blonden Haare, weil sie ein Plakat vor ihr Gesicht hält: „Es ist nicht meine Schuld, wenn ich auf dem Nachhauseweg Angst haben muss!“, ist in großen Lettern darauf geschrieben. Ein anderes Foto, darauf eine Frau im weißen Pulli, ebenfalls mit Plakat: „Es ist nicht meine Schuld, wenn ich wegen meinem Geschlecht Gewalt erfahre!“ Zwei Beispiele von vielen, sagt Ann-Katrin Lauer: „Wir haben bisher über 50 Fotos zugeschickt bekommen“, bestätigt die Sprecherin der Fraueninitiative Schwäbisch Gmünd. Der im Jahr 2020 gegründete Verein ruft noch bis Sonntag, 21. November, dazu auf, Fotos von Plakaten einzuschicken, auf denen der Satzbeginn „Es ist nicht meine Schuld, wenn“ komplementiert wird.

Anlass für die Aktion ist der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen, der am 25. November zum 40. Mal begangen wird. Die Gmünder Fraueninitiative wird am Samstag, 27. November, mit einer Kundgebung auf dem Marktplatz darauf aufmerksam machen. „Wir wollen sichtbar machen, dass Frauen sexualisierte Gewalt erleben“, erklärt Ann-Katrin Lauer. Die meisten Plakate würden ein tatsächliches Erlebnis widerspiegeln: „Viele Frauen haben uns kontaktiert und von ihren Erfahrungen berichtet.“

So schreibt eine davon, dass ihr Ex-Mann „nur mit Fäusten sprechen kann“. Eine andere erzählt von der Aufforderung ihres Chefs, mit ihm eine Affäre anzufangen. Wieder ein anderes Plakat beschreibt, dass einer Frau in den Schritt gefasst wurde. „Sexualisierte Gewalt trifft Frauen in allen Lebensbereichen, zu Hause, am Arbeitsplatz, beim Feiern gehen, auf der Straße, im Internet“, sagt Lauer. Der Anspruch der Gmünder Fraueninitiative sei es, dem etwas entgegenzusetzen: „Räume zu schaffen für Frauen, um sie zu stärken und sich auszutauschen.“

Denn oft würden Frauen selbst für das Geschehene verantwortlich gemacht: „Warum hast du so einen kurzen Rock getragen oder warum hast du dich nicht früher von deinem Freund getrennt“, zählt Lauer Vorwürfe auf, von denen ihr Betroffene berichten. Das löse Scham aus: „Weshalb jedes vierte Opfer sein Erlebnis nicht öffentlich macht.“ Doch es sei eben nicht die Schuld der Frauen, was durch die Foto-Aktion offenbart werden soll. „Wir holen den alltäglichen Sexismus aus dem Verborgenen.“

Sie sind nicht allein

Lauer hat die Gmünder Fraueninitiative vor einem Jahr zusammen mit sieben weiteren Frauen gegründet. „Als politische Gruppe, die dem alltäglichen Sexismus, der Diskriminierung, der Gewalt und der Ausbeutung von Frauen etwas entgegensetzt.“ Denn Gewalt gegen Frauen sei kein Einzelfall: „Das ist ein strukturelles Problem.“ Und fuße beispielsweise auf gesellschaftlichen Rollenbildern, in denen die Frau zum Objekt des Mannes gemacht wird, auf das dieser Besitzansprüche erhebt. Um das zu ändern, müsse sich die Gesellschaft ändern: „In erster Linie das gesellschaftliche Bewusstsein.“ Was der Verein durch Kundgebungen, Vorträge oder Lesungen versucht, zu erreichen. Von der Foto-Aktion wünscht sich Lauer, dass Frauen bewusst wird, dass sie nicht allein sind. „Damit sie für sich einstehen.“ Aber auch, dass dieses oft tabuisierte Thema ins Blickfeld gerät. „Denn das betrifft uns alle.“

Wir wollen sichtbar machen, dass Frauen sexualisierte Gewalt erleben.“

Ann-Katrin Lauer,, Sprecherin der Fraueninitiative
  • Kundgebung am 27. November auf dem Marktplatz
  • Aktion: Am Samstag, 27. November, ab 11 Uhr werden die eingesandten Plakate bei der Kundgebung der Fraueninitiative auf dem Unteren Marktplatz präsentiert. Ein Info-Tisch ist geplant, ebenso wie Reden und Musik. Am Mittwoch, 24. November, spricht Geschlechterforscherin Anna Schiff um 19 Uhr im Esperanza, Benzholzstraße 8, darüber, was Sexismus ist und was dagegen unternommen werden kann. Der Eintritt ist kostenlos. Weitere Informationen gibt es unter www.fraueninitiative-gd.de.

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