Sich für die Schwachen einsetzen

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Feierlicher Abschluss der Wallfahrtswoche.

Festgottesdienst unter freiem Himmel zum Abschluss der Wallfahrtswoche.

Schwäbisch Gmünd. Bei sommerlichen Temperaturen strömen Pilgerscharen den Hohenrechberg hoch. Im Freien geht die 93. Wallfahrtswoche mit einem feierlichen Gottesdienst zu Ende. Zu dritt zelebrieren die Geistlichen die Heilige Messe. Federführend für die Organisation der Wallfahrtswoche war Pfarrer Dr. Horst Walter aus Waldstetten. Corona hatte die Entscheidung für die Wallfahrt nicht einfach gemacht. Belohnt wurden die Besucher eine ganze Woche lang mit gutem Wetter. Die Erleichterung darüber spürte man aus den Begrüßungsworten heraus.

Die Ministranten führen den Zug der Geistlichen aus der Kirche heraus an. Mit einem Introitus begleitet das Bläserensemble aus Wißgoldingen unter seinem Dirigenten Robert Glaser den Einzug der Talare. Das über 1000 Jahre alte "Salve Regina", ursprünglich der Abschluss des kirchlichen Nachtgebetes, bildete mit seinem Lobpreis auf die gekrönte Königin Maria das Motto für die Wallfahrtswoche. Mit der Fürbitte an Maria "Wende deine barmherzigen Augen zu uns" gedachten die Gläubigen verschiedener gesellschaftlicher Gruppen. Die Lesung aus Apostel Paulus an die Epheser unterstrich die Botschaft Jesu einer Errettung aus Gnade, nicht aus eigenem Vermögen.

Auch der Zelebrant, Domkapitular Monsignore Dr. Uwe Scharfenecker aus Rottenburg, griff das Motto der "Salve Regina" auf. In Zeiten, bevor die Menschheit elektrisches Licht hatte, endete der Tag mit diesem Stundengebet und die Nacht senkte sich herab. Da wurde der Schutz Mariens angefleht. Die Marienverehrung sieht Scharfenecker in der Bibel verortet. Er verwahrt sich energisch gegen Deutungsmuster der nationalsozialistischen Volkskunde, die heidnische Ursprünge für die christlichen Feste ausmachen wollte, was die heutigen empirischen Kulturwissenschaften jedoch widerlegt hätten. Sein Bekenntnis ist getragen von Zuversicht und Glaube an einen Gott, der eingreift und der handelt.

Er ergreift Partei für die Armen. Sein Plädoyer gilt der Wahrheit, auch wenn sie unangenehm ist. Die Solidarität mit den Schwachen und Entrechteten steht für ihn an oberster Stelle. Reichtum und Macht sind ihm ganz im Sinne der Urchristen verwerflich. Damit bietet er kirchlichen Machtstrukturen die Stirn. "Macht an sich ist etwas Böses, der Teufel hat sie so programmiert." Er fordert Gewissensfreiheit und Redefreiheit. Mit dem synodalen Weg müsse die Kirche sich neu ausrichten und über ihre Strukturen nachdenken. Sein Appell an die Gläubigen gilt der Wahrnehmung der Geschehnisse, dem Eintreten für die Wahrheit, der Solidarisierung mit den Schwachen, dem Nachdenken. Ein Aufruf zu handeln, gläubig, politisch, kirchenpolitisch.

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