Sie stehen für das „Spendenwunder“

  • Weitere
    schließen
+
Es war ihr Abend: Karl-Heinz Scheide (l.) und Alfons Wenger (r.) verabschiedeten sich als „Motoren“ der „Küche der Barmherzigkeit“.
  • schließen

Dank an Alfons Wenger und Karl-Heinz Scheide für fast zwei Jahrzehnte im Dienst der „Küche der Barmherzigkeit.“ Ein Lenkungskreis übernimmt die Aufgaben.

Schwäbisch Gmünd

Feierliche Orgelklänge von Dr. Stephan Beck im Heilig-Kreuz-Münster künden an diesem Freitagabend ein besonderes Ereignis an: Nach zwei Jahrzehnten außergewöhnlichen Engagements für die „Küche der Barmherzigkeit“ in Armenien verabschieden sich Karl-Heinz Scheide (85) und Alfons Wenger (88) und übergeben die Aufgabe an einen Lenkungskreis, dem unter Vorsitz von Klaus Pavel Dr. Stefan Scheffold, Michael Länge, Christian Baron, Ursula Richter und Robert Kloker angehören.

Im Anschluss an eine ökumenische Andachtsfeier würdigen Redner die außergewöhnliche Kraftanstrengung, die, so der Ehrenpräsident des DRK Baden-Württemberg, Dr. Lorenz Menz, „leuchtendes Beispiel für die ökumenische Zusammenarbeit ist“. Als evangelische und katholische Pfarrer hätten sie für ein „wahres Spendenwunder gesorgt“. So konnten in diesen Jahrzehnten 1,5 Millionen Essen an bedürftige Menschen in Eriwan ausgegeben werden, wie Oberbürgermeister Richard Arnold lobend erwähnt. Ein Meilenstein sei dabei das 2006 eröffnete „Haus der Hoffnung“, das seither Heimat der „Küche der Barmherzigkeit“ ist.

Die Feierstunde, der viele Vertreterinnen und Vertreter aus Kirchen, Politik und Gesellschaft beiwohnen, ist für Dr. Lorenz Menz auch Anlass für einen Rückblick auf die Anfänge der „Küche der Barmherzigkeit“. „Was würde wohl Initiator Gerhard Maier dazu sagen, wenn er das heute noch erleben könnte“, so Menz. Er wäre sicher glücklich über die Nachhaltigkeit des Projekts.

Der Start geht zurück auf ein Erdbeben in Armenien im Jahr 1988, damals leistet Maier mit der Bergwacht Baden-Württemberg Hilfe vor Ort und ist überwältigt von der Not der Menschen. 1994 startet die „Küche der Barmherzigkeit“. Karl-Heinz Scheide erinnert sich genau an den Tiefpunkt nach dem tragischen Tod von Gerhard Maier 2002. Für den evangelischen Pfarrer heute noch eine emotionale Herausforderung. „Das kann so nicht zu Ende gehen“, habe er sich damals gesagt und sei in Pfarrer Alfons Wenger auf einen Gleichgesinnten gestoßen. Gemeinsam habe man Spender gefunden – und einen Schirmherrn für den Freundeskreis: Klaus Pavel habe sich trotz der Herausforderungen seines Amtes als Landrat spontan dazu bereiterklärt. Für Scheide nicht weniger wichtig: das Thema in die Öffentlichkeit zu tragen. Dabei habe ihn GT-Redaktionsleiter Michael Länge „in großartiger Weise“ begleitet. „Er hat die Arbeit der 'Küche der Barmherzigkeit' in die Herzen der Menschen hineingeschrieben“, so Karl-Heinz Scheide. Leistungen und Erinnerungen aus zwei Jahrzehnten „Küche der Barmherzigkeit“ können Alfons Wenger und Karl-Heinz Scheide nun gerahmt hinter Glas verfolgen: Michael Länge überreicht die am Freitag in der GT veröffentlichte Foto-Dokumentation, zusammengefasst auf einer Doppelseite.

Wie das Engagement von Alfons Wenger und Karl-Heinz Scheide in Eriwan angekommen ist, das fasst der dortige Leiter der „Küche der Barmherzigkeit“, Movses Poghosyan, zusammen. „Danke für Alles“, sagt er auf Deutsch und hat „Hochachtung vor dem, was sie auf die Schulter genommen haben“. Das Projekt sei Vorbild für die Barmherzigkeit. Karl-Heinz Scheide reicht den Dank an seine Unterstützer weiter, stellvertretend nennt er DRK, Bergwacht und Feuerwehr sowie Vertreter aus der Wirtschaft, unter ihnen Hermann Bauer jun.. Zuvor greift Dekan Robert Kloker, der den Gottesdienst gemeinsam mit Dekanin Ursula Richter zelebriert, das Thema Barmherzigkeit aus theologischer Sicht auf. „An vielen Stellen in der Bibel ist davon die Rede und Gott selbst ist der Barmherzige“, sagt er. Ein Werk der Barmherzigkeit sei es, Hungrige zu speisen. Dabei sei Essen mehr als lebensnotwendige Pflichtübung. Gerade in einer Zeit der Wegwerfgesellschaft, müsse man sich an die Kultur des Essens erinnern. Ein Blick auf die „Küche der Barmherzigkeit“ zeige, „dass wir über unseren Umgang mit der Nahrung nachdenken müssen“.

Für einen nachdenklichen Abschluss und einen sanften Übergang zum Stehempfang auf dem Münsterplatz sorgt Stella Scheide am E-Piano.

Danke für Alles.“

Movses Poghosya,, Küche der Barmherzigkeit
DRK-Ehrenpräsident Dr. Lorenz Menz dankte den Pfarrern.
Abschied nach 19 Jahren. Und Zukunft: (v.l.) Ara Barseghyan, Artak Verdyan, Gabriele Seefried, Klaus Pavel, Christof Renz, Alfons Wenger, Richard Arnold, Karl-Heinz Scheide, Dr. Stefan Scheffold, Christian Baron, Lena Hayrapetyan, Robert Kloker, Movses Poghosyan, Ursula Richter und Michael Länge im Gmünder Münster.

Zurück zur Übersicht: Stadt Schwäbisch Gmünd

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL