Sieben Hämmer für neue Erfahrungen

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Workshop Arenhaus
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Workshop mit Stadtgoldschmiedin Barbara Amstutz im Arenhaus. Es geht um Texturen und den Blick auf die Silberschmiede-Szene.

Schwäbisch Gmünd

Die Hämmer für die Bearbeitung von Gold und Silber hängen in der Werkstatt im Arenhaus in Reih und Glied. Jetzt sind sieben neue Hämmer dazu gekommen. Statt glatter Oberflächen fallen sie durch Einkerbungen auf, gesägt, geritzt. Speziell geschaffen für den am Freitag zu Ende gegangenen Workshop der Stadtgoldschmiedin 2022, Barbara Amstutz. Ihr großes Thema heißt „Texturen“.

Eine Woche lang konnten sich die Teilnehmerinnen – alle mit Gold- und Silberschmiede-Erfahrungen – mit den Texturen auseinandersetzen. Erfahren, wie das Stück Metall, in diesem Fall Silber oder Kupfer, auf die Bearbeitung reagiert. „Uns geht es nicht um ein fertiges Werkstück zum Abschluss des Workshops“, sagt Amstutz, deren Silberschmiedearbeiten im Mai und Juni in der Ausstellung „Texturen“ im Prediger zu sehen waren. Einziges Ziel ist es, die Fertigkeiten weiterzugeben, die bei der Bearbeitung des Metalls zählen. Oberflächen sind Barbara Amstutz besonders wichtig, damit beschäftigt sie sich tagtäglich. „Texturen sind nichts anderes als Gestaltungsmittel“, sagt sie. Mit den für den Workshop präparierten Hämmern lassen sich Ornamente, feine Vertiefungen, wiederkehrende Verwerfungen ins Metall treiben. In ihrer Ausstellung zeigte die Stadtgoldschmiedin Arbeiten, die von solchen Hammerschlägen geprägt sind, mal poliert, mal durch Ätzungen entfremdet.

Aber wie kommt man zum besten Ergebnis? Carmen Senger aus Rechberg hat schon manche Stadtgoldschmiede-Workshops besucht, diesmal aber wieder neue Erkenntnisse mitgenommen. „Die Variante a, aus dem Metall zuerst eine Form zu treiben und dann die Texturen aufzutragen, hat nicht funktioniert“, sagt sie. Die andere Reihenfolge führte zum gewünschten Ergebnis, war „allerdings mühsamer, weil die Form auf Holz getrieben werden musste“.

Christiane Iken aus Freiburg ist Goldschmiedin, war zum ersten mal bei diesem Workshop und ist sich sicher: „Silberschmiede haben uns viel zu sagen.“ Sie nehme wertvolle Tipps mit aus der Woche, habe die unterschiedlichen Dimensionen – hier Schmuck, dort große silberne Objekte – kennengelernt.

Und Amstutz schätzt die Abwechslung ganz besonders. „Gewöhnlich arbeite ich allein in der Werkstatt, jetzt war ich von vier motivierten Frauen umgeben.“ Auf Fragen einzugehen, auf die unterschiedlichen Entstehungsprozesse, das sei schon anregend. „Vielleicht nehme ich selbst ja von diesem Workshop am meisten mit, weil ich eigentlich vier Kurse erlebt habe“, sagt die Stadtgoldschmiedin.

Hinter dem Thema Stadtgoldschmiedin steht die Stiftung Gold- und Silberschmiedekunst. Deren Geschäftsführerin Ulrike Kleinrath lobt das Engagement der Silberschmiedin. Vor dem Hintergrund, dass es im Silberschmiedehandwerk immer weniger Nachwuchs gibt, sei es besonders wichtig, in der Öffentlichkeit ein Bewusstsein für diesen Beruf zu schaffen. Der Grund für den Nachwuchsmangel lässt sich nach Worten von Barbara Amstutz klar ausmachen. „Die Silberobjekte müssen auch verkauft werden“, sagt sie. In der heutigen Gesellschaft sei die Nachfrage nach Silber für den Haushalt reduziert. Weil so auch die Berufsaussichten eher schwierig sind, fänden sich auch kaum junge Leute dafür.

Mehr Bilder finden Sie im Internet auf www.tagespost.de.

Silberschmieden im Hammerclub¶

In Schwäbisch Gmünd wird die Silberschmiedetradition hoch gehalten. Unter anderem im Hammerclub, zu dessen Mitbegründern Conrad Stütz zählt.  Es ist eine Verbindung von Silberschmieden aus ganz Europa, jährlich findet an einem anderen Ort das Hammertreffen statt. Im Jahr 2014 war es in Schwäbisch Gmünd, damals wie auch beim Treffen im vergangenen Jahr konnte sich die neue Stadtgoldschmiedin Barbara Amstutz einen ersten Eindruck von der Stadt machen. Conrad Stütz ist  der Motor in Sachen Stadtgoldschmied, engagiert sich seit 34 Jahren dafür. Aus seiner Sicht auch deswegen bedeutend, „weil Schwäbisch Gmünd ja eigentlich die Silberstadt und nicht die Goldstadt ist".

Workshop Arenhaus
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Workshop Arenhaus Foto: Tom
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Stadtgoldschmiedin Barbara Amstutz (2. von rechts) beim Workshop im Arenhaus. Teilnehmerinnen profitierten von ihren Erfahrungen im Umgang mit Silber, ihrem Wissen um unterschiedliche Möglichkeiten der Oberflächengestaltung. Fotos: Tom

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