Sind E-Autos und Solaranlagen eine Gefahr?

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Steigt durch E-Autos und Photovoltaikanlage die Brandgefahr? Wie groß die Risiken sind und welche Vorkehrungen man treffen kann, das sagt der Gmünder Feuerwehr-Chef Uwe Schubert.

Schwäbisch Gmünd

Im Juli 2021: Ein Haus in Lorch brennt komplett aus - in der Garage stand ein Hybridauto. Im September 2021: Ein Bauernhof und eine Scheune brennen in Steinenbach bei Ruppertshofen nieder – der Hausbesitzer erzählt der Feuerwehr, der Brand habe beim Wechselrichter der Solaranlage begonnen. Auch im September: In Stuttgart brennt eine Halle mit 25 Bussen aus – die Ermittler haben eine E-Bus als Ursache in Verdacht. Im Oktober 2021: In Alfdorf-Endersbach geht eine Scheune in Flammen auf – sie hatte eine Photovoltaikanlage auf dem Dach. 

Wie groß ist die Gefahr, die von Elektroautos und Photovoltaikanlagen ausgeht? Nachfrage bei  einem, der es wissen muss: Uwe Schubert, Kommandant der Gmünder Feuerwehr. „E-Autos sind genauso sicher wie Verbrenner-Fahrzeuge“, sagt er. Angst sei nicht angebracht – nicht mehr als bisher jedenfalls. Denn auch die Elektrik konventioneller Autos ist eine Gefahrenquelle. „Ein Großteil der PKW-Brände ist auch bisher schon in der Elektrik entstanden.“ 

Das Brandrisiko steigt nicht, weil E-Autos besonders gefährlich sind. Es nimmt zu, weil die Menschen immer mehr elektrische Geräte um sich haben. „Wir leben mit Fortschritt und Veränderung, da gehört die Elektrifizierung dazu“, sagt Schubert. „Irgendwann hat jeder eine Strom-Tankstelle im Haus und eine Luft-Wärme-Pumpe im Keller. Das Thema Elektro wird mehr werden.“ Wo Strom ist, kann es immer einen Funken geben und es kann immer zum Brand kommen. „Strom ist grundsätzlich eine Gefahrenquelle. Aber der Fortschritt ist einfach da, wir müssen damit umgehen, und wir müssen dazulernen.“

Dazulernen, das betrifft Uwe Schubert und seine Feuerwehr-Leute, denn für die werden Löscharbeiten tendenziell komplizierter. Etwa, wenn eine Photovoltaikanlage im Spiel ist. „Solarzellen produzieren ständig Strom“ - auch wenn es im Haus darunter schon brennt. 

Wenn E-Autos in Brand geraten, sind sie ein spezieller Fall. Das hat der Brand im vergangenen Sommer in Lorch gezeigt, bei dem ein Hybridauto in der Garage in Flammen aufging. Mit der Batterie ist das passiert, was Schubert eine „exotherme Reaktion“ nennt. Auch Feuer ist eine solche, weil mehr Energie frei wird als eingesetzt worden ist. Aber ein brennendes Haus lässt sich binnen Stunden löschen, eine E-Auto-Batterie nicht. Hat ein Lithium-Ionen-Akku einen inneren Kurzschluss, wird gespeicherte Energie unkontrolliert freigesetzt. Die Feuerwehr ist erst mal  machtlos: „Es ist ein großes Problem, den Prozess zu stoppen.“ Das Auto aus Lorch musste zur Kühlung des Akkus wochenlang in einem Container mit Wasser gelagert werden. „Aber auch da schreitet die Technik voran, an dem Problem wird gearbeitet“, sagt Schubert.

Dazulernen, das gilt auch für Privatleute. „Ein Rauchmelder ist in einem Raum eine gute Idee, wenn dort ein Wechselrichter an der Wand hängt“, empfiehlt Schubert. Denn ein defekter Wechselrichter geht wie viele elektrische Geräte nicht gleich in Flammen auf. „Es kommt erst der Kurzschluss, dann fängt es an zu rauchen.“ Wer so etwas rechtzeitig bemerkt, kann oft Schlimmeres verhindern. 

Man braucht nicht mal eine Photovoltaikanlage oder ein E-Auto, es reicht auch das Alltagsgerät Handy. „Man sollte es auf jeden Fall nicht neben dem Bett auf dem Nachttisch laden, auch da gab es schon Brandereignisse“, sagt Schubert. Einen Fahrradakku auf einem Stein- oder Fliesenboden laden – gute Idee, sagt Schubert.  Es geht hin bis zur Frage: „Wo steht in der Küche der Wasserkocher?“ Denn auch der kann durchbrennen, die Heizspirale ist im Boden des Geräts. Schubert: „Es wird empfohlen, so ein Gerät auf eine nicht brennbare Unterlage, etwa eine Glasplatte, zu stellen.“

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