So besinnlich wie möglich in der Klinik

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Ein großer Weihnachtsbaum steht am Stauferklinikum in Mutlangen. Auch drinnen sorgen die Mitarbeiter für weihnachtlichen Schmuck. Feiern sind allerdings abgesagt, Besuche nur in Ausnahmefällen möglich.
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Wie Pflegekräfte, Ärzte und Patienten am Stauferklinikum in Mutlangen die Feiertage erleben. Und welche Einschränkungen die Corona-Pandemie mit sich bringt.

Schwäbisch Gmünd

Wenn sich's die Familie nach dem Abendessen und der Bescherung an Heiligabend gemütlich macht, dann zieht sich Nicole Kugler die Jacke über, packt ihre Tasche und fährt ins Krankenhaus. Denn sie arbeitet als stellvertretende Stationsleiterin auf der Intensivstation für Frühchen am Stauferklinikum in Mutlangen. An Heiligabend hat sie dieses Jahr Nachtschicht. „Das ist ok. Wer den Beruf wählt, weiß das“, sagt Nicole Kugler. Es gebe viele Berufsgruppen, die an Feiertagen oder Wochenenden arbeiten müssten. Das stimme sie nicht traurig. Die Familie müsse halt mitziehen, das Weihnachtsfest bauen die Kuglers um ihre Dienste herum. Weihnachtsstimmung kommt bei der Mutter zweier Kinder trotzdem auf.

Wie fühlt sich Weihnachten im Krankenhaus an? „Es herrscht eine ganz andere Stimmung“, beschreibt sie den Heiligabend. Das sei schwer zu erklären, aber alle seien harmoniebedürftiger und besinnlicher als sonst. Die Flure und Zimmer seien weihnachtlich geschmückt. „Wir machen es uns schön – so gut es eben geht“, erklärt die stellvertretende Stationsleiterin.

Die Corona-Pandemie erschwere das Ganze in diesem Jahr erneut. In der Zeit vor Corona habe jeder im Team etwas zum Essen für ein kleines Buffet mitgebracht, so dass die Pflegekräfte in ihrer Pause kurz zusammensitzen konnten. Das sei derzeit nicht möglich. In der Personalküche dürften lediglich zwei Mitarbeiter gleichzeitig auf Abstand ihre Pause verbringen. Zum Essen ohne Maske, dann gleich wieder mit FFP-2-Maske. Trotzdem bringe sie sich etwas Leckeres an diesen Tagen mit, sagt Nicole Kugler, die seit 1998 in Mutlangen arbeitet. Die Feiertagsdienste an den Mann oder an die Frau zu bringen, sei übrigens gar nicht so schwer. „Wir wechseln jährlich“, sagt Nicole Kugler. Es gebe Wunschlisten, in die sich jeder eintragen könne, und meistens schafften sie es so, dass es für jeden gerecht sei.

Unbeschwert Weihnachten feiern, ist für das diensthabende Personal nicht möglich, Notfälle und Geburten kommen an Feiertagen genauso vor wie unter der Woche. Für Patienten und Angehörige auch keine einfache Zeit.

Geschenke für Angehörige

„Unsere Patienten sind Frühgeborene“, erläutert die Krankenschwester. Von Weihnachten bekämen diese noch nicht wirklich etwas mit. Dafür aber umso mehr die Mütter, Väter, Großeltern und Geschwister. „Wir haben im Moment leider sehr strenge Besuchsregeln“, sagt Nicole Kugler. Ein Elternteil dürfe dauerhaft beim Kind bleiben, dann aber aufgrund der Pandemie nicht raus aus der Klinik. Ein weiteres Elternteil dürfe ein Mal pro Tag zu Besuch kommen. „Da werden schon viele wehmütig an Weihnachten“, sagt die Fachkraft. Deshalb bemühten sich alle Mitarbeiter sehr, es den Angehörigen möglichst schön zu machen. Beispielsweise haben sie Weihnachtskarten mit Fußabdrücken der kleinen Babys angefertigt oder Karten mit Fotos der Frühchen. „Kleine Aufmerksamkeiten, für die die Eltern sehr dankbar sind.“ Dankbar ist Nicole Kugler auch, dass die Intensivstation für Frühgeborene bisher vor Corona verschont geblieben ist. In anderen Abteilungen sei die Situation viel angespannter.

Das bestätigt Oberärztin Tanja Feßler, die zusammen mit Oberarzt Dr. Ulrich Rapp die Intensivstation des Stauferklinikums leitet. „Der Heiligabend ist für mich ein Tag wie jeder andere“, sagt die Ärztin, die dieses Jahr am 24. Dezember für die 24-Stunden-Rufbereitschaft eingeteilt ist. Planbare Eingriffe geben es an den Feiertagen nicht, aber Notfälle. Wer als Arzt oder Pflegekraft arbeite, müsse aber wissen, was auf ihn zukommt. Dazu gehörten eben auch Früh-, Spät- oder Nachtschichten an Weihnachten und Silvester. Zwar sei auch die Intensivstation weihnachtlich geschmückt. Besinnliche Stimmung komme aber nicht auf. Viele Patienten seien schwer krank und bekämen weder von den besonderen Tagen an Weihnachten, noch von Besuchern etwas mit.

Keine Besuche auf Intensiv

Wegen der Corona-Pandemie herrsche generell Besuchsverbot. Weihnachtsfeiern im Team seien komplett abgesagt worden. Zwar seien es im vergangenen Jahr an Weihnachten mehr Patienten auf der Intensivstation gewesen, zum Durchatmen komme trotzdem keiner, sagt Tanja Feßler. Eine frustrierende Arbeit? „Nein“, findet die Ärztin, die seit 20 Jahren in dem Beruf tätig ist. Denn vielen schwer kranken Patienten könne gut geholfen werden. Das seien Erfolgserlebnisse, die glücklich machten. Auch auf der Intensivstation würden die Dienste an den Feiertagen in der Regel gerecht verteilt werden, so dass es für alle passe. Nur wenn viel Personal krank werde und andere einspringen müssten, könne es problematisch werden. Im Herbst seien eine Zeit lang viele Mitarbeiter in Quarantäne gewesen. Das sei momentan nicht der Fall.

Wir machen es uns schön

Nicole Kugler, stellvertretende Stationsleiterin
  • Weihnachten im Krankenhaus
  • Gottesdienst: Die ökumenische Feier wird über die Bildschirme auf die Patientenzimmer übertragen. Nur die Seelsorger und die musikalische Begleitung sind in der Kapelle.
  • Patientenweihnachtsfeier: Diese entfällt wegen Corona – wie bereits 2020.
  • Basar: Seit Jahren gibt es den Palliativ-Basar in der Adventszeit, bei dem die Mitarbeiter in liebevoller Kleinarbeit weihnachtliche Dekoration erstellen und verkaufen. Vor der Pandemie war der Basar für alle geöffnet. Dieses Jahr nur intern – mit strengen Hygieneregeln und nur wenigen Personen gleichzeitig.
  • Schmuck: Dazu gehören zum Beispiel ein Christbaum vor der Klinik, Christbaum und Krippe in der Kapelle und weihnachtliche Gestecke in den Abteilungen.
  • Weihnachtsfeiern: „Aufgrund der aktuellen Situation mussten wir interne Weihnachtsfeiern der Abteilungen untersagen“, erklärt Klinik-Sprecher Andreas Franzmann.
  • Geschenke: Vorstand und Standortleitung haben Geschenke an alle Mitarbeiter verteilt. „Dazu haben wir einen digitalen Adventskalender mit Videobeiträgen von allen Standorten und ein kleines Gewinnspiel organisiert“, berichtet Andreas Franzmann. Zusätzlich gibt es Beiträge von Bürgern (Aktionen von Schulen, Unterstützung der Blaulichtorganisationen).
  • Besuche: Die Zugangsbeschränkungen bleiben auch während der Feiertage bestehen. Besuche in der Klinik sind nur in Ausnahmesituationen möglich. Alle aktuellen Infos und Regeln gibt's unter www.kliniken-ostalb.de/aktuelles.
  • Operationen: Das Operationsprogramm am Stauferklinikum bleibt weiterhin reduziert. Das heißt: Notfälle werden weiterhin behandelt, planbare Eingriffe werden verschoben.

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