„So eine Anlage verdient ja gleich Geld“

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"So eine Anlage verdient ja gleich Geld", sagt Alexander Hamler, der Vorsitzende der Gmünder Elektroinnung.
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Sind die Elektrobetriebe in Gmünd auf die Solarpflicht in Baden-Württemberg vorbereitet? Und was bedeuten die Mehrkosten für Häuslebauer?

Schwäbisch Gmünd

Bald wird es Pflicht: Solarzellen auf jedes neu gebaute Haus. Schaffen das die Elektrobetriebe überhaupt? „Kein Problem, wir haben die Kapazitäten hier in der Region“, sagt Alexander Hamler, der Vorsitzende der Gmünder Elektroinnung. Sorgen macht dem Fachmann etwas anderes: Lieferengpässe beim Material.

Vor kurzem wollte Alexander Hamler Schrauben bestellen. Auskunft des Lieferanten: derzeit nicht lieferbar. „Er hat mir erklärt, dass der produzierende Betrieb Kurzarbeit hatte“, erzählt er. An mangelnder Nachfrage dürfte es nicht gelegen haben. Das sei dann die Kehrseite der politischen Entscheidung für die Ausweitung der Kurzarbeit, glaubt Alexander Hamler. „Es ist aber gut möglich ist, dass die Firma selbst nicht genug Material herbekommen hat und darum einfach weniger arbeiten kann“, sagt er. Den Kreishandwerksmeister und seine Kollegen trifft im Moment ein Problem, das fast die ganze Baubranche hat. „Dass die Lieferketten unterbrochen sind, ist wirklich dramatisch. Es haben alle das gleiche Problem.“

Bei der Installation von Solaranlagen klemmt es immer wieder, bei allen maßgeblichen Teilen: Solarzellen, Wechselrichter, Batteriespeicher. So macht sich die hochgradig vernetzte Weltwirtschaft bemerkbar, die in ihren zusammenhängenden Verästelungen durch die Corona-Pandemie gestört ist. Sogar Kabel fehlen Alexander Hamler manchmal. „Die Weichmacher für das Isolationsmaterial sind ein Abfallprodukt der Diesel- und Kerosinproduktion – das hatte ich bisher auch nicht gewusst.“ Und in der Corona-Zeit war die Produktion der Kraftstoffe wegen gesunkener Nachfrage zurückgegangen. Alexander Hamler versucht mit mehr Lagerhaltung gegenzusteuern, wofür ihm manchmal aber der Platz ausgeht. „In der Hinsicht habe ich mich 2014 bei meinem Neubau verkalkuliert, da war Just-in-time-Lieferung noch das Normale.“


Derzeit installieren Hamlers Beschäftigte zwei Photovoltaik-Anlagen pro Woche. „Wir könnten deutlich mehr aufs Dach packen“, sagt Alexander Hamler, sechs Anlagen pro Woche könne sein Betrieb eigentlich stemmen. Aufs nächste Jahr sind die Betriebe in der Region gut eingestellt, sagt der Innungsvorsitzende. Ab 1. Mai 2022 gilt die Vorschrift im Land: Wer ein neues Wohnhaus baut, braucht eine Photovoltaikanlage auf dem Dach.

In der Praxis wird sich gar nicht so viel ändern, da ist sich der Elektromeister sicher. Weil bereits jetzt vieles spricht für eine Anlage zur solaren Stromerzeugung auf dem Dach, und weil das viele Bauende schon so sehen. „Von den Häusern, die wir installieren, haben alle schoneine PV-Anlage.“ Schließlich sei es problemlos, für ein Solardacheinen Extra-Kredit bei der Bank zu bekommen. „Die Banken machen da mit“, eine einfache Rentabilitätsberechnung genüge. „Die Technik hat sich bewährt. Und so eine Anlage verdient ja gleich Geld.“ Je nach Größe dauere es acht bis zwölf Jahre, bis sich eine Photovoltaikanlage amortisiert habe. „Und sie halten 20 Jahre plus.“


Trotz der Lieferengpässe: Im Moment halten sich die Wartezeiten der Kunden in Grenzen. „Im Schnitt sind es gerade sechs bis acht Wochen“, sagt Alexander Hamler. „In der Zwischenzeit besorgen wir das Material.“

Die Lieferketten sind unterbrochen, es haben alle das gleiche Problem.“

Alexander Hamler ,, Innungsobermeister
  • Was eine Solaranlage leistet und kostet¶
  • Preis: Rund 25 000 Euro kostet laut Alexander Hamler die Installation einer durchschnittlichen Anlage inklusive Speicher auf einem Einfamilienhaus.
    Leistung: Die Anlagen haben im Schnitt 8 Kilowatt Leistung.
    Ertrag: Damit lässt sich der meiste Strom fürs Haus selbst erzeugen: Bei 70 bis 80 Prozent etwa liege die Selbstversorgungsquote eines durchschnittlichen Haushalts.
    Und: Für eine „reibungslose und nachhaltige Installation“ rät Hamler, Innungsfachbetriebe aus der Region auszuwählen.

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