Soll Gmünd wie Paris werden?

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Ist Gmünd ein „Flickenteppich an Geschwindigkeitsvorschriften“, wie der Arbeitskreis Stadtentwicklung meint? Zunehmend setzen große Städte auf flächendeckend Tempo 30.
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Die französische Hauptstadt macht’s, Ulm und Freiburg wollen: Wäre Tempo 30 in der ganzen Stadt auch für Schwäbisch Gmünd eine gute Sache?

Schwäbisch Gmünd

Soll sich Gmünd Paris zum Vorbild nehmen? In der französischen Hauptstadt gilt ab Ende August flächendeckend Tempo 30 – einige Hauptverkehrsachsen ausgenommen. Dasselbe haben sich nun auch Städte wie Ulm, Augsburg, Freiburg zum Ziel gesetzt. Wie wäre Tempo 30 in Gmünd? Die Gmünder Tagespost hat Meinungen gesammelt.

„Natürlich fühlt man sich als Radfahrer sicherer, wenn Autos langsamer fahren“, sagt Angelika Abele, Vorstandsmitglied im Gmünder ADFC. Doch Tempo 30 ist aus Radlersicht nicht das allein selig machende Sicherheitskonzept. Man müsse auf die Gefahrenstellen schauen, „zum Beispiel an der Stelle, wo man als Radfahrer aus der Klarenbergstraße die Untere Zeiselbergstraße queren muss“.

Angelika Abele hat, wie viele andere Menschen, nicht nur eine Perspektive im Stadtverkehr: „Ich bin auch Autofahrerin“, sagt sie, und da falle es manchmal schon schwer, sich an Tempo 30 zu halten. Auch Irene Duijm nimmt viele Rollen ein im Gmünder Verkehr. „Es schlagen x Seelen in meiner Brust“, sagt die Vorsitzende des Stadtseniorenrats – sie ist Fußgängerin, fährt E-Bike und Auto.

Wer bei Senioren vor allem an ältere, gefährdete Fußgänger in der Stadt denkt, für die Tempo 30 bestimmt hilfreich wäre, hat ein unzureichendes Bild von heutigen Senioren. „Ältere Leute müssen in die Stadt fahren können“, sagt Irene Duijm. „Das war bei der Befragung ein zentrales Ergebnis, als wir vor vier Jahren die Zertifizierung für seniorenfreundliche Läden gemacht haben.“ Besonders wichtig sei das für viele Ältere bei Fahrten zum Arzt.

Und wie sehen es Handel und Gastronomie? HGV-Vorsitzender Dr. Christof Morawitz betont das aus seiner Sicht Entscheidende: „Es darf keine Eintrittsbarrieren geben, und zwar für alle Arten von Verkehrsmitteln.“ Den Menschen sei „daran gelegen, sich in der Stadt wohlzufühlen“. Darum findet Morawitz das „Konzept des geteilten Raums“ vielversprechend. „So wie wir das in den Schmiedgassen jetzt ausprobieren − und später bewerten.“ Morawitz: „Danach können wir gern die Diskussion führen, wo eventuell Tempo 30 noch Sinn macht.“

Irene Duijm könnte einer klareren Regelung als im Moment, wo die Stadt auf einzelne Tempolimits setzt, etwas abgewinnen: „An manchen Stellen sind es mir zu viele Schilder in Gmünd“, in der Rektor-Klaus-Straße seien es „mindestens vier verschiedene Tempo-Schilder“, sagt sie. „Das ist einfach zu viel für den Überblick.“ Als Radfahrerin meidet Duijm die Stadt komplett, aus Sicherheitsgründen, und das würde sich, sagt sie, auch bei Tempo 30 nicht ändern. Es geht ihr nicht nur ums Tempo, sondern um viele unübersichtliche Stellen. Als Autofahrerin hingegen sind Radler für sie manchmal ein Stressfaktor − „wenn zum Beispiel wilde Radfahrer ohne links und rechts zu schauen über den Zebrastreifen fahren“.

Anja Tamm, die Gmünder Mobilitätsbeauftragte, fasst mit ihrer Sicht vieles zusammen: „Tempo 30 bringt ein Mehr an Sicherheit, aber es ist nicht die generelle Lösung für alle Verkehrsprobleme.“ Die beste Lösung könnte womöglich von den Verkehrsteilnehmern selbst kommen. Denn derzeit fehle es am Miteinander, beklagt Irene Duijm. Angelika Abele sagt es so: „Man muss eben Rücksicht aufeinander nehmen.“

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