Sonderweg zum Schwimmabzeichen

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Freunde über ein gelungenes Projekt: (v.l.): Roland Wendel, Christian Baron, Peter Ernst und Thomas Vetter.
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Restlos ausgebuchte „Seepferdchen-Wochen“ bringen 330 Kindern die überlebenswichtigen Grundzüge des Schwimmens nahe. Fortsetzung im Herbst.

Schwäbisch Gmünd.

Jedes Kind muss schwimmen können, diese Meinung vertritt nicht nur der Vorsitzende des Gmünder Schwimmvereins Roland Wendel, der zudem der Ansicht ist „schwimmen können ist so wichtig wie Lesen und Schreiben lernen“.

Die Realität ist anders: Anzahl der Kinder, die schwimmen können, habe sich drastisch verringert. „Konnten früher drei Kinder in einer Klasse nicht schwimmen, so sind es heute drei Kinder, die diese Fähigkeit besitzen“, weiß Wendel.

Während der Pandemie sei ein großer Nachholbedarf an Schwimmkursen zu verzeichnen gewesen. Allein in der Stadt Schwäbisch Gmünd sind über 600 Kinder in einem Alter, in dem sie schwimmen können sollten, diese überlebensnotwendige Fähigkeit aber nicht besitzen, ergänzt Frank Wendel vom Gmünder Amt für Bildung und Sport. „Erst seit 26. Mai können wieder Schwimmkurse angeboten werden“, ergänzt er.

In Gmünds Sportbürgermeister Christian Baron habe man den „geistigen Urheber“ gefunden für diese „vollkommen richtige Aktion“, den zweiwöchigen „Schwimm Crash-Kurs“, genannt die „Seepferdchen-Wochen“, lobt der Schwimmvereinsvorsitzende. Mehr noch: Die Resonanz auf die am Freitag zu Ende gegangenen Schwimmkurse habe alle Beteiligten überrascht, zeigen sich der Geschäftsführer der Gmünder Stadtwerke Peter Ernst und der Leiter der Bäderbetriebe Thomas Vetter erstaunt. Innerhalb einer Stunde waren alle Schwimmkurse ausgebucht, 330 Kinder konnten in zwei Wochen einen großen Schritt in Richtung „sicher unterwegs im Wasser“ machen.

Die große Nachfrage bestätige, dass den Eltern ins Bewusstsein gerückt wurde, „wie wichtig Schwimmen ist“, meint Frank Wendel und ergänzt „wir können nicht genug Kurse anbieten, um den Bedarf zu decken“.

Mit den 330 Kindern, die nun über die Grundkenntnisse des Schwimmens verfügen, habe man trotzdem „unheimlich viel erreicht“, sagt Roland Wendel. Rund 15 Übungsleiter des Schwimmvereins, der Bäderbetriebe, des DLRG und des Gmünder Sport-Spaß haben sich für die kleinen „Wasserratten“ eingesetzt. „Einige haben sogar ihren Urlaub dafür geopfert“, lobt Roland Wendel.

Bürgermeister Barons Dank richtet sich an die Bäderbetriebe. Das Hallenbad sei während der Sommerferien üblicherweise geschlossen, die „wertvollen Wasserflächen hier haben geholfen, einem großen Teil von über 600 Kindern die nicht schwimmen können, mehr Sicherheit im Wasser zu vermitteln“. Barons Ansatz „jedem Kind in Schwäbisch Gmünd die Möglichkeit zu einem Schwimmkurs zu geben“, trägt Früchte. Die Seepferdchen-Wochen haben das „Defizit“ reduziert. „Aber wir sind noch nicht am Ziel“, sagt Baron. Darum sollen die Schwimmkurse im Herbst neu aufgelegt werden.

Immerhin zwei Wochen lang konnten die Kinder ab fünf Jahren täglich im Wasser üben. „Die Begeisterung war greifbar“ meint Frank Wendel schmunzelnd. Die Seepferdchen-Wochen seien als Pilotprojekt im Land zu werten, meint Peter Ernst. Jetzt heiße es „dran bleiben“, um auch die restlichen Nichtschwimmer abzuholen. Dran bleiben sollten auch die Kinder, die nun das Seepferdchen haben. Denn „Besser schwimmen geht immer“, meint Roland Wendel.

Info: Im vergangenen Jahr sind in Deutschland mindestens 378 Menschen ertrunken. In Binnengewässern verloren mindestens 335 Personen, das sind rund 88 Prozent der Opfer, ihr Leben, offenbart eine aktuelle Statistik der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Rechnerisch verliert fast täglich ein Mensch sein Leben im Wasser.

Die Begeisterung der Kinder war greifbar.

Frank Wendel , Amt für Bildung und Kultur

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