„Spaziergänger“ in Gmünd werden immer weniger

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Etwa 600 Menschen haben am Montagabend in Schwäbisch Gmünd einmal mehr gegen die Corona-Maßnahmen demonstriert.
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600 Menschen versammeln sich am Montagabend in Gmünds Straßen und Gassen, um erneut gegen Corona-Maßnahmen zu demonstrieren.

Schwäbisch Gmünd

Es war nicht nur „Die Welle der Freiheit“. Auch nicht nur „Die Gedanken sind frei“. Und auch nicht nur „Einigkeit und Recht und Freiheit“. An diesem Montagabend drang Dietrich Bonhoeffers „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ durch Gmünds Straßen und Gassen. Beim „Spaziergang“ bzw. der Versammlung von etwa 600 Menschen gegen die Corona-Maßnahmen.

„Von guten Mächten wunderbar geborgen“ ist ein Vers aus einem Gedicht von Dietrich Bonhoeffer, jenem im April 1943 verhafteten Theologen und NS-Widerstandskämpfer. Er verfasste das geistliche Gedicht „Von guten Mächten treu und still umgeben“ im Dezember 1944 in der Gestapo-Haft. Heute ist „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ gewiss eines der berühmtesten Kirchenlieder. Es wird in Gottesdienstes gesungen, oft auch bei Trauerfeiern. Und neuerdings auch bei „Spaziergängen“ gegen Corona-Maßnahmen. Das Gedicht, so sagt Wikipedia, ist Dietrich Bonhoeffers letzter erhaltener theologischer Text vor seiner Hinrichtung am 9. April 1945.

Die etwa 600 „Spaziergänger“ stellten ihre Route an diesem Montagabend auf den Kopf: Bahnhof, Remspark, Ledergasse, Marktplatz rauf und runter, Kappelgasse, Aral-Tankstelle, Remsstraße, Schmiedgassen, Kalter Markt, Postgasse, auf dem Marktplatz vorbei an drei plaudernden Taxifahrern, Münsterplatz, Bocksgasse, Türlensteg, Ledergasse, Remspark, Bahnhof.

Die Polizei hatte an diesem Abend die Durchsagen intensiviert. Wieder und wieder wiesen die Beamten darauf hin, dass bei der Versammlung eine Maske zu tragen sei, Abstand einzuhalten sei, die Gehwege zu benutzen seien. Die Polizei wies auch darauf hin, dass Verstöße gegen diese Auflagen zur Anzeige gebracht würden. An die Maskenpflicht hielten sich die wenigesten „Spaziergänger“, ebenso wenig an die Auflage, Abstand zu halten. Die Gehwege zu nutzen, daran jedoch hielten sich viele „Spaziergänger“, auch in der Remsstraße. Dennoch kam es dort zu Staus, die die Polizei regeln musste. Eine Menschentraube gab es, bevor die „Spaziergänger“ auf den Gehweg in der Remsstraße einbogen. Diese bildete sich am Eingang der Aral-Tankstelle. Eine Situation, die Gmünds Ordnungsamtschef Gerd Hägele als kritisch bewertete, zumal dies Privatgelände sei. Ansonsten, so Hägele, habe es keine Auffälligkeiten gegeben. Auch keine, wie vor zwei Wochen, Anzeichen der NPD. Was Hägele begrüßte: Dass die Situation insgesamt entspannt war. Und dass deutlich weniger „Spaziergänger“ unterwegs waren. Bis Ende Januar, sagte Hägele, habe die Stadt 44 Verstöße gegen Auflagen zur Anzeige gebracht.

Die Versammlung in Gmünd war im Ostalb die größte, sagte Polizeisprecher Bernd Märkle am Abend auf Anfrage. Im Bereich des Präsidiums habe es 36 Veranstaltungen gegeben, 35 davon gegen Corona-Maßnahmen. In Aalen gab's 450 „Spaziergänger“, in Ellwangen 250. In Aalen, so Märkle, seien am Ende Personenkontrollen durchgeführt worden, denen sich zwei Personen widersetzt hätten.

Die Situation war deutlich entspannt.“

Gerd Hägele, Ordnungsamtschef in Gmünd

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