SPD will mehr Bildungsgerechtigkeit

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Saskia Esken
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SPD-Chefin Saskia Esken diskutiert in Gmünd mit Tim-Luka Schwab, Prof. Dr. Helmar Schöne und Farina Semler (GEW) über Bildung, Zukunft und Digitalisierung.

Schwäbisch Gmünd

Die SPD-Bundesvorsitzende Saskia Esken hat am Freitagabend bei einer Diskussion über Bildung, Digitalisierung und Zukunftschancen im Spitalinnenhof den SPD-Bundestagskandidaten Tim-Luka Schwab unterstützt. Sie beglückwünsche die SPD im Wahlkreis, einen „so jungen und engagierten Menschen“ nominiert zu haben. Zuvor hatte Esken betont, dass Deutschland eine „progressivere Regierung gerade bei den Themen Bildung und Forschung“ brauche. Sie berichtete vom Digitalisierungspakt über 5,5 Milliarden Euro, den die Regierung auf den Weg gebracht habe. Als Schwierigkeit skizzierte Esken einen zu schleppenden Abfluss der Mittel. Dies habe sich verbessert, nachdem sie mit Bundeskanzlerin Angela Merkel einen Bildungsgipfel vereinbart hatte. Nach Corona, sagte Esken weiter, seien noch dreimal 0,5 Milliarden draufgesattelt worden, unter anderem für digitale Endgeräte für Schüler, aber auch für Personal, das sich an Schulen um die Pflege der Geräte kümmert. Dennoch: „In Deutschland geht alles zu langsam“, sagte Esken. Nicht nur bei der Bildung, auch bei der Klimaneutralität. Sie forderte zudem ein bessere Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern. „Es darf nicht sein, dass Mittel nicht ankommen“, sagte Esken.

Vor Esken hatte der Politikwissenschaftler Prof. Dr. Helmar Schöne die Situation an den Hochschulen beschrieben. Die Gmünder Pädagogische Hochschule habe es in drei bis vier Wochen geschafft, den Betrieb zu digitalisieren, beschrieb Schöne die Anfänge von Corona. Auch habe die Hochschule zahlenmäßig keine Studenten verloren. Allerdings hatte und habe die PH ein „massives Raumproblem“. Die PH habe aktuell etwa drei- bis viermal so viele Studenten wie zu der Zeit, als die PH gebaut wurde. Und das „Abstandsgebot verschlimmert dies“, sagte Schöne. Deshalb brauche es dringend Investitionen. Und es brauche eine Reform beim BAföG, damit Studierende Leben und Wohnen bezahlen könnten. Was Schöne mit Blick auf die Schulen wichtig ist: mehr politische Bildung im Unterricht. Aktuell gebe es an weiterführenden Schule etwa eine halbe Stunde in der Woche, nötig seien mindestens zwei Stunden Gemeinschaftskunde in der Woche. Denn neben „ausgehenden Ingenieuren“ gingen in Deutschland auch die Demokraten aus. „Immer mehr Menschen können sich auch vorstellen, in einem anderen System zu leben“, sagte Schöne.

Sie bewundere „uns alle, wie wir das mitmachen“, sagte Farina Semler, die stellvertretende Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Semler bezog dies auf Querdenker, die vor dem Spital demonstrierten. Und so die Veranstaltung stören wollten, von der Polizei jedoch von dieser ferngehalten wurden. Semler berichtete aus den Schulen. Bei der Digitalisierung seien die Schulen weit entfernt von einer ordentlichen Ausstattung. Soziale und emotionale Aspekte hält die GEW-Vertreterin und Lehrerin für gravierender als Lernlücken. Quarantäne, Lockdown, ständiger Wechsel zwischen Homeoffice und Präsenzunterricht, hier müsse massiv investiert werden. Allerdings würden dafür die Psychologen fehlen. Bei den Lehrern hält Semler eine Entlastung der Schulleitungen für dringend.

Was er aus dieser Diskussion mit nach Berlin nehmen wolle, fragte schließlich Gmünds SPD-Chef Michael Deusch, der den Abend moderierte, den SPD-Kandidaten. „In Deutschland hängt Bildungserfolg vom sozialen Status der Eltern ab“, sagte Schwab. Corona und die Digitalisierung hätten dies verstärkt. Deshalb brauche es in Deutschland eine „Debatte über Bildungsgerechtigkeit“, sagte Schwab. Auf lokaler Ebene sei dies unlängst am Beispiel der Grundschule Hardt diskutiert worden. Schwab will mehr Schulsozialarbeit, digitale Endgeräte für alle Schüler und ein „elternunabhängiges BAföG als Vollzuschuss“. Mit Olaf Scholz als Bundeskanzler werde die SPD mehr Bildungsgerechtigkeit schaffen, sagte Schwab.

In Deutschland geht alles zu langsam.“

Saskia Esken, SPD-Bundesvorsitzende

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