Speisen an Türen der Gemeinsamkeit

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Der erste Tisch entsteht aus der Tür der Augustinus-Küche. Viele weitere entstehen im Lauf des Abends.
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Kunstprojekt leitet die Sanierung des Augustinus-Gemeindehauses ein. Mehr als 50 Ehrenamtliche funktionieren Türen zu Tischen um. Abend voller Symbolkraf

Schwäbisch Gmünd

Ein Abend mit vielen Symbolen. Türen werden zu Tischen, an denen gemeinsam gespeist wird. Mehr als 50 Menschen aus Kirche und Gesellschaft kommen zusammen, um einen ganz besonderen Auftakt zum Umbau des Augustinus-Gemeindehauses zu inszenieren. „Das Haus ist für die Menschen da“ steht in großen Buchstaben auf der Südseite des Gebäudes, das ist an diesem Abend Leitspruch und Versprechen für die Zukunft zugleich. Ideengeber für den besonderen Abschied vom „alten“ Gemeindehaus sind Kirchengemeinderätin Katrin Sabath-Härlin und PH-Dozent Stanislaus Müller-Härlin sowie Architekt Thomas Sonnentag. 

Direkt nach Sonnenuntergang um 17.59 Uhr beginnt die Aktion, in zwei Schichten wird bis in den späten Abend gearbeitet. Jeweils fünf Teams mit fünf Helferinnen und Helfern sind am Werk, ein Team für jede Etage. Unter ihnen Freiwillige aus den evangelischen, katholischen und muslimischen Gemeinschaften in und um Gmünd, aus den Hoffnungshäusern und dem Arbeitskreis Asyl, aus der Pädagogischen Hochschule,  der Stadtverwaltung und  der Landeskirche.   Im Erdgeschoss sammeln sie sich um Thomas Sonnentag, dort wird auch die erste Tür aus den Angeln gehoben, in den Festsaal getragen und dort auf vorbereiteten Metallgestellen montiert. „Eine großartige Aktion“, findet auch der mitarbeitende Vorsitzende des Evangelischen Vereins, Matthias Weiblen. Einer der „Tür-Tische findet seinen Platz im Paul-Gerhardt-Haus in der Weststadt, einer Einrichtung des Evangelischen Vereins. Weitere Tische kommen an diesem Samstag in alle Evangelischen Kirchengemeinden des Dekanats, außerdem in katholische Einrichtungen wie St. Michael oder St. Franziskus. Auch muslimische Gemeinden sind unter den neuen Tisch-Besitzern. Gmünds Erster Bürgermeister Christian Baron will den „Tür-Tisch“ als neuen Besprechungstisch in seinem Dezernat nutzen.

„Dieser Umbruch ist ein Aufbruch“, sagt  Katrin Sabath-Härlin. Man habe das Haus nicht einfach den Handwerkern überlassen wollen, sondern einen ganz besonderen Übergang gewählt. Die Räume ohne Türen stünden für ein offenes Haus, das Kunstprojekt für eine Form der Gemeinschaft. Das Haus sei seit langer Zeit ein wichtiger Ort der Kultur und Kommunikation über die Gemeinde hinaus und das solle wieder so werden. Thomas Sonnentag fühlt sich an die Kunst von Joseph Beuys erinnert, an seinen erweiterten Kunstbegriff der sozialen Plastik. An diesem Abend sollten physische Kunst und die  Kunst der Gedanken zusammenfinden. Ein spannender Abend für den Architekten des Projekts, der sich damit auseinandersetze, wie aus Plänen nun Realität wird. Für Dekanin Ursula Richter ist diese Form des Sanierungsstarts „ein Wunschprojekt“. Man könne sich nichts Passenderes dafür vorstellen. „Türen zu Tischen“, bei diesem Projekt sollte es nach Worten von Stanislaus Müller-Härlin nicht auf möglichst ökonomische Arbeitsweise ankommen. „Es geht auch darum, die Wege durch das Haus wahrzunehmen. Und es geht darum, mit Gleichgesinnten ins  Gespräch zu kommen, andere Menschen kennenzulernen. Am Ende steht der Festsaal voller „Tür-Tische“, die durch das gemeinsame Essen auch gleich symbolisch in Betrieb genommen wurden.

Dieser Umbruch ist ein Aufbruch.“

Katrin Sabath-Härlin,, Kirchengemeinderätin

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