Sprache, Pflege und Medizin

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Tim Plennies, Rainer De Ritis, Nicole Emmanouilidis, Julia Schwarz (von links) und Franco de Ritis (nicht im Bild) richten in der Leutzestraße in Gmünd einen Campus für Sprache, Pflege und Medizin ein. In den Praxisräumen gibt es unter anderem Pflegebetten zum Üben.
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Schwäbisch Gmünd

In Schwäbisch Gmünd entsteht derzeit ein Campus für Sprache, Pflege und Medizin (CSPM). Konkret in der Leutzestraße 57 in der Oststadt, dem früheren Standort der Lebenshilfe. Julia Schwarz, Rainer und Franco De Ritis aus Gmünd, Nicole Emmanouilidis aus Kornwestheim, Tim Plennies aus Düsseldorf und Andreas Otto aus Hamburg haben das Start-up CSPM ins Leben gerufen, um ausländische Fachkräfte in Deutsch und in Pflege auszubilden. Denn während in Deutschland Pflegefachkräfte fehlen, sind viele von ihnen in der Türkei, im Kosovo, in Albanien, Tunesien, Peru und anderen Ländern arbeitslos, erklärt Deutschdozentin Julia Schwarz.

21 Schüler reisen Ende Juli an, um am Campus in Schwäbisch Gmünd ihre dreimonatige Qualifizierung zu starten. Vier Stunden Deutsch und vier Stunden Pflege stehen täglich auf dem Stundenplan. Am Ende gibt es eine Deutschprüfung auf B2-Niveau und eine Pflege-Fachkenntnisprüfung. Bestehen sie diese, sind die Absolventen Gesundheits- und Krankenpfleger und damit anerkannte Fachkräfte, die ausreichend Geld verdienen, um ihren Lebensunterhalt in Deutschland bestreiten zu können, sagt Nicole Emmanouilidis. „Hilfskräfte haben wir genügend, Fachkräfte fehlen“, weiß Pflegelehrer Rainer De Ritis. Diese können Verantwortung übernehmen, dürfen sich etwa um die Wundversorgung der zu Pflegenden kümmern und ihnen Medikamente verabreichen.

Doch „die Sprache ist die Grundlage“, betont Pflegelehrer Franco De Ritis und fragt: Was nutzt es, wenn einer gut ist in der Pflege, aber nicht versteht, wenn jemand sagt, dass ihm der Arm wehtut? So hat das Lehrerteam in dem dreistöckigen Gebäude in der Leutzestraße Klassenzimmer für den Sprachunterricht eingerichtet, ebenso Räume für die Praxisausbildung, in denen etwa ein Pflegebett und Rollatoren stehen.

Grillstelle inklusive

In den oberen Stockwerken gibt es 23 Zimmer für die Schüler. Im Obergeschoss ist ein Aufenthaltsraum, im Untergeschoss ein Speisesaal, der in den Garten mit Grillstelle führt. „Die Teilnehmer sollen sich hier wohlfühlen“, sagt Julia Schwarz. So fließen insgesamt rund 150 000 Euro in die Sanierung des Gebäudes, die seit Januar läuft, sagt Tim Plennies. Er und seine Mitstreiter haben dafür Investoren gefunden.

Dass die Auszubildenden am Campus wohnen sollen, stand von Anfang an fest. Denn die CSPM-Gründer werden sie auch bei der Integration in Deutschland unterstützen. Das beginnt bei der Mülltrennung und reicht bis zur Anmeldung bei der Krankenkasse, erklärt Julia Schwarz. Sie und ihre Kollegen werden die Absolventen zudem begleiten, wenn diese in eine Arbeitsstelle vermittelt sind.

Mit zwei Pflegeheimbetreibern hat die CSPM GmbH Kooperationen: Haus Edelberg, das in Süddeutschland rund 30 Pflegezentren betreibt, darunter eines in Wetzgau, sowie Kursana mit 116 Pflegeeinrichtungen in Deutschland, Österreich, Estland, Italien und der Schweiz. Diese Träger bezahlen die dreimonatige Qualifizierung, die für die Schüler kostenlos ist, sagt Tim Plennies. Im Gegenzug sollten sich die Absolventen zwei Jahre an die Einrichtungen binden.

Die Nachfrage vonseiten der Träger sei groß, die Finanzierung der Ausbildungen bis ins kommende Jahr hinein gesichert. Die Zahl der Bewerber, die über Sprachschulen im Ausland Kontakt zum CSPM bekommen, übersteige die Anzahl der Plätze um ein Vielfaches. Die Dozenten wählen die Bewerber anhand ihrer Sprachkenntnisse und ihrer Qualifikationen aus. B1-Niveau in Deutsch ist ohnehin Voraussetzung.

Genc Mekaj aus dem Kosovo hat das Lehrerteam durch sein Studium an der Hochschule für Pflege und seine Erfahrungen bei der Arbeit im Pflegeheim überzeugt. Der 28-Jährige ist seit geraumer Zeit arbeitslos und nun glücklich, unter den ersten Auszubildenden am Campus für Sprache, Pflege und Medizin zu sein, erzählt er in einem Videotelefonat. Genau wie Krankenschwester Emira Rama aus Albanien, die den Master in Pflege in Italien absolviert hat. Doch in Deutschland gebe es mehr Möglichkeiten als dort, sagt die 38-Jährige, die sich auf die Ausbildung, aber auch auf die Erfahrungen mit den „Einheimischen in Deutschland“ freut.

Die Sprache ist die Grundlage.“

Franco De Ritis, Pflegelehrer

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