St. Elisabeth schafft sich Freiraum

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St. Elisabeth in Schwäbisch Gmünd soll umgebaut werden. Die Begegnungsstätte für Wohnungslose muss zudem saniert werden. Das Gebäude ist über 100 Jahre alt.
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Separate Räume für Frauen, sieben statt bisher fünf Plätze im Aufnahmehaus, Aufstockung des Raumangebotes auf insgesamt 30 Betten der Kreis-Sozialausschuss begrüßt die Pläne.

Schwäbisch Gmünd

Um Obdachlose, Wohnungslose und um von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen kümmert sich auf der Ostalb primär die Caritas Ost-Württemberg. In Gmünd hilft ihr dabei der „Förderverein Begegnungsstätte St. Elisabeth“. Hier sind die Standorte in den Häusern „St. Elisabeth“ und „St. Martin“ in der Klösterlestraße, bzw. für das Betreuungsprojekt „Junge Wohnungslose“ im Türlensteg. St. Elisabeth platzt längst aus allen Nähten, weshalb der Sozialausschuss des Kreistages nun einem Umbau zugestimmt hat.


Dienste im Haus: In St. Elisabeth sind die Fachberatungsstelle mit Tagessatzauszahlung, die Wärmestube (mit Küche, Kleiderkammer und Dusche für Bedürftige), die Kurzübernachtung, inklusive eines Zimmers für Übernachtungen mit Hund, das Aufnahmehaus, das Betreute Wohnen (Beraterbüro) sowie die Berufliche Integration für junge Wohnungslose, zum Teil inklusive Betreutem Wohnen (Beraterbüro), untergebracht.

Momentan bietet das Haus Platz für insgesamt 23 Personen. Fünf Plätze sind für das Aufnahmehaus und 16 Betten sind für die Kurzübernachtung vorgesehen. Zwei Betten stehen in den Zimmern des Aufnahmehauses als Reserve zur Verfügung.


Sanierungsbedarf: Das Haus ist über 100 Jahre alt und eine Sanierung dringend nötig. Vor allem ein neues Dach muss her. Mehr Energieeffizienz soll der Austausch aller, teils auch denkmalgeschützter Fenster bringen. Heizung, Sanitäranlagen und die gesamte Elektrik müssen zudem auf den neuesten Stand gebracht werden.


Neues Raumkonzept: Der Hausmeister zieht in St. Martin ein, sagte Fachbereichsleiter Kai Kirchvogel. Dessen Wohnung im obersten Stock von St. Elisabeth sei seit Anfang des Jahres 2021 frei. Ziel des Umbaus ist es auch, diese Räume neu zu nutzen und das bestehende Raumkonzept zu optimieren. So sollen getrennte Bereiche für Frauen und Männer verwirklicht werden, was dem wachsenden Frauenanteil unter Wohnungslosen gerecht wird.


Aufnahmehaus: Im Aufnahmehaus sollen anstatt bisher fünf in Zukunft sieben Personen Platz finden können. Hauptziel im Aufnahmehaus ist die Bereitstellung von Wohnmöglichkeiten für wohnungslose Männer und Frauen sowie deren Integration in die Gesellschaft. Das Aufnahmehaus dient in erster Linie der „Klärung der Bedarfslage“ und der mittelfristigen Unterbringung. Es ist der Beginn der sozialpädagogischen Betreuung und der sozialrechtlichen Hilfen.

Im Vergleich zu Aalen und Heidenheim (jeweils zehn Plätze im Aufnahmehaus) waren und sind die fünf Plätze in Gmünd zu wenig, da auch alle anderen Zahlen (Klienten in der Fachberatungsstelle, Übernachtungen, Auszahlungen an Wohnungslose) in derselben Größenordnung wie in Heidenheim und Aalen liegen. Hinzu kommt, dass es schwierig ist, auf dem sozialen Wohnungsmarkt bezahlbaren Wohnraum zu finden.


Kapazitäten an der Grenze: Von 2018 bis 2020 überschritt die Zahl der durchschnittlich im Aufnahmehaus übernachtenden Klienten mit 5,71 bis 6,36 Klienten regelmäßig die fünf vorhandenen Plätze. Eine Erweiterung um zwei Plätze auf insgesamt sieben Plätze ist dringend notwendig.

Die neue Konzeption sieht eine Aufstockung der Aufnahmeplätze auf sieben vor. Überdies sind 23 Betten für die Kurzübernachtung und als zusätzliche Betten für Notfälle eingeplant. Insgesamt sollen am Ende Schlafräume für 30 Frauen und Männer zur Verfügung stehen.


Frauenbereich getrennt: Über einen extra Zugang im Treppenhaus des zweiten OG gelangt man künftig in einen separaten Bereich für Frauen. Hier gibt es eine Küche, ein Bad, ein WC, ein Dreibettzimmer für Kurzübernachtungen von Frauen sowie zwei Zweibettzimmer für das Aufnahmehaus der Frauen. So kann der Frauenbereich in Zukunft räumlich vom Männerbereich getrennt werden.


Finanzierung: Für die Betreuung von Personen in den Aufnahmehäusern Aalen und Gmünd erhält die Caritas Ostwürttemberg vom Ostalbkreis Tagessätze. Der gesamte Leistungsaufwand umfasste hier 2020 rund 185 000 Euro. Die zusätzlichen zwei Plätze in Gmünd werden je nach Auslastung mit den jeweiligen Tagessätzen von derzeit 29,18 Euro zu Buche schlagen. Da hier die Auslastung allerdings bereits fortwährend überschritten war, rechnet die Kreisverwaltung nur mit geringfügigen Mehrkosten.

Die Finanzierung des Umbaus sowie die Renovierung des Hauses St. Elisabeth stehe auf mehreren Säulen. So seien Fördermittel des Kommunalverbands für Jugend und Soziales Baden-Württemberg sowie der „Aktion Mensch“ beantragt. Zudem stemme der „Förderverein Begegnungsstätte St. Elisabeth“ durch seine gesammelten Spenden einen Teil der Kosten. Außerdem trage die Stiftung Elisabethenpflege Schwäbisch Gmünd als Eigentümerin des Gebäudes zur Finanzierung des Projekts bei, hieß es in der Sitzung.


Stimmen der Fraktionen: Für die CDU begrüßte Daniela Dinser das Vorhaben. Sie, wie ihre Nachredner, dankte allen, die sich nur irgendwie um Wohnungslose kümmerten. Der wachsende Anteil von Frauen erschrecke, daher sei es überfällig, ihnen separate Räume zu schaffen. Die Mehrkosten seien verschmerzbar. „Das muss es uns einfach wert sein“, sagte Dinser.

Dr. Rolf Siedler (Grüne) meint, dass die Aufstockung einer Entwicklung hinterherlaufe und das Ende nicht erreicht sei. Die Grünen stünden hinter den Plänen.

Für die SPD sagte Pfarrer Bernhard Richter, es sei gut, dass, nachdem nun in Aalen auf diesem Feld tragfähige Strukturen geschaffen worden seien, der Blick nach Gmünd gehe. Das Vorhaben sei sinnvoll, „die Bettenzahl muss stimmen“. Bei diesem Thema gehe es aber auch vor allem um „menschliche Würde“.

Josef Bühler (Freie) sagte: „Wir stehen hier voll dahinter.“

Landrat Dr. Joachim Bläse freute sich über das einhellige Votum: „Vielen Dank, das alles motiviert uns sehr.“

Über 11

Schwäbisch Gmünd. Laut Erhebungen der Liga der freien Wohlfahrtspflege in Baden-Württemberg wurden im Land zum Stichtag 25. September 2020 insgesamt 11 421 hilfesuchende Menschen von 349 kommunalen und freien Einrichtungen der Wohnungslosen- und Straffälligenhilfe betreut; davon waren 26,1 Prozent Frauen. Der erfasste Bedarf in den Diensten und Einrichtungen der freien Wohlfahrtspflege stieg in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich an. Die Zahl wohnungsloser Frauen in Baden-Württemberg betrug zuletzt 2984 und ist in den letzten Jahren um 30 Prozent gestiegen. mas

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