Stadtarchivar Schnur verlässt Gmünd

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Verlässt im Frühjahr das Stadtarchiv und Gmünd: Dr. David Schnur, der den Weg zum Stadtarchiv der Zukunft eingeleitet hat. Er und seine Familie verlassen Gmünd aus privaten Gründen.
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Saarländer kehrt nach dreieinhalb Jahren in der Stauferstadt aus privaten Gründen ins Saarland zurück. Geschuldet ist der Abschied auch der Corona-Situation.

Schwäbisch Gmünd

Für Oberbürgermeister Richard Arnold ist es ein "einschneidender Verlust". Gmünds Stadtarchivar Dr. David Schnur verlässt Schwäbisch Gmünd nach dreieinhalb Jahren Archivarbeit. Schnur hat in diesen Jahren frischen Wind ins Gmünder Archiv gebracht. Unerforschte Bestände angepackt. Die Digitalisierung vorangetrieben. Und zuallererst das Archiv geöffnet. Für Bürger, für Schüler, für Studenten. Für Schnur selbst sind dies, neben der klassischen Archivtätigkeit, Beiträge zur "Demokratisierung". Schnur und seine Familie werden ins Saarland zurückkehren. Dort nimmt er eine Stelle als stellvertretender Leiter des Landesarchivs an.

Wäre nicht dieser "ausschließlich private Grund", die fehlende Nähe zur Familie, "wären wir hier alt geworden", sagt David Schnur, als er am Montag im Stadtarchiv seinen Abschied von der Stauferstadt verkündet. Geschuldet ist dieser Abschied auch der Corona-Pandemie. Denn in dieser Situation, erklärt der 36-Jährige, fehlen Eltern und Großeltern besonders, um den berufstätigen Kindern und Enkeln zur Seite zu stehen.

David Schnur kam im Mai 2018 nach Gmünd. Vom Gemeinderat gewählt worden war er schon Monate vorher. Er arbeitete sich in der Ferne in Gmünds Stadtgeschichte ein. Und wusste so schon viel über Gmünd, als er hier begann.

Das ist ein einschneidender Verlust.

Richard Arnold, Oberbürgermeister

Er sei "sehr schnell sehr gut" hier angekommen, sagt dann auch David Schnur selbst. Und schaut er auf die fast dreieinhalb Jahre zurück, so ist er sicher, etwas bewegt zu haben. Vielleicht, "etwas, das eingeschlafen war" oder weil er "die Prioritäten anders gesetzt" habe. Er habe in Gmünd ein tolles Team gehabt, im Mai 2018 noch zweieinhalb Stellen im Archiv, heute dreieinhalb. Er habe enorm viel Unterstützung von Vereinen wie dem Geschichtsverein gehabt. Er habe einen guten Draht zu den Schulen gehabt. Und schnell mit der Universität Stuttgart zusammengearbeitet und verschiedene Projekte angepackt, ob über den Oberbürgermeister der NS-Zeit, Franz Konrad, oder über die Kriegstagebücher des Albert Deibele und dessen Wissen über die Morde von Grafeneck. Und er habe schnell einen guten Draht zum Gemeinderat gefunden. Und im Rathaus immer offene Ohren. Deshalb geht Schnur auch mit mindestens einem weinenden Auge. Seine Stelle wird vor Jahresende ausgeschrieben. Die Linie dabei, sagt Stadtsprecher Markus Herrmann, wird die von David Schnur sein. Denn seinen Weg wolle die Stadt, ob mit Nachfolger oder Nachfolgerin, weitergehen.

Die Liste dessen, was Schnur angestoßen hat, ist lang: Archivalien, die er digitalisiert hat, hat er auf der Website der Stadt öffentlich gemacht. Insbesondere die Kriegstagebücher des Begründers des Stadtarchivs, Albert Deibele, stießen und stoßen dabei auf große Resonanz. Aktuell gebe es 3400 Downloads. Auf der Website der Stadt hat das Archiv zudem zwei Schriftenreihen gestartet. In diesem sind unter anderem Publikationen über Johannes Buhl oder die französische Schriftstellerin Yvonne Pagniez, der Gmünd eine Beschreibung des dramatischen Aprils 1945 in Gmünd zu verdanken hat. Schnur hat im Archiv eine große Inventur gestartet. Er hat ermittelt, dass von vier Kilometern Archivalien gerade mal 500 Meter fachgerecht erschlossen sind. Er hat begonnen, die Archivalien aufzuarbeiten. Und mit der Gmünder Tagespost einen Serie über "Verborgene Schätze in Gmünds Stadtarchiv" gestartet. Nur einige von vielen Initiativen, die der Saarländer in Gmünd gestartet hat. Ein paar will er noch weiterführen, bevor er nach Saarbrücken zieht. Neben der Serie mit der GT ist dies die Präsenz von Gmünd in Wikipedia. So sind dort aktuell bereits 1000 historische Aufnahmen von Gmünd aus dem Nachlass des Fotografen Karl-Otto Lang abrufbar. Für David Schnur ein Baustein auf dem Weg zur Zukunft der Archive.

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