Stadtbäume der Zukunft dürfen nicht anfällig sein

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Gingko am Bahnhof mit Schäden
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Erwärmung erfordert andere Planung bei Neupflanzungen. Die Stadt hat Baum-Sorgenkinder besonders im Blick.

Schwäbisch Gmünd

Kaum ein Tag ohne Regen, das ist der Sommer 2021. Die Niederschlagsmenge liegt inzwischen deutlich über den Vorjahren. Für viele Bäume im Stadtgebiet kommt das aber zu spät. „Das Wasser tut aktuell gut, aber viele Bäume sind durch die trockenen Jahre vorgeschädigt“, sagt Zeno Bouillon, Leiter des Garten- und Friedhofsamts der Stadt Schwäbisch Gmünd. Immer wieder kommen Hinweise aus der Bevölkerung, die sich um Bäume in ihrer Straße Sorgen machen. So haben einige Platanen in der Schwerzerallee in diesem Sommer frühzeitig Blätter abgeworfen.

Die Bäume werden mehrmals im Jahr in kurzen Abständen besichtigt, „wir haben die Verkehrssicherungspflicht und passen gut auf“, so Zeno Bouillon. Erst in den vergangenen Wochen wurden in der Schwerzerallee auf Höhe Lidl Äste von Platanen entfernt, weil sie sonst zur Gefahr werden könnten. Schuld sei vermutlich der Massaria-Pilz, der vor allem ältere Platanen befällt. Die in der Schwerzerallee stammen aus der Bauzeit der Gebäude, die vor allem in den 1950er- und 1960er-Jahre entstanden sind. Die Massaria-Krankheit befällt vor allem Äste und tritt besonders in Alleen auf. Fachleute erkennen befallenes Holz an der Färbung der Rinde.

Das Garten- und Friedhofsamt hat nicht nur eine spezielle Baumart im Blick. „Grundsätzlich könnte jeder alte Stadtbaum zur Gefahr werden“, sagt Zeno Bouillon. Deshalb werde auch flächendeckend kontrolliert. Bei manchen Bäumen sehen die Spezialisten noch genauer hin. Das Eschentriebsterben ist in der Stadt weit verbreitet. Trockene Äste an Eschen sind ein Zeichen für den Krankheitsbefall. Solche Bäume werden auch gleich entfernt. „Man sieht nicht in die Bäume hinein, kranke Eschen können von einem Tag auf den anderen umfallen.“ Inzwischen gebe es eine Empfehlung aus dem Landratsamt, Eschen auch bei kleineren Anzeigen sofort zu fällen.

Auswahl nach Liste

Bei Neupflanzungen setzt das Garten- und Friedhofsamt auf resistentere Bäume. Dazu bedient man sich der sogenannten Galk-Liste. Entwickelt hat die die Deutsche Gartenamtsleiter-Konferenz. Seit 16 Jahren gebe es diese Empfehlungen für Straßenbäume, so Zeno Bouillon. So werde darauf geachtet, dass neue Bäume Pilzen ebenso standhalten wie Trockenheit oder Streusalz auf den Straßen. Zwölf Arten stehen dabei ganz im Vordergrund. „Zukunftsbäume für die Stadt“ ist die Liste überschrieben. Sie beginnt mit dem Feldahorn und weiteren Ahornarten, nennt die Felsenbirne, die Hainbuche, Weißdorn oder den Säulen-Fächerbaum, den Ginkgo. Er soll das Stadtklima gut vertragen. Ginkgo-Bäume wurden in Schwäbisch Gmünd zur Landesgartenschau gepflanzt, sie säumen unter anderem den Bahnhofsvorplatz und wachsen dort schmal in die Höhe. Auch einige Eichenarten stehen auf der Galk-Liste. So bestätigen die Fachleute der Traubeneiche besondere Resistenz gegen Trockenheit und nennen sie stadtklimafest. Trotz des Eichenprozessionsspinners, der sich auch in Schwäbisch Gmünd immer wieder zurückmeldet. In diesem Jahr sei das aber nicht so problematisch, sagt Zeno Bouillon. Er weiß von geringerem Befall bei einigen Bäumen im Industriegebiet Straßdorf, auch auf dem Hardt sei ein Baum betroffen. Die Stadt habe ein Auge drauf, auch weil der Eichenprozessionsspinner immer wieder an die gleichen Bäume zurückkehre.

Die langfristige Entwicklung hat sich nach Worten des Leiters des Garten- und Friedhofsamts verändert. „In den vergangenen 20 bis 30 Jahren ist es für viele Bäume wegen der Erwärmung und vieler trockener Sommer immer schwieriger geworden, zu überleben.“ Deshalb wähle man andere Baumarten.

Noch völlig unproblematisch, weil ganz neu: die mobilen Bäume auf Johannisplatz und Marktplatz. Sie sind jung, stehen in Containern und werden bei Bedarf auch gegossen. Unteranderem finden sich dort Weißdorn, Steppenkirsche, Zierapfel oder auch Ginkgo.

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