Stadtwerke empfehlen dringend höhere Abschlagszahlungen

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Über ein Drittel des in Deutschland verbrauchten Erdgases stammt aktuell aus Russland.
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Stadtwerke-Chef Peter Ernst informiert Stadträte über die Situation bei Strom und Gas: Bislang keine Knappheit.

Schwäbisch Gmünd

Die Preise für Strom und Gas steigen weiter steil an, im nächsten Jahr müssen sich Bürger auf 50 Prozent höhere Kosten für Gas und 15 Prozent für Strom einrichten. Um von der Abrechnung im nächsten Jahr nicht zu sehr geschockt zu werden, empfehlen die Gmünder Stadtwerke ihren Kunden dringend, die monatlichen Abschlagszahlungen bereits jetzt zu erhöhen. Denn nächstes Jahr werde es eine weitere Preiserhöhung geben und die werde noch stärker ausfallen als in diesem Jahr. Das sagte Peter Ernst, Sprecher der Stadtwerke-Geschäftsführung am Mittwoch, als er den Verwaltungsausschuss des Gemeinderats über die aktuelle Entwicklung im Energiebereich informierte.

Immerhin eine gute Nachricht hatte Ernst auch: Dass Russland durch die so genannte Jamal-Pipeline kein Gas mehr in den Westen liefert, was am Dienstag für Schlagzeilen gesorgt hatte, sei nicht neu und beeinflusse die Versorgungssicherheit bislang nicht. Sollte diese Sicherheit doch irgendwann schwinden, seien die Stadtwerke nun vorbereitet: Eine Liste von 65 gewerblichen Kunden der Stadtwerke sei erstellt, deren Versorgung bei einem Ausfall der Gaslieferungen eingestellt werden kann. Diese Firmen seien auch unterrichtet. Einige von ihnen hätten die Möglichkeit, auf Öl umzusteigen.

Die Bundesnetzagentur schreibe im Ernstfall nur vor, wie viel Energie die Stadtwerke einsparen müssten, sagte Ernst auf Nachfrage von SPD-Stadtrat Alessandro Lieb. Alles weitere bleibe den Stadtwerken überlassen.

Derzeit gebe es keine Knappheit an dem Brennstoff, der für Deutschland zu einem großen Teil aus Russland kommt, stellte der Stadtwerke-Chef klar. Vor allem Börsenspekulationen sorgten momentan dafür, dass die Preise immer weiter steigen. Natürlich treibe auch jede beunruhigende Meldung über den Ukraine-Krieg die Preise weiter hoch. Ein Ende sei nicht in Sicht. Die Krise mache die Notwendigkeit deutlich, auf erneuerbare Energien umzustellen. Die Gmünder Stadtwerke hätten sich noch zu vergleichsweise günstigen Preisen Lieferungen von Strom und Gas gesichert. Die Kunden verhielten sich auch eher ruhig: Nur sehr wenige wechselten den Anbieter, Ratenzahlungen bewegten sich im normalen Bereich.

Fünf bis zehn Prozent drin

Linke-Stadtrat Alexander Relea-Linder fragte, auf was sich die Bürger im kommenden Winter einstellen müssten. Auf teure Energie, machte Ernst klar. Auch die Holzpreise seien am Steigen, Flüssiggas - das ab nächstem Jahr direkt nach Deutschland geliefert werden kann- sei ohnehin teurer als Pipelinegas. Immerhin: Fünf bis zehn Prozent Energieeinsparung seien in jedem Haushalt möglich. Und auch Nachtspeicheröfen könnten wieder interessant werden.

Auf Nachfrage von Grüne-Stadtrat Thomas Krieg sagte Ernst, dass die direkte Beratung zwar eingeschränkt worden sei, Kunden mir prekärer Finanzsituation aber nach wie vor Ansprechpartner fänden. Deutschland habe zwar langfristige Gaslieferverträge mit Russland, allerdings mit variablen Abnahmemengen, erläuterte er auf Frage der BL-Stadträtin Brigitte Abele.

FWF-Stadträtin Karin Rauscher forderte, die Stadt solle mehr Druck machen für die Installation von Photovoltaik-Anlagen entlang der Fernstraßen. Die Stadtwerke entlang der Bundesstraße 29 wollen dazu kooperieren, informierte Peter Ernst. Gmünd habe beim Land bereits drei Flächen entlang der B 29 als geeignete Bereiche für Photovoltaik angemeldet.

Zudem, so Ernst, will die Stadt in diesem Jahr die Straßenbeleuchtung in drei weiteren Stadtteilen auf energiesparende LED-Technik umstellen.

„Wer jetzt eine Photovoltaik-Anlage bestellt, bekommt sie nächstes Jahr installiert“

Photovoltaik (PV), jene Technik, die Strom aus der Sonnenkraft gewinnt, ist gefragt wir nie. Die Stadtwerke sind bis an die Grenze gefordert, um Online-Anfragen dazu zu beantworten. Das Problem bei dieser Technik sieht Stadtwerke-Chef Peter Ernst beim Einbau: „Wer heute bestellt, bekommt nächstes Jahr eine Anlage.“ Die Handwerker seien überlastet. Dennoch sei die Nutzung der Sonnenkraft das „Gebot der Stunde“. Stadt und Stadtwerke suchten intensiv nach zusätzlichen Flächen für PV-Module. Immer mehr nachgefragt seien auch die so genannten Balkon-Kraftwerke: PV-Module, die einfach auf dem Balkon angebracht werden könnten. Sie seien immerhin ein kleiner Beitrag zum Stromsparen, sagt Peter Ernst.

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