Wo die Staufer gewandet werden

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In der Gewandmeisterei sind in den vergangenen Monaten die Gewänder für die „Momente der Staufersaga“ angepasst worden. Auch für Gundi Mertens bedeutete dies viel Arbeit. 
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Seit Monaten verschönern, erweitern oder verkleinern die 35 Mitarbeiterinnen der Gewandmeisterei die Gewänder für die „Momente der Staufersaga“.


Schwäbisch Gmünd. Davon ist Gundi Mertens überzeugt: Die Besucher der „Momente der Staufersaga“ werden in diesem Sommer im Stadtgarten ein prächtiges, ein farbiges Bild zu sehen bekommen. Die zweite Vorsitzende des Vereins Staufersaga freut sich auf die Aufführungen zwischen dem 6. und dem 10. Juli. Nach den Saga-Aufführungen von 2016 und 2012. Denn Gundi Mertens ist von Anfang an dabei.

Wenige Wochen vor der Aufführung im Stadtgarten gibt sie Einblicke in die Gewandmeisterei. Dort werden seit einiger Zeit Gewänder angepasst, erweitert, verkleinert und neu verschönert. Begonnen haben die aktuell etwa 35 Personen der Gewandmeisterei damit im Februar. Außer ein paar Basishemden wurden keine neuen Gewänder geschneidert. „Wir nehmen nach zehn Jahren eine Gewandinspektion vor. Hier und da haben sich die Maße der Trägerinnen und Träger verändert, oder es wird ausgebessert “, erklärt Mertens. Fast in der Endphase seien sie jetzt. Sagt die Modedesignerin. Und blickt zurück ins Jahr 2012, als sie, Carolin Kraut und Christine Zorniger die Unterstützerinnen der Gewandmeisterei der ersten Stunde in drei Räumen in der Grät waren.

Besondere Stoffe hatte Stefan Kirchenbauer-Arnold damals für die ersten Gewandideen zusammengetragen. Aus der Schweiz, aus Südamerika, aus aller Welt. Und kurz vor der Premiere, am 11. Juni 2012, wurde der Staufersaga Verein gegründet. Dessen zweite Vorsitzende, nach Oberbürgermeister Richard Arnold, Gundi Mertens und Jürgen Musch sind. Und dessen Ziel damals war, „etwas Langfristiges auf die Beine zu stellen“. Dies ist gelungen, denn die „Staufersaga“ aus dem Jahr 2012 und aus der Feder des im Dezember 2012 verstorbenen Autors Kirchenbauer-Arnold ist keine Eintagsfliege geblieben. 2014 stellte der Verein Staufersaga zur Landesgartenschau eine Barockwoche auf die Beine. 2016 folgte die zweite Aufführung der Saga. 2019 präsentierte sich der Verein zur Remstal-Gartenschau mit einem Zug im Böbinger Park am Bahndamm, und in Schwäbisch Gmünd kam Barbarossa anlässlich eines großen Stauferfestes auf dem Johannisplatz zu Besuch. Nach jedem dieser Theaterprojekte und all den Aufführungen war es wichtig, die Gewänder immer gewaschen, gereinigt und sorgfältig geprüft in der Gewandmeisterei aufzubewahren. Diese Aufgabe habe Christine Zorniger stets sehr gewissenhaft verfolgt, sagt Mertens.

Für diesen Sommer nun warten die Gewänder auf eine erneute Theater-Aufführung und Präsentation. Zurzeit sind die meisten der benötigten Gewänder für die Europäischen Staufertage bereits vom Gewandungsteam ausgegeben worden. Michaela Schneele und ihre Unterstützer haben an mehreren Tagen in der Woche Zofen, Schwertkämpfer, Hübschlerinnen, Bettler, Gaukler oder andere Nebendarsteller gewandtechnisch ausgestattet. Diese Darsteller durften ihr Gewand mit nach Hause nehmen.

Die Gewänder der Hauptdarsteller hingegen bleiben nach der Anprobe und dem Aufarbeiten zunächst in der Gewandmeisterei. Sie werden am 3. Juli in den Hans-Baldung-Grien-Saal im Stadtgarten gebracht. Dort, sagt Gundi Mertens, werden die Hauptdarsteller an jedem Abend vor den Aufführungen von einem Team gewandet.

Insgesamt wirken 530 Personen bei der Aufführung mit. Davon sind 60 Hauptdarsteller, 60 im Orga-Team und ansonsten Mitwirkende aller Szenen. Erfreulich ist, dass 120 neue Darsteller dabei sind.

Die „Momente der Staufersaga“, erläutert Mertens, werden nicht die Staufersaga aus den Jahren 2012 und 2016 wiederholen. Dafür hätte der Pandemie wegen die Vorbereitung nicht gereicht. Deshalb ist die Produktion, eingebettet in „Europäische Staufertage“. Für dieses große Sommerevent wird eigens eine Bühne im Stadtgarten zwischen Rokokoschlössle und Seminargebäude aufgebaut“.

Besinnung auf Gmünd

Die neue Geschichte, die gespielt wird, ist eine Zeitreise, eine Reise einer Familie aus dem Hier und Jetzt in die staufische Zeit. Dabei leben Szenen aus der Saga von 2012 und 2016 wieder auf. Gerburg Maria Müller, Michael Schaumann und Pat Mueller führen Regie. Während dem Zuschauer die Papst-Rolle mit Michael Schaumann vertraut sein wird, wartet Pat Mueller, den das Publikum als Barden kennt, mit einer Überraschung auf.

Gundi Mertens verweist auf die Entstehung der Saga. Kirchenbauer-Arnold habe diese zu Gmünds 850-Jahr-Feier verfasst und damit als Erinnerung an Gmünds Erhebung zur Stadt im Jahr 1162, die älteste Stauferstadt. Mertens nennt es eine „Besinnung auf Gmünd und auf seine Bedeutung durch die Staufer“. Und eine Rückbesinnung auf die Staufer und erste Gedanken zu Europa. Sie verbindet damit Beatrix von Burgund, die Frau des Kaisers Friedrich I. Barbarossa. Sie sei sehr klug, sehr weitsichtig gewesen, habe Barbarossa beraten und für Verständnis und ein Miteinander der Völker geworben. Sagt Mertens, wohl wissend, dass es zur Zeit der Staufer eben auch die Kreuzzüge gab.

Der Staufersaga Verein weist auf seiner Website zu den Europäischen Staufertagen ebenfalls auf die Veranstaltung 175 Jahre Städtepartnerschaft mit Barnsley in England, Antibes in Frankreich, Bethlehem in den USA, Székesfehérvár in Ungarn und Faenza in Italien hin. Auch Bürger aus den Partnerstädten werden bei den „Momenten der Staufersaga“ mitwirken. Sie alle, schreibt der Verein auf der Website, zeigten „zu hunderten, was Gemeinschaft möglich macht“. Diese Gemeinschaft, die die Saga schon 2012 und 2016 geschaffen hatte, damals mit fast 2000 Mitwirkenden, soll auch in 2022 spürbar werden. Und vielleicht gibt es in ein paar Jahren nochmal eine Original-Saga.

Die Europäischen Staufertage enden am 10. Juli um 10.30 mit einem Europäischen Ökumenischen Festgottesdienst im Heilig Kreuz Münster.


Die Kopfbedeckung ist das A und O

Die Kopfbedeckung ist das A und O, sagt Gundi Mertens, darauf hat Stefan Kirchenbauer-Arnold immer größten Wert gelegt. Sie präsentiert der Gmünder Tagespost alle Kronen der Staufer, von Friedrich von Büren bis zu Barbarossa. Erst diese Kostbarkeiten vervollständigen den königlichen Schmuck. An den Kronen sehe man sehr deutlich die Entwicklung und den Aufstieg des Herrschergeschlechts. So sei Friedrich von Bürens Krone schlicht gewesen, die Barbarossas und Friedrich II. (im Bild oben) prächtig. Alle Kronen, Zepter und Schmuckelemente für das Freilicht-Theaterstück „Die Staufersaga“ wurden von der Gewerblichen Fachschule für Design, Schmuck und Gerät, im Arenhaus unter der Leitung von Florian Färber, als Semesterarbeit geschaffen.

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