Stauferfries: 48 Staufer zieren die Backsteinwand

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Ein Moment der Freude war am Freitag das Durchschneiden des Bandes zur Übergabe eines Teils des Stauferfrieses: (v.l.) Verena Gruber-Ballehr, Dr. Helmut Gruber-Ballehr, Almuth Gruber-Ballehr, Christian Baron, Dr. Stefan Kroboth, Günter Reichert, Prof. Dr. Hubert Herkommer, Dr. Danielle Herkommer und Alexander Trautmann. Fotos: hoj
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Der Verein Stauferfries übergibt die ersten 35 Meter des 60 Meter langen Frieses an die Stadt Schwäbisch Gmünd. Verein würdigt Engagement der Weggefährten.

Schwäbisch Gmünd

Für Helmut Gruber-Ballehr war es ein „Freudentag“. Der Gmünder Künstler hat am Freitag erlebt, wie ein Teilstück seines Stauferfrieses an die Stadt Schwäbisch Gmünd übergeben werden konnte. Vor zehn Jahren, nach der Aufführung der Staufersaga zum Stadtjubiläum 2012, hatte der Künstler die Idee, die Backsteinwand der Remsgalerie mit dem Fries zu schmücken. Der Fries zeigt den Einzug des letzten Staufers Konradin im Jahr 1266 in Gmünd.

In den zehn Jahren und auf dem Weg zur Übergabe des ersten Teilstücks fanden sich viele Weggefährten. Ihnen allen dankte Almuth Gruber-Ballehr, Ballehrs Frau und Vorsitzende des Vereins Stauferfries, am Freitag bei der Übergabe in der Ledergasse. Der Fries habe ihnen allen „viel Arbeit und Mühe gemacht“. Zu sehen sind nun in der Ledergasse 35 von 60 Metern. Oder 48 von 100 Figuren. Die Figuren sind aus Edelstahl geschnitten und in geringem Abstand zur Mauerfläche montiert. Dadurch sind sie tagsüber helle, silberglänzende Formen vor dunkler Wand. Je nach Sonnenstand werden sie durch wandernde Schatten belebt. Bei Dunkelheit wird der Stauferfries mit energiesparendem LED-Licht hinterleuchtet.

Einer der von Almuth Gruber-Ballehr genannten Weggefährten ist Professor Dr. Hubert Herkommer. „Damit die historischen Fakten stimmen“, sagte sie. Herkommer skizzierte Herzog Konradin neben Kaiser Friedrich Barbarossa 1168, Kaiser Heinrich VI. 1192 und König Konrad IV. 1240 und 1246 als einen der vier Stauferfürsten, die Gamundia besucht hatten. Konradin sei zur Weihnachtszeit 1266 gerade mal 14 Jahre alt gewesen. Er habe als Anwärter auf dem römisch-deutschen Königs- und Kaiserthron gegolten, sagte Herkommer. Doch Konradin verlor im August 1268 die Schlacht gegen Karl von Anjou um Sizilien, er wurde am 29. Oktober 1268 in Neapel enthauptet. Im Alter von 16 Jahren. Mit diesem historischen Hintergrund erfahre der Fries eine „bewegende Strahlkraft“, sagte Herkommer. Dabei könne und wolle das Großkunstwerk keine realistische Wiedergabe des Einzugs sein, in „Ermangelung stadtgeschichtlicher Quellen“, sagte Herkommer. Es sei stattdessen nach der Tradition von Herrschereinzügen durchkomponiert. Herkommer erläuterte die Figuren des Frieses: von links kommend Konradin und sein Gefolge, erkennbar an den Fahnen mit den Kreuzen des Königsreichs Jerusalem, mit dem Adler des Königsreichs Sizilien und mit den Löwen des Herzogtums Schwaben. Weltliche Honoratioren, Vertreter der Zünfte und die städtische Geistlichkeit bewegten sich von rechts kommend auf Konradin zu, erläuterte Herkommer weiter.

Ebenfalls intensiv begleitet hat Ingenieur Günter Reichert das Projekt. Er steht seit 2014 für die technische Umsetzung beratend zur Seite. Und half nicht nur bei der Umsetzung der Figuren aus Edelstahl. Sondern auch bei der nicht immer einfachen Aufgabe, diese an der Backsteinwand zu befestigen, ohne dass die Wand und die Figuren Schaden nahmen.

Zweifach tauche man an diesem Tag in die Geschichte ein, sagte Gmünds Bürgermeister Christian Baron. Er nahm das Teilstück für die Stadt in Empfang. Zum einen in die Geschichte der Staufer, die das Kunstwerk „monumental, groß, beeindruckend“ erzähle. Zum anderen in die Geschichte des Frieses selbst. Helmut Gruber-Ballehr habe die Idee gehabt und den Ort dafür ausgesucht. Zunächst habe er selbst 2012 gedacht: „Oje, eine große Aufgabe,“ Heute, zehn Jahre danach, sei dies eine „Erfolgsgeschichte“. Des Vereins, der Spender und in Gmünd einmal mehr des bürgerschaftlichen Engagements. Sagte Baron und fügte hinzu: „Der Fries ist ein Gemeinschaftsprojekt.“

Verein Stauferfries bittet um weitere Spenden

Der Stauferfries wird ausschließlich über Spenden finanziert. Aktuell fehlen noch etwa 100 000 Euro. Insgesamt kostet der Fries gut 400 000 Euro. Der Verein Stauferfries bittet die Bürger deshalb um weitere Spenden für das Kunstwerk. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten. Bürger können die Patenschaft für eine der Figuren übernehmen. Dies ist ab einem Spendenwert von 1000 Euro möglich. Es ist aber auch möglich, einfach einen Betrag für den Fries zu spenden: IBAN DE75 6145 0050 1001 1768 60Weitere Infos über das Projekt auf www.stauferfries.de

Almuth und Dr. Helmut Gruber-Ballehr, Bürgermeister Christian Baron und Prof. Dr. Hubert Herkommer bei der Übergabe des Frieses.

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