Stell Dir vor, Dein Handy wird gehackt und Du landest wegen Kinderpornographie vor Gericht

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Gericht Justiz
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Eine Verhandlung in Gmünd: Eine Mutter von drei kleinen Kindern ist angeklagt.

Schwäbisch Gmünd

Auf der Anklagebank: eine junge Frau, verheiratet, drei kleine Kinder, Beruf: Hausfrau. Der Vorwurf: Verbreitung kinderpornographischer Inhalte. Eine junge Mutter, wir nennen sie hier P., die ein Bild ins Netz gestellt haben soll, das eindeutig Kinderpornographie zeigt – wie passt das zusammen? Das war eine der Fragen, die Richter Johannes Heth am Donnerstagmorgen im Gmünder Amtsgericht zu beantworten hatte.

Dass sie in großen Schwierigkeiten ist, muss der jungen Frau klar geworden sein, als vergangenes Jahr die Polizei vor ihrer Tür stand. Beamte der Kripo in Waiblingen waren auf P. aufmerksam geworden durch die Mitteilung einer Organisation aus den USA, die es Behörden meldet, wenn sie im Internet kinderpornographisches Material findet. Es ging um ein Bild, das offenbar auf den Facebook-Account von P. hochgeladen worden war. Die Ermittler hatten IP-Adresse und Handynummer – sie gehörten P. - und einen Durchsuchungsbeschluss.

Wie es aus ihrer Sicht dazu gekommen war, dazu wollte die Angeklagte in der Verhandlung Stellung nehmen. Sie sei ahnungslos gewesen, habe mit dem ihr Vorgeworfenen nichts zu tun gehabt. „Ich wusste es erst, als die Polizei vor der Tür stand.“ P. erzählt, dass einige Zeit vorher ihr Handy gehackt worden sei. Und sie erzählt von einem Spiel, das sie mit ihrer Schwester gespielt habe, für das sie über ihren Facebook-Account angemeldet war: ein Spiel wie viele, in dem man virtuelles Spielmaterial für Geld kaufen kann. Rund 1000 Euro habe sie dafür insgesamt ausgegeben, sagt sie auf Nachfrage von Richter Heth. Nachdem ihr Handy offenbar gekapert worden war, seien der Zugang zu Facebook und zum Spiel gesperrt gewesen.

Am Ende ihrer Aussage sagt P.: „Hätte ich solche Neigungen gehabt, hätte ich das doch nicht in meinem privaten Facebook-Account gepostet, den meine Mutter, meine Freunde, meine Geschwister sehen.“

Aus einer Stadt im Irak

Zwei Polizistinnen berichten dann als Zeugen, was sie auf dem untersuchten Handy der P. gefunden hatten: nicht „das Bild der Ursprungsanklage“, dafür aber ein anderes kinderpornographisches Foto. Bei beiden kann schon vom Alter der Kinder her ausgeschlossen werden, dass P.s eigene Kinder darauf zu sehen sind. Ob das zweite Bild im normalen Bilderspeicher des Handys war oder nur als Dateipfad im Zwischenspeicher, das konnten die Beamtinnen nicht zweifelsfrei sagen. „Es besteht die Möglichkeit, dass eine dritte Person durch den Hack auch die Herrschaft über das Handy hatte“, sagt P.s Verteidiger. Zweifel an der Anklage erhärteten sich, als Richter Heth einen Fund in den Ermittlungsakten mitteilte: Das Bild sei in Mossul (Irak) hochgeladen worden. Heth schlussfolgerte: „Es sieht so aus, als ob sich jemand Zugang zu dem Spielaccount verschaffen wollte, genau wissend, dass Facebook ein Konto sperrt, wenn dort kinderpornographisches Material auftaucht.“

Am Ende plädierte auch Staatsanwalt Dr. Schmidt auf Freispruch. Johannes Heth fasste es an P. gerichtet so zusammen: „Ihre Geschichte klang auf den ersten Blick hanebüchen, aber in der Gesamtschau macht es Sinn.“ Zumal es jemand mit pädophilen Neigungen in der Regel nicht bei einem Bild belasse. „Insofern bin ich von Ihrer Unschuld überzeugt.“

Ich wusste es erst, als die Polizei vor der Tür stand.“

Angeklagte

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