Streitfragen am Klarenberg

  • Weitere
    schließen
+
Anwohner Hanspeter Weiss unterstützt die Pläne, die Klarenbergstraße zur Fahrradstraße zu machen.
  • schließen

An der Zeit – oder ein Irrweg? In der Klarenbergstraße trifft man auf unterschiedliche Meinungen zu den Fahrradstraßen-Plänen.

Schwäbisch Gmünd

Hanspeter Weiss hat einen Stadtplan vor sich: „Drei Straßen Richtung Innenstadt, das ist in Gmünd Luxus, da kann man doch eine zur Fahrradstraße machen.“ Er ist dafür, dass die Klarenbergstraße zur Fahrradstraße wird. Schließlich gebe es parallel die Weißensteiner Straße und die Gutenbergstraße. „Es ist einfach an der Zeit, dass Radfahrer und Fußgänger gleichberechtigt sind gegenüber den Autos“, findet Weiss, der in einer der angrenzenden Querstraßen wohnt. Er ist überzeugt davon, dass die Klarenbergstraße sicherer würde als Fahrradstraße.

Heike Dreyer wohnt direkt in der Klarenbergstraße; den Umbau zu einer Fahrradstraße hält sie für den falschen Weg, um das Miteinander von Radlern und Autofahrern zu verbessern. Sie fürchtet einen gegenteiligen Effekt: „Im Moment passen alle ein wenig aufeinander auf, es geht ganz gut.“ Sollten Radfahrer Priorität genießen, befürchtet sie, dass viele Radler unvorsichtig werden. „Die schauen dann gar nicht mehr, weil sie ja Vorfahrt haben.“ Und Daniel Dreyer fügt hinzu: „In den vergangenen Jahren ist nie etwas passiert.“

Das sei „Aktionismus“, sagt Dreyer zu den Plänen, „mir fehlt in dieser Diskussion Maß und Mitte“. Dreyer betont, nicht nur eine Autofahrer-Perspektive zu haben: „Ich fahre auch Rad, meine Kinder fahren hier in der Straße, ich will, dass die sicher sind. Aber ist mit einer Fahrradstraße hier jemand geholfen?“

Im Gegenteil, glaubt Beate Betz, die gleich nebenan wohnt. Sie verstehe den Besitzer der KfZ-Werkstatt in der Straße, der sich Sorgen um sein Geschäft mache. „Wir sind hier eben ein Mischgebiet.“ Sie fragt: „Was ist mit den Lastwagen, die Umicore anfahren müssen?“ Bei der Firma Umicore ist man „ganz gelassen“, sagt Unternehmenssprecher Thorsten Klopfer. Rund 20 große und kleinere Transporter fahren täglich zu Umicore. „Der 40-Tonner muss einfach hier herfahren können“, aber das sei gewährleistet. „Wir sind in direktem Austausch mit der Stadt“, sagt Klopfer. „Wir befürworten grundsätzlich den Weg, den die Stadt hier einschlägt – das Radfahren für Schwäbisch Gmünd attraktiver zu machen.“

Trend zum Rad

Auch in der Belegschaft mache sich ein Trend zum Rad bemerkbar. „Wir fördern den Umstieg auf das Fahrrad in der Belegschaft unter anderem durch das Anbieten eines Jobrades, und es findet reißenden Absatz.“ Ein Viertel der Gmünder Umicore-Mitarbeiter hat laut Klopfer inzwischen ein solches Dienstrad. „Man sieht es auch an der Parkplatzsituation, die hat sich deutlich entspannt.“

Wie viele Radfahrer nutzen eigentlich die Klarenbergstraße? Das, findet Beate Betz, hätte die Stadt auf jeden Fall vorher untersuchen sollen. „Denn wie soll man dann hinterher feststellen können, ob die Fahrradstraße überhaupt mehr genutzt wird?“ Da habe die Stadt „ihre Hausaufgaben nicht gemacht“, fügt Heike Dreyer hinzu. Informieren, sich über Fakten austauschen, das findet Hanspeter Weiss ganz grundlegend wichtig: „Es gibt falsche Vorstellungen bei einigen Leuten, was eine Fahrradstraße bedeutet.“

Am Donnerstag dieser Woche geht es um Informationen, auf deren Basis diskutiert werden kann und soll: Es können sich Bürger zu Wort melden, die Stadt lädt zu einer Bürgerbeteiligung ein in den Innenhof des Canisiushauses. Möglich, dass sich dort eine weitere Erfahrung von Hanspeter Weiss bestätigt: „Es ist ein heißes Thema, sehr emotional.“

Bürgerbeteiligung: Ein öffentlicher Termin zur Bürgerbeteiligung in Sachen Klarenbergstraße ist am Donnerstag, 8. Juli, um 18 Uhr im Innenhof des Canisiushauses (Einlass: ab 17.15 Uhr). Eine Teilnehmerregistrierung ist coronabedingt nach wie vor vorgeschrieben.

Fahrradstraßen: .Sind dem Fahrradverkehr vorbehalten. Autos können durch ein Zusatzschild erlaubt werden, häufig ist eine Regelung nur für Anlieger oder Einbahnverkehr für Autos. Autofahrer müssen sich nach dem Tempo der Radler richten. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt für alle 30 km/h. Zu den Vorrechten der Radler in Fahrradstraßen gehört auch, dass sie nebeneinander fahren dürfen – auch wenn ein Auto sie dadurch nicht überholen kann.

Es ist ein heißes Thema, sehr emotional.“

Hanspeter Weiss,, Anwohner

Zurück zur Übersicht: Stadt Schwäbisch Gmünd

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL