Tafelladen: Mehr Ukrainer, weniger Stammkunden und Ware

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Mitarbeiterin Nurhan Kizilay steht vor den teils leeren Regalen des Gmünder Tafelladens. Seit Ausbruch des Ukrainekrieges hat sich die Situation in der Einrichtung noch verschärft: immer mehr Kunden und immer weniger Waren.
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Der Gmünder Tafelladen verzeichnet viele Neukunden aus der Ukraine, dafür bleibt die Stammkundschaft weg. Lebensmittel werden immer knapper.

Schwäbisch Gmünd

Eigentlich macht Steffen Witzke seine Arbeit gerne. Eigentlich kann den langjährigen Geschäftsführer des Gmünder Tafelladens so schnell nichts aus der Ruhe bringen. Aber gerade empfindet er die Arbeit im Laden, der für Menschen mit geringem Einkommen Lebensmittel anbietet, als sehr belastend. „Die Stimmung ist angespannt, es kommen immer mehr Geflüchtete aus der Ukraine, und die Waren werden immer knapper“, schildert Witzke die Situation.

Im Durschnitt sind‘s noch immer 230 Einkäufe am Tag, rund 150 davon tätigen Geflüchtete aus der Ukraine, schätzt der Geschäftsführer, der selbst täglich vor Ort ist und die Situation beobachtet. Weil so viele neue Kunden teilweise den Laden stürmen, trauten sich vor allem ältere Leute, darunter viele Stammkunden, nicht mehr in die Tafelräume in der Rinderbacher Gasse. „Das macht mich sehr traurig und betroffen“, sagt Steffen Witzke. Kunden aus der Ukraine dürfen mit ihrem ukrainischen Pass zum Einkaufen kommen und brauchen keinen Berechtigungsschein, der normalerweise nötig ist. Unbürokratisch wolle man so den Menschen helfen. Das findet Witzke auch in Ordnung. Aber was ihn ärgert: „Wenn Kunden mit dem Porsche oder Tesla aus der Ukrainie vorfahren oder mit einem 500-Euro-Schein bezahlen wollen, dann lässt mich das schon an der Armut dieser Menschen zweifeln.“ Das habe er bei der Flüchtlingswelle 2015/ 2016 so nicht beobachtet.

Das nächste Problem: Die Lebensmittel im Tafelladen werden immer knapper. Zwar sei die Gmünder Tafel nicht direkt von den Supermärkten und deren Überschüssen abhängig. Denn die Einrichtung hat sich mit 24 Tafeln in Ostwürttemberg zu einem Bündnis zusammen geschlossen, das direkt von der Industrie beliefert wird. Händler liefern ihre Überproduktionen im Zentrallager in Ebnat ab, wie Witzke erläutert. Von dort aus holen die Tafel-Mitarbeiter die Waren ab. Aber: Auch dort komme immer weniger an, vermutlich weil auch die Industrie ihre Mengen runterschraube. Die Spendenbereitschaft lasse obendrein nach, wenn Menschen immer weniger im Geldbeutel haben, sagt Witzke.

Was im Tafelladen fehlt? Eigentlich alles, erklärt er. Vor allem Obst und Gemüse seien immer rar, aber auch Wurstwaren, Mehl, Nudeln, Hygieneartikel. „Es reicht einfach nicht für alle.“ Eine Maximalmenge für den Einkauf gibt‘s nicht. Es würde auch nichts bringen, entsprechende Hinweisschilder im Laden anzubringen, weil diese der Großteil der Kunden nicht lesen könne, erklärt Witzke. Wenn‘s ein Kunde übertreibe, dann werde er an der Kasse darauf hingewiesen und müsse die Ware wieder zurück legen. Das sorge dann für Unmut bei den Kunden, den die Mitarbeiter abbekämen. „Manche versuchen auch, zwei oder drei Mal am Tag einzukaufen.“ Für die Mitarbeiter sei dies kein Spaß, „die sind abends ganz schön groggy“, erklärt Witzke. Sie müssten sich manchmal beschimpfen lassen, weil auch der Tafelladen die Preise erhöhen müsse, wenn die Waren im Supermarkt teurer werden. Und dies, obwohl viele der knapp 20 Mitarbeiter ehrenamtlich im Einsatz seien. „Das macht manchmal keinen Spaß mehr.“ Mit Blick auf die steigenden Sprit- und Energiepreise werde ihm angst und bang, sagt Witzke. Trotzdem macht er mit seinem Team weiter, auf das er sehr stolz ist. „Manchmal sitzen wir mit acht Nationen am Mittagstisch und unterhalten uns.“ Gestärkt gehe das Team dann wieder an die Arbeit. Im Zwei-Schicht-Betrieb und sogar samstags. „Wir machen weiter.“

Der Tafelladen ist montags bis freitags jeweils von 9 bis 17 Uhr geöffnet, samstags von 9 bis 13 Uhr.

Spenden: Sach- und Geldspenden können zu den Öffnungszeiten direkt im Tafelladen abgegeben werden.

Spendenkonto: Tafelladen Gmünd, IBAN: DE 84 6145 0050 0800 2862 06.

Was die Gmünder Bonuskarte alles kann

Die Bonuskarte unterstützt Personen mit geringem Einkommen. Den Ausweis stellt die Stadt aus. Damit können Bürger zum Beispiel im Tafelladen oder im Second-Hand-Laden des Roten Kreuzes einkaufen, günstiger essen beim Mittagstisch „unter d’Leut“ und Ermäßigungen erhalten in der städtischen Musikschule oder in der Stadtbibliothek.

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