Tempo raus in Schmiedgassen

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Lässt sich die westliche Schmiedgasse vom Verkehr abhängen? Anwohner bringen diese Überlegung in Spiel.

Jetzt machen sich Geschäftsleute und Anwohner Gedanken über die Zukunft dieses Quartiers. Verkehr und Gestaltung.

Schwäbisch Gmünd

Lautstark beschleunigende Motorräder und Autos, Abgase und manchmal auch Lärm nächtlicher Passanten: Das wollen Anwohner in der Schmiedgasse künftig nicht mehr haben. Zurzeit verständigen sich mehrere Händler, Dienstleister und Bewohner und schlagen konkrete Schritte vor. Zuvor haben sich schon Stadt und Handels- und Gewerbeverein Gedanken über die Zukunft der Schmiedgassen gemacht.

"Leider hat man uns im Vorfeld nicht beteiligt und nicht gefragt", sagt Jürgen Stemke, der seine und die Ideen aus der Nachbarschaft für konkrete Vorschläge verwendet. Am Ende der Bemühungen soll eine bessere Aufenthaltsqualität stehen.

Und das stört die Menschen in der Vorderen und Hinteren Schmiedgasse:

Der Lärm durch Autos, die ihre Runden drehen, oft besonders getunte Fahrzeuge, Busse mit lauten Dieselmotoren und solche, die im Stau hupen. Auch von stark beschleunigenden Motorrädern geht eine deutliche Lärmbelästigung aus. Die 30er-Zone werde oft nicht beachtet. Jürgen Stemke wünscht sich, dass dort Tempomessungen stattfinden. Gerade außerhalb des Tagesverkehrs werde schnell gefahren. Lärm komme auch von Besuchern der Schmiedgassen, von lauter Musik und Menschen, die im Freien feiern. Das geht so weit, betont Stemke, "dass man als Anwohner oft kaum schlafen kann oder aus dem Schlaf gerissen wird".

Der Gestank ärgert viele Schmiedgässler. Busse und schwere Lastwagen spielen dabei eine Rolle aber auch Raucher aus der Gastronomie und an Treffpunkten. Lärm und Gestank verhinderten, "dass man als Anwohner Fenster zum Lüften öffnen kann". Das beeinträchtige besonders in den wärmeren Jahreszeiten die Lebensqualität erheblich.

Aussagen, die auch Stephan Wahl vom Modehaus Dietrich unterstreicht. "Wir müssen auf jeden Fall etwas verändern", sagt er und denkt dabei zumindest an eine Verkehrsberuhigung wie am Kalten Markt. Die Schmiedgassen müssten für Gmünder und Besucher der Stadt wieder attraktiver werden. Bei allen Entscheidungen müsse man auch die Parkplatzsituation bedenken.

Thomas Raschke, Inhaber der "Goldschmiede" in der Vorderen Schmiedgasse, macht ähnliche Erfahrungen wie sein Gegenüber Jürgen Stemke. Er denkt jetzt auch daran, eigene Lärmmessungen anzustellen. Und er unterstreicht die Vorschläge, die Jürgen Stemke zusammengestellt hat:

  • Ohne größere Baumaßnahmen könne man erste Schritte gehen. Dazu zählen:
  • Die Einhaltung der Nachtruhe durch Ordnungskräfte sicherstellen.
  • Den westlichen Teil der Vorderen Schmiedgasse bis zur Bürgerstraße abends und nachts sperren, damit "Cruiser" nicht mehr ihre Runden drehen können.
  • Die Bürgerstraße zwischen Vorderer und Hinterer Schmiedgasse in beide Richtungen öffnen, damit Anlieger ihre Häuser erreichen können.

Die ganze Innenstadt muss stiller, grüner und auch sauberer werden.

Thomas Raschke, Geschäftsinhaber in der Vorderen Schmiedgasse
  • Das Tempo auf Schrittgeschwindigkeit reduzieren und auch überwachen.

Auf längere Sicht können sich Jürgen Stemke und Thomas Raschke weitere Verbesserungen vorstellen:

  • Den westlichen Teil der Vorderen Schmiedgasse komplett sperren. Kapazitäten der Parkplätze am Remsdeck erhöhen samt einem Kontingent für Anwohner und deren Besucher.
  • Anwohnern, Lieferanten und Kunden sollte auf Kurzzeit-Parkplätzen Be- und Entladen erlaubt werden.
  • Umgestaltung der Straße als "Open Space" mit Bäumen, die für Schatten sorgen, Solaranlagen auf Dächern.

Im Stadtkern sollten nur noch Elektrobusse fahren dürfen, in die man ohne Fahrschein entsteigen und auch kurze Strecken fahren kann. An Umsteigeplätzen am Rand der Innenstadt sollten Fahrgäste dann in Busse in Stadtteile und darüber hinaus umsteigen. Solche Umsteigemöglichkeiten müsste man etwa am Bahnhof, am Sebaldsplatz und nördlich des Schmiedturms schaffen. Auch die Überlegung, dass (Elektro)busse nur noch in der Hinteren Schmiedgasse verkehren, ist vorhanden.

Bausubstanz erhalten

Thomas Raschke denkt über die Schmiedgasse hinaus. Die ganze Innenstadt müsse stiller, grüner und auch sauberer werden, sagt er. Bei höherer Lebensqualität würden sich auch wieder Renovierungen von Altstadthäusern lohnen, es müsse nicht immer nur neu gebaut werden.

Unterdessen hat die Stadt die Bürger aufgefordert, sich an der Umgestaltung der Schmiedgassen, dem ersten Vorhaben im Rahmen der Initiative "Lebenswerte Altstadt", zu beteiligen. Sie sollten drei Punkte nennen, die ihnen missfallen und Ideen mitteilen. Die Stadt will diese Anregungen in einem Bürgerforum im September diskutieren. Einsenden kann man die Anmerkungen an schmiedgassen@schwaebisch-gmuend.de

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