Terminshopping ist besser als nichts

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Seit dieser Woche gilt es für Kunden online, telefonisch oder vor Ort einen Shopping-Termin zu vereinbaren. Sie müssen ihre Kontaktdaten angeben und medizinische Masken tragen.
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Gmünder Einzelhändler stellen sich auf die seit Montag geltende Corona-Regelung mit "Click & meet" ein. Die Unsicherheit ist bei einigen Kunden groß.

Schwäbisch Gmünd

So groß die Shoppinglust vergangene Woche war, so groß ist diese Woche die Verunsicherung bei einigen Kunden in Gmünder Geschäften. Daher standen ein paar am Montag ohne Termin vor dem Sportgeschäft Schoell im City-Center, berichtet Marketingleiter Thomas Leidenberger. Im Drogeriemarkt gegenüber dürfen Kunden ohne Termin einkaufen, genauso im Kiosk, da wunderten sich einige, dass es im Sportladen einen Termin zum Shoppen braucht, erzählt er. Diese "Click & meet"-Regelung gilt seit Montag im Ostalbkreis, nachdem die Sieben-Tage-Inzidenz an drei aufeinanderfolgenden Tagen über 50 lag. In Geschäften mit Produkten des täglichen Bedarfs dürfen Kunden nach wie vor ohne Anmeldung einkaufen.

Wobei es bei den meisten anderen Geschäften möglich ist, sich vor Ort anzumelden. Darauf weist auch Thomas Leidenberger hin: Spontan am Laden, telefonisch oder online können die Kunden Termine von 15, 30 oder 60 Minuten buchen. Bei Sport-Schoell stehe ein Mitarbeiter am Eingang, um die Leute digital zu registrieren. 30 Kunden dürfen insgesamt in den 1200 Quadratmeter großen Laden. Die Verordnung gibt vor: eine Person pro 40 Quadratmeter, Kinder unter 14 Jahren und Mitarbeiter zählen nicht mit.

Es gibt auch Kunden, die es genießen, dass in den Geschäften nun weniger los ist und sie einen exklusiven Shoppingtermin haben, weiß Simone Klaus, Geschäftsführerin des Handels- und Gewerbevereins (HGV). Den Händlern wäre natürlich lieber, sie dürften ohne Terminvergaben öffnen, sagt sie. Doch sie seien froh, dass sie überhaupt öffnen dürfen und machen das Beste daraus. Sie wisse von keinem, der "Click & meet" nicht anbietet. Und woher weiß der Kunde, wie geöffnet ist? Am besten schnell anrufen, rät Simone Klaus.

Manche haben schon vergangene Woche Termine für diese Woche vereinbart, nachdem ab Mittwoch klar war, dass die Inzidenz im Kreis über 50 liegt und wohl nicht so schnell sinken wird. Eine Kundin etwa habe für sich und ihre Mama ein Shopping-Zeitfenster im Schuhladen P8 in der Postgasse gebucht, erzählt Inhaberin Corinna Duscha-Brüning. Das passt: In ihr 100-Quadratmeter-Geschäft darf sie zwei Personen lassen.

Corinna Duscha-Brüning ist dankbar, dass die Kundinnen ihr die Treue halten. Jetzt, indem sie Termine vereinbaren, und genauso zwischen Mitte Januar und Anfang März, als das Einkaufen nur per Bestellung und Abholung erlaubt war. "Ich könnte die Gmünder küssen, weil sie mich wirklich unterstützt haben", sagt sie. Dennoch habe sie 60 bis 70 Prozent Umsatzeinbußen verzeichnet. Sie habe erst im Februar 2020 eröffnet, "jetzt geht es an die Existenz". Zum Glück seien die Lieferanten so kulant, dass sie auf Vorkasse verzichten. Ihre drei Teilzeit-Mitarbeiter seien in Kurzarbeit gewesen. Entsprechend groß war die Freude im Team, als vergangene Woche bis zu sechs Leute ohne Anmeldung in den Laden durften: Da sei es richtig gut gelaufen. Die Leute wollen raus und einkaufen, hat Corinna Duscha-Brüning festgestellt.

Genau wie Karin Schwarz vom Modegeschäft "Schwarz und Schwarz" in der Ledergasse. "Es ist besser als nichts", sagt sie über "Click & meet". Ein paar Kundinnen, die gezielt eine Hose oder ein anderes Kleidungsstück suchen, haben bei ihr für diese Woche einen Termin vereinbart. Die Leute können sich telefonisch und per Whatsapp anmelden – oder aber anklopfen und spontan ein Terminfenster reservieren. Das funktioniert, wenn nicht bereits drei Kundinnen im Laden sind. Eigentlich dürfe sie mit 160 Quadratmetern Verkaufsfläche vier Personen reinlassen, doch aus Hygienegründen wolle sie auf Nummer sicher gehen, sagt Karin Schwarz.

Ich könnte die Gmünder küssen, weil sie mich wirklich unterstützt haben.

Corinna Duscha-Brüning, Inhaber vom Schuhgeschäft P8

Auch Elke Deininger vom Spielwaren- und Kindermodengeschäft Böttinger beim Kornhaus lässt weniger Kunden gleichzeitig in ihren Laden, als sie dürfte, damit sich die Leute ja nicht in die Quere kommen. Sie hätte eigentlich am 16. Dezember 2020 nicht auf den Verkauf per Bestellung und Abholung umstellen müssen. Das habe sie allerdings erst Ende Januar im Gespräch mit Bekannten aus der Branche erfahren: Weil sie über 50 Prozent Babyartikel im Sortiment hat, dürfe sie auch im Lockdown öffnen – genau wie ein Drogeriemarkt. Nachdem das Ordnungsamt ihr dies bestätigt habe, öffnete sie ihr Geschäft im Februar. Doch die Nachfrage sei verhalten gewesen, weil insgesamt wenig Leute in der Stadt waren. Entsprechend sei vergangene Woche mehr los gewesen, als auch die anderen Geschäfte ohne Terminvergabe offen hatten.

Was geht draußen?

Wenn sich alles eingespielt hat, sollte es ab diesen Mittwoch einen speziellen Ausverkauf unter dem Titel "Gmünd macht Outlet" in der Stadt geben. Dieser wird nun verschoben, sagt die HGV-Geschäftsführerin, die diese Aktion mit Christine Hüttmann und Sabrina Hieber vom Programm "Bildung, Wirtschaft, Arbeit im Quartier" (BIWAQ) organisiert. Dabei sollten alle Händler ihre Waren vier Tage lang auf Ständern und Tischen vor ihrem Geschäft anbieten – draußen, weil die Infektionsgefahr dort geringer ist.

Oberbürgermeister Richard Arnold wolle nun ausloten, ob rechtlich auch bei einer Inzidenz über 50 etwas in diese Richtung möglich ist, erklärt Stadtsprecher Markus Herrmann auf Nachfrage. Der OB sei dazu in Gesprächen mit Vertretern des HGV.

Mit Termin ins Museum

Das Museum im Prediger öffnet an diesem Dienstag, 16. März, für Besucher mit Termin, sagt der stellvertretende Museumsleiter Joachim Haller. Wer die Dauerausstellung sehen will, ruft unter (07171) 6034131 an oder schreibt eine E-Mail an museum@schwaebisch-gmuend.de. Maximal 80 Leute können gleichzeitig kommen, die Aufsicht verteile sie auf die Stockwerke. jul

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