Tödlicher Einsatz in der Weststadt

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Bei einer Festnahmeaktion der Polizei 1981 in der Eutighofer Straße hatte sich ein Schuss gelöst und den Beifahrer dieses Wagns getötet. Bis in die Nacht hinein untersuchten Experten das Fahrzeug.
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Bei einer Kontrolle 1981 in Gmünd löst sich ein Schuss aus der Waffe eines jungen Polizisten. Der Vorfall findet landesweite Aufmerksamkeit.

Schwäbisch Gmünd. Es war ein verregneter Donnerstagabend im Oktober 1981 und in der Eutighofer Straße wirkte alles wie normal. Zumindest solange, bis ein heller VW Golf mit Göppinger Kennzeichen etwa auf Höhe des TÜV an parkenden Autos vorbei fahren wollte. Was in den folgenden Sekunden geschah, lenkte die Aufmerksamkeit des ganzen Landes auf Gmünd.

Denn die parkenden Autos in der Weststadt waren keine Privatfahrzeuge. Sie gehörten der Landespolizeidirektion Stuttgart I und waren an diesem Abend Teil einer Aktion eines Mobilen Einsatzkommandos (MEK). Sie waren so geparkt, dass sie den vorbeifahrenden Golf stoppen konnten. Denn der Auftrag des Einsatzkommandos hatte gelautet: einen der Insassen des Golf beobachten und festnehmen. Der 41-Jährige aus dem Raum Göppingen war bei Ermittlungen in den Verdacht des Rauschgifthandels geraten. Die Ermittler befürchteten auch, dass der Mann gefährlich war. Deshalb war festgelegt worden, dass der Zugriff an einem Ort erfolgen sollte, an dem keine anderen Personen gefährdet würden. Der 41-Jährige saß auf dem Beifahrersitz des Golf, gesteuert wurde das Fahrzeug von einem 38-jährigen Verwandten. Die beiden waren über Faurndau und Lorch nach Gmünd gekommen verfolgt von einem Wagen der Polizei.

"Polizei, aussteigen"

Was sich in der Eutighofer Straße abspielte, hinterließ zunächst viele Fragezeichen. Bei einem spontan einberufenen Pressegespräch im Gmünder Polizeirevier wenige Stunden nach dem Geschehen blieben viele Fragen noch offen. Bei einer Pressekonferenz am Tag danach in Stuttgart schilderte die Polizei das Geschehen so: Zwei Beamte stiegen aus einem Polizeifahrzeug, gingen mit gezogenen Pistolen zum dem Golf und öffneten die Fahrer- und die Beifahrertür. Während einer der Beamten "Polizei, aussteigen" sagte, löste sich aus der Waffe des Polizisten - eines 23-Jährigen - , der an der Beifahrertür stand, ein Schuss. Das Geschoss drang seitlich in die Brust des Beifahrers ein, trat auf den anderen Seite des Körpers wieder aus und verletzte den Fahrer an der Hand. Der Notarzt, den die Polizei sofort informierte, konnte nur noch den Tod des 41-Jährigen feststellen. Die Obduktion ergab, dass der Mann innerhalb weniger Minuten innerlich verblutet war. Der 38-Jährige wurde noch am gleichen Abend an der Hand operiert. Der 23-jährige Beamte, aus dessen Waffe sich der Schuss gelöst hatte, war nach Polizeiangaben seit Anfang 1981 Mitglied des Mobilen Einsatzkommandos gewesen. Er stand nach dem tödlichen Vorfall unter Schock.

Die Spurensicherung am und im Golf zog sich über Stunden hin. Die MEK-Leute hatten eigentlich damit gerechnet, dass der 41-Jährige bewaffnet war und bei einem Angehörigen der Gmünder Drogenszene Rauschgift anliefern wollte. Doch in dem Wagen fanden sich keine Waffe und keine Drogen. Eine Pistole stellten die Ermittler allerdings in der Wohnung des Getöteten sicher. Drogen fanden sie allerdings auch dort nicht. Dabei, so die Polizei, habe die Polizei schon mehrfach mit dem Mann zu tun gehabt, unter anderem wegen des Verdachts des Drogenhandels.

Spuren von Drogen

Trotz mehrfacher Nachfragen brauchten Polizei und Staatsanwaltschaft über einen Monat, um zu dem tödlichen Schusswaffeneinsatz Stellung zu beziehen. Inzwischen hatte das Kriminaltechnische Institut des Landeskriminalamts die gesicherten Spuren analysiert. Das Ergebnis, das die Staatsanwaltschaft mitteilte: In der Wohnung seien Spuren von Drogen gefunden worden. Und auch in dem Golf seien zumindest in der Vergangenheit schon einmal Drogen gewesen, das habe das Verhalten des Spürhundes vor Ort belegt. Auf die Spur des 41-Jährigen waren die Ermittler durch Telefonüberwachungen gestoßen. An der Waffe, die bei dem Mann gefunden worden war, seien sämtlich Kennnummern unkenntlich gemacht worden, Und zum tödlichen Waffeneinsatz des Polizisten: Der Schuss sei nicht vorsätzlich abgegeben worden.

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