Trotz Demenz: in Farben Gefühle kreativ ausdrücken

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Sie leiten das DRK Projekt Farbklecks (v.l.): Ira Boots und Rena Cornelia Lange.
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Beim Kunstprojekt „FarbKlecks“ können Menschen mit Demenz erleben, dass sie noch etwas können.

Schwäbisch Gmünd

Es ist ein ganz besonderes Kunstprojekt: „FarbKlecks“ - Kreativwerkstatt für Menschen mit Gedächtniseinschränkungen - ein Projekt der DRK-Demenzstiftung.

Nach den drei ersten Einheiten stellt Kunsttherapeutin Rena Cornelia Lange fest: „Es kommt gut an. Wir arbeiten mit einfachen Techniken wie Abklatschtechnik, mit Zahnbürste und Stempeln aus Toilettenpapierrollen und natürlich viel Farbe!“ Die 91-jährige Elsa kommentiert ihre „Malstunden“ so: „Ich fühle mich nach dem Malen immer viel besser, es ist, als wäre ich kurz im Urlaub gewesen.“

Die Kurse finden im Atelier FarbTon in der Nähe von Pädagogischer Hochschule und Berufsschulzentrum statt. Aus dem Wohngebiet betritt man im Atelier eine ganz andere Welt. Ein lichtes großes Zimmer mit Tischen und Sitzmöglichkeiten, eine hohe Grünpflanze und zwei hohen farbklecksigen Tafeln sind einladender bunter Kontrast zum Draußen. Oder wie eine „Schülerin“ sagt: „Sobald ich das Atelier betrete, fallen die Sorgen von mir ab.“

„Farbklecks“ ist ein für diese Menschengruppe zugeschnittenes Projekt, in dem sich Menschen mit Demenz unter Anleitung der Kunsttherapeutin künstlerisch in der Gruppe betätigen können. Ira Boots begleitet als Gruppenleiterin der Leuchtturmgruppen des Gmünder DRK. „Unser Ziel ist es, Raum für Entspannung, Beruhigung, Entlastung und Ermutigung ohne kognitive Überforderung zu bieten!“ Das geschieht durch spielerisches Anregen und Bearbeiten biografischer Erinnerungen aus dem Langzeitgedächtnis auf nonverbalem Weg.

Unmittelbar erlebt man in diesem Kurs, wie Menschen mit Demenz in Farben Gefühle kreativ ausdrücken. Es macht sie stolz, dass etwas gelingt. Ein gutes Gegengewicht zu dem zunehmend problematisch erlebten Alltag, weil das Kurzzeitgedächtnis nachgelassen hat. „Sie erleben: Ich kann immer noch was!“, berichtet Ina Boots.

Die Ergebnisse der vergangenen Kurstage hängen im Atelier. In Abklatschtechnik entstand ein Schmetterling mit einem kleinen Gesicht inmitten farbenprächtiger Flügel. Überraschend, was aus der Papphülse von Toilettenpapier entstand. Oben ringsherum eingeschnitten, in Bögen, als Zacken, dann wie ein Stempel in Farbe getunkt und aufs Papiergedrückt, entstehen die schönsten Blüten. Oder das Thema Regenbogen. Auch hier besticht wie bei allen anderen Bildern die fröhliche Farbgebung, in souveränen Strichen und mit viel Emotion.

Die Teilnehmenden staunen, dass so viele Farben vorhanden sind und benutzt werden dürfen. Hier gibt es kein richtig oder falsch, es ist keine künstlerische Vorerfahrung nötig. Eine Teilnehmerin lacht spitzbübisch: „Jetzt malen wir die Zähne grün!“

Es gibt einen festgelegten Ablauf. Wenn die Teilnehmenden ankommen, werden sie begrüßt und mit einer kleinen Geschichte, einem Gedicht oder einem Märchen auf das Thema eingestimmt. Dann beginnt die Malzeit, die Dozentinnen helfen, wenn es gewünscht wird. Zum Schluss werden die Werke gemeinsam angeschaut bei Tee und Keksen.

Teilnehmerin Ricarda fasst zusammen: „Ich bin froh, dass ich mich getraut habe,mitzumachen. Der Tag ist so lang, wenn man nur zuhause rumsitzt. Hier beim Malen vergeht die Zeit viel schneller.“

Für Rena Cornelia Lange und Ira Boots ist es wichtig, dass die Demenz aus der Tabuzonegeholt wird. Menschen mit Demenz können sich mit Farben gutausdrücken und vor allem wieder Selbstvertrauen aufbauen.

Info: „FarbKlecks“-Kreativwerkstatt für Menschen mit Gedächtniseinschränkungen ist ein Angebot der DRK-Demenzstiftung. Die Teilnahme ist kostenlos. Es sind noch Plätze frei. Info und Anmeldung: Telefon 07171 350684, Email: demenzberatung@drk-gd.de

Ich fühle mich nach dem Malen immer viel besser.“

Elsa,, 91-jährige Teilnehmerin
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