Trotz „halsbrecherischer Fahrweise“ kein Urteil

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Amtsgericht Gmuend
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Der Vorwurf gegen einen 19-jährigen Gmünder: ein verbotenes Kraftfahrzeugrennen. Was er nicht wusste: auf seiner Fahrt traf er zwei Mal Zivilbeamte.

Schwäbisch Gmünd

Mit auffällig hoher Geschwindigkeit“, habe sich der Angeklagte C. dem Zivilfahrzeug im vergangenen November auf der B 29 genähert, erzählt Staatsanwältin Alexandra Müller-Seigfried die Geschehnisse am Montag im Gmünder Amtsgericht nach. Lediglich die Scheinwerfer habe der Kripo-Beamte noch im Rückspiegel sehen können. Über eine durchgezogene Linie habe der Angeklagte im Baustellenbereich rechts überholt. Mit über 200 Sachen. Das Tempolimit habe bei 60 gelegen. „Mindestens 140 Kilometer pro Stunde“ im Versuch, C. zu folgen, seien die Beamten gefahren. Doch der 19-Jährige kam ihnen davon.

Die abgehängten Beamten gaben die Vorkommnisse per Funk an ein weiteres, auf der B 29 vorausfahrendes Zivilfahrzeug durch. „Nach wie vor in bewusster Rennmanier“ sei C. an ihnen vorbei über die Ausfahrt beim Einhorntunnel über die Lorcher Straße zum Bahnhof, von dort aus zur Robert-von-Ostertagstraße gefahren. Mit „halsbrecherischer Fahrweise“ und mit dem Anschein, sich der drohenden Kontrolle entziehen zu wollen. Nach acht Kilometern Verfolgungsfahrt wurde der 19-Jährige in der Schulstraße in Gmünd von einer Polizeibeamtin eines dritten Einsatzfahrzeuges gestellt, nachdem der Angeklagte das Fahrzeug verlassen hatte und zu Fuß unterwegs war. In dieser Version: strafbar als verbotenes Kraftfahrzeugrennen.

Doch der Angeklagte C. habe von der Situation um seine Verfolgung nichts gewusst. „Er ist nicht geflüchtet. Er hat nicht gemerkt, dass ihn die Polizei verfolgt hat“, sagt Pflichtverteidiger Franz Paule. Das hohe Tempo streitet er nicht ab. Es sei allerdings eher als Ordnungswidrigkeit wie als Straftat zu behandeln. Der Angeklagte sei damals 18 Jahre und neun Monate alt gewesen. Demnach „eine typisch jugendliche Geschichte“. Der Angeklagte habe nicht wegen der Beamten aufs Gaspedal getreten, sondern „er war sehr schnell vorher schon unterwegs“. Die Staatsanwältin zeigt sich dennoch verständnislos, wenn es um die Situation um die Baustelle herum geht. „Ich habe im Baustellenbereich keine Autos überholt“, sagt C. daraufhin.

Zwei Zeugen sagen aus. Beide sind Polizeibeamte, waren an der Verfolgung beteiligt. Der erste Zeuge war Fahrer des Fahrzeugs, das der Angeklagte überholt haben soll, kurz bevor er stadteinwärts fuhr. „Wir waren ein bisschen verwundert, warum das Fahrzeug so schnell nach dem Funkspruch schon da ist“, erinnert er sich. Trotz der Mercedes E-Klasse der Beamten, hätten sie „Mühe gehabt“, am VW-SUV des Angeklagten dranzubleiben.

Da auch dieses Einsatzfahrzeug ein ziviles war, möchte der Strafverteidiger wissen, ob es denn als Polizeifahrzeug zu erkennen war. „Unser Blaulicht ist im Fußraum“, erklärt der Zeuge, „das mache ich nicht bei einer Geschwindigkeit von 180, 190 km/h aufs Dach“. Auf Nachfrage der Staatsanwältin beschreibt er die Geschwindigkeit des Angeklagten als „ziemlich gefährlich“. Zu brenzligen Situationen mit anderen Verkehrsteilnehmern sei es nicht gekommen.

Die zweite Zeugin am Montag ist die Beamtin, die C. nach der Fahrt stellte. Sie sei in einem regulären Einsatzfahrzeug im Dienst gewesen. „Das Blaulicht haben wir angemacht.“ Aber: Ihr Fahrzeug kam dem Angeklagten entgegen. Ein weiterer Grund, warum C. nicht erkannt habe, dass er gemeint ist. In der Gmünder Schulstraße habe der Angeklagte das Fahrzeug verlassen, sei zu Fuß weiter. Dort wurde er gestellt. Dabei habe er sich unbeeindruckt gezeigt, mit den Schultern gezuckt. „Öfters hat er uns darauf hingewiesen, dass wir ohne Videobeweis keine Chance hätten“, sagt die Zeugin.

Ob es sich letztendlich um Raserei oder lediglich eine Ordnungswidrigkeit handelt, das kann Richter Yannic Röhm nicht entscheiden. Weitere Zeugen, die, die C. im Bereich der Baustelle überholt haben soll, müssten gehört werden. Die Verhandlung wird am Montag, 16. August, fortgesetzt.

Öfters hat er uns darauf hingewiesen, dass wir ohne Videobeweis keine Chance hätten.“

Polizistin im Zeugenstand

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