Trotz Handicap einen Job finden

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Hier werden Problemstellungen für Rollstuhlnutzer gelöst: Im Vordergrund Jochen Henne von der Agentur für Arbeit und Kolping Berufsbildung gGmbH Geschäftsführerin Dorothea Ewers beim Projekttag für Menschen mit Handicap. Acht Teilnehmer wurden angeleitet
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Kolping-Bildungs- und Arbeitsagentur räumt berufliche Hindernisse aus dem Weg.

Schwäbisch Gmünd. Inklusion ist ein vielverwendetes Wort. Und oft geht es auch um Qualifikation, damit Menschen mit Handicap sich im Alltag zurechtfinden. Auch im beruflichen Alltag, wofür die vorhandenen Stärken ausgelotet und Potenziale ans Tageslicht gebracht werden. Dies geschieht aktuell in einer Fördermaßnahme der Arbeitsagentur Aalen in Kooperation mit der Kolping Bildung gGmbH.

Den Betroffenen Menschen mit unterschiedlichsten Handicaps wird eine Unterstützende Beschäftigung, UB, angeboten - als Alternative zur beruflichen Eingliederung von Menschen mit Behinderung. Ziel ist es, über eine Qualifizierung die Menschen direkt an Arbeitsplatz, also in den Betrieb zu bringen. „Also über die Praxis, nicht die Schule“, wie Dorothea Ewers, Geschäftsführerin der Kolping Berufsbildung formuliert. Und eben diesen Auftrag hat Kolping von der Arbeitsagentur Aalen erhalten. Die Teilnehmer kommen aus den Kreisen Ostalb und Heidenheim.

Hier wird unter anderem durch Projektarbeit Selbstbewusstsein und -einschätzung vermittelt. Etwa im Rollstuhlprojekt am Freitag im Unipark: Acht Menschen mit unterschiedlichsten Behinderungen, von Motorikschwächen über psychische Probleme bis zu internistischen Schwächen, nahmen hier in Rollstühlen teil. Um was es ging? Darum, dass der Lebensalltag von Rollstuhlfahrern kennengelernt wurde. In unterschiedlichsten Übungen ging es um Hindernisse und das große Vertrauen, das Rollstuhlfahrer ihren Begleitpersonen entgegenbringen müssen. Das verdeutliche, dass Menschen mit Handicaps immer Vertrauen zu Begleitpersonen haben müssen, erklärte Jochen Henne von der Agentur für Arbeit. Er ist Teamleiter für berufliche Rehabilitation und Teilhabe am Arbeitsleben. Ziel sei ein dauerhafter Platz im ersten Arbeitsmarkt. Zur Seite stehen nach der Anstellung nach wie vor Coaches von Kolping. Etwa Désirée Holl und Bettina Winter als Qualifikationstrainerinnen.

Dass dieser begleitete Weg erfolgversprechend ist, beweist der Blick auf die Zahlen. Denn von bislang rund 50 TeilnehmerInnen gehen mittlerweile 50 Prozent einer sozialversicherten Arbeit nach, wie Kolping Berufsbildung-Geschäftsführerin Dorothea Ewers informiert. „Wenn die Motivation da ist, können wir professionell begleiten“, macht sie deutlich.

In der Einstiegsphase gibt es eine Analyse. Ein Profiling. Was kann der Teilnehmer trotz seiner Behinderung bestens bewältigen? Und dementsprechend wird dann von einem kooperierenden Betrieb eine Arbeitsstelle maßgeschneidert auf die Bedürfnisse. Jochen Henne verdeutlicht, dass dieser direkte Bezug zu einem Betrieb erheblich größere Chancen bringe als eine Schulung.

Schließlich ist es ein Ziel der Arbeitsagentur, in ganz Ostwürttemberg Menschen mit Behinderung bestmöglich zu unterstützen und am Arbeitsmarkt zu inkludieren. „Deshalb finanzieren wir seit vielen Jahren diese für uns sehr wichtige und durch die betriebsnahe Qualifizierung mit anschließender Arbeitsmarktintegration auch erfolgreiche Maßnahme UB (Unterstützte Beschäftigung)“, stellt Jochen Henne fest.

Das Rollstuhlprojekt wurde übrigens von einer Rollstuhlfahrerin und Teilnehmerin der UB angeregt und nun auch gemeinsam umgesetzt. Für die Erfahrung nahmen auch Jochen Henne und Dorothea Ewers in jeweils einem Rollstuhl Platz und erkannten schnell die vielen Hindernisse. Angefangen bei einer Tür, die nach innen aufgeht. Doch das Meistern eines Problems stärkt das Selbstvertrauen. Und das ist der Zweck der Übung. Anja Jantschik

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