Türen, die für Hoffnung und für Aufbruch stehen

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Symbolkraft vor der Augustinuskirche: Das Objekt erinnert an den Umbau des Augustinus-Gemeindehauses. Im Bild (v.l.) Marco Iannelli, Thomas Sonnentag, Matthias Plocher und Stanislaus Müller-Härlin.
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Installation vor der Augustinuskirche. Ein Werk aus der Kunst-Aktion zum Umbau des Augustinus-Gemeindehauses.

Schwäbisch Gmünd

Türen, die keinen Eingang markieren, denen die Funktion durch gegenseitiges Verschrauben abhanden gekommen ist, sie stehen wie ein Kunstwerk im Innenhof der Augustinuskirche und sollen Passanten wie Kirchenbesuchern ein Rätsel aufgeben. Viele kennen die Lösung: Die Skulptur ist Folge der Aktion „Umbruch – Aufbruch“ der Evangelischen Kirchengemeinde. Sie markiert damit den Start des Umbaus des Augustinus-Gemeindehauses. Ideengeber für den besonderen Abschied vom „alten“ Gemeindehaus waren Kirchengemeinderätin Katrin Sabath-Härlin, PH-Dozent Stanislaus Müller-Härlin und Architekt Thomas Sonnentag. Nicht mehr zu gebrauchende Türen wurden zu Tischen umfunktioniert, Türgriffe zu kleinen Skulpturen. Mehr als 25 Institutionen, Kirchengemeinden, soziale Einrichtungen und auch Verwaltungen waren die Empfänger.

Für die Augustinuskirche haben sich die Initiatoren die besondere Form der Skulptur ausgedacht, nach oben strebend und auf festem Fundament fixiert. Türen haftet nach Worten von Pfarrer Matthias Plocher eine große Symbolkraft an. In diesem Fall richte sich der Blick zum einen auf das Augustinus-Gemeindehaus, auf den Umbau und ein Projekt, „wie wir es vielleicht alle 40 Jahre haben“. Türen seien aber auch ein Hoffnungszeichen und deshalb gerade jetzt wichtig. Der Krieg in der Ukraine setze den Menschen zu, viele fühlten sich wie in einem dunklen Raum. Er spüre dabei Lähmung und Depression. Die Türen dürfe man auch als Hoffnungszeichen in einer schweren Zeit verstehen.

Die Tür-Skulptur stehe ganz prominent am richtigen Ort, „sie fragt mich, was hier los ist“, sagt Stanislaus Müller-Härlin. Nicht weniger interessant seien die Tür-Tische und Kleinskulpturen aus Türgriffen. Thomas Sonnentag spricht von einer tollen Resonanz. So hat er von den Hoffnungshäusern ein Foto erhalten, das den Tür-Tisch im Innenhof zeigt, umgeben von freudigen Gesichtern.

Ganz besonders habe die Heubacher Kirchengemeinde auf das Tür-Tisch-Geschenk reagiert. Da gab‘s bei der Übergabe ein richtiges Fest mit allerhand Leckereien: Zimtschnecken, Strudel, Kaffee und Tee. Pfarrer Rudolf Spieth an der Gitarre und Kirchengemeinderat Stefan Prüller an der Klarinette lieferten Klezmer-Musik zu den Gesprächen, die sich rund um den Tisch in lockerer Runde ergeben haben. Der Tür-Tisch ist im hinteren Bereich des Kirchgartens aufgebaut. An einen freundlichen Empfang samt Essen erinnert sich Thomas Sonnentag bei der Übergabe in der Ditib-Moschee. Und Pfarrerin Eleonore Härter in Mutlangen entzündete – aus aktuellem Anlass – ein Friedenslicht auf dem Tisch. Erster Bürgermeister Christian Baron nutzt den Augustinus-Tür-Tisch nun für Mitarbeiter-Gespräche. Nicht überall ist Platz für einen Zwei-Meter-Tisch. So gab‘s fürs Kulturbüro oder den Arbeitskreis Asyl die Erinnerung an den Umbruch-Aufbruch-Abend in Form einer Türgriff-Skulptur.

Ungleich größer ist das Werk aus drei Türen, das jetzt links des Eingangs zur Augustinuskirche steht. Architekt Marco Iannelli vom Büro Sonnentag hatte die Idee zu einem Schrägschnitt an allen drei Türen, die so in ihre neue Form übergehen konnten.

"Ein Projekt, wie wir es vielleicht alle 40 Jahre haben.

Matthias Plocher,, Pfarrer

„Das neue Augustinus“ wird jetzt realisiert

  • Rund 6,4 Millionen Euro investiert die Evangelische Kirche für die Sanierung des Augustinus-Gemeindehauses nach Plänen des Architekturbüros Thomas Sonnentag.
    Die Baugenehmigung für Umbau und Sanierung liegt vor. Jetzt können die Handwerker in das von Martin Elsäßer 1905 bis 1907 errichtete Gebäude einziehen. Die zahlreichen Institutionen, die ihren Platz im Augustinus-Gemeindehaus hatten, sind in Ersatzräume umgezogen. Das Vorhaben dauert voraussichtlich bis zum dritten Quartal 2024, dann soll „Das neue Augustinus“ eröffnet werden. Mehrfach wurde das Haus saniert, zuletzt in den 1970er-Jahren. Damals wurde der große Saal um eine Art Wintergarten erweitert. ⋌kust

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