Tunnel-Demo: Warum sie provozieren wollen

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Tim-Luka Schwab, Andreas Mooslehner und Volker Nick (v.l.) laden interessierte Radfahrer am kommenden Freitag zur Tunneldemo. Die Radler fahren vom Bahnhof durch den Tunnel. Schwab rechnet mit etwa 50 Teilnehmern.
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Tim-Luka Schwab, Andreas Mooslehner und Volker Nick erläutern einmal mehr die Ziele ihrer kontrovers diskutierten Tunneldemo am Freitag.

Schwäbisch Gmünd

Sie nehmen einen neuen Anlauf: Sie hätten es "bisher nicht ausreichend geschafft, unser Anliegen verständlich zu transportieren", sagen Tim-Luka Schwab, Andreas Mooslehner und Volker Nick. Schwab hat für kommenden Freitag für "Fridays for Future" eine Demonstration durch den Gmünder Einhorntunnel organisiert. Mooslehner, Regionalgeschäftsführer des BUND, und Nick von den "Radkurieren for Future" unterstützen diese Aktion. Diese sei jedoch in den vergangenen Wochen sehr kontrovers diskutiert worden. Zu dritt luden sie deshalb am Montag zu einem Pressegespräch auf den Fahrradüberweg an den Ostausgang des Tunnels, um ihre Ziele zu erläutern. Einmal mehr.

Er habe die Demo angemeldet, sagt Schwab. Eigens für diesen Tag, an dem die Bewegung "Fridays for Future" weltweit aktiv sein will. Mit der Tunneldemo wolle "Fridays for Future" auf die Klimaschädlichkeit des Verkehrs hinweisen. Mit mehr als 30 Prozent sei der Verkehr am Kohlendioxid-Ausstoß beteiligt. Dies sei in den vergangenen Jahren nicht weniger, sondern mehr geworden. 1990 sei der Verkehrssektor in Baden-Württemberg für einen Emissionsausstoß in Höhe von 21 Millionen Tonnen verantwortlich gewesen, 2018 seien es 23,5 Millionen Tonnen gewesen. Dies sei nicht mit dem Pariser Klimaschutzabkommen vereinbar, das eine Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad festlegt. Die Folgen der Klimaerwärmung, sagt Schwab, seien schon überall zu sehen: kranke Bäume, immer weniger Wasser, geringere Ernten. All dies, sagt der "Fridays-for-Future"-Aktivist und SPD-Stadtrat, sei erst der Anfang. Und er ergänzt: "Der Klimawandel ist eine Bedrohung , wie es sie in der Geschichte der Menschheit noch nicht gegeben hat."

Mit dem Tunnel, mit der Mögglinger Ortsumgehung und mit den verbleibenden Abschnitten der B 29 würden etwa 600 Millionen Euro in die Bundesstraße investiert, sagt Mooslehner. Dies sei eine "gigantische Summe". Um einen Ausbau der Brenzbahn hingegen müsse man kämpfen. "Es sollte genau umgekehrt sein", sagt der BUND-Geschäftsführer. Denn die Treibhausgase müssten "dramatisch sinken". Baden-Württemberg müsse sich vom Autoland zum Mobilitätsland entwickeln. Die Autoindustrie aber habe das verbummelt. Tesla sei weiter. Die Franzosen seien weiter. Gmünds Transformationsrat, der sich um Gmünds wirtschaftliche Zukunft kümmert, müsse sich auch mit der Frage beschäftigen, "wie wir diesen Wandel hinkriegen". Die Tunnelaktion sieht Mooslehner als "Weckruf". Da es keine Fortschritte gebe und die Zahl der Autos pro Einwohner stark anwachse, braucht es für Mooslehner diese "Provokation, den Tunnel einmal dicht zu machen". Denn nun zu verabschiedende Politikergenerationen hätten den Klimawandel anpacken sollen, seien aber ihrer Verantwortung nicht gerecht geworden. Deshalb brauche es die Zivilgesellschaft.

Wir müssen mehr über Klimaschutz reden.

Tim-Luka Schwab, Fridays for Future

Seit 25 Jahren arbeite er als Fahrradkurier, sagt Nick. Seit 25 Jahren klopften ihm die politisch Verantwortlichen auf die Schulter und fänden das gut. Doch "bei jeder politischen Entscheidung wird gegen mich entschieden", sagt Nick. Inzwischen nehme er dies persönlich. Dennoch wolle er das nicht akzeptieren. Deshalb unterstützt er die Tunnelaktion. Alle wüssten, dass die Klimaerwärmung gestoppt werden müsse. Nichts aber geschehe. Dies sei "Politikerversagen".

Die Klimapolitik der Bundesregierung, der Landesregierung, der Kohleausstieg, all dies sei "nicht ausreichend", sagt Schwab. Ihm gehe es darum, dass über diese Inhalte "öffentlich viel mehr diskutiert wird". Die Gefahr, mit einer solchen Provokation ihre Ziele nicht zu erreichen, nehmen Schwab, Mooslehner und Nick bewusst in Kauf. Weil sie noch immer "hoffen, dass die Leute und die Politiker aufwachen".

Wie die Tunneldemo abläuft

Die Tunneldemo beginnt am Freitag um 14 Uhr am Bahnhof. Der Tunnel wird dazu zwischen 13.30 und 13.45 Uhr gesperrt. Nach Demobeginn entscheidet das Ordnungsamt über den Zeitpunkt der Freigabe des etwa 2,2 Kilometer langen Tunnels für die Radler. Sie fahren über die Stuttgarter Straße zum westlichen Eingang des Tunnels, durchqueren diesen und fahren vom östlichen Ende des Tunnels auf den Johannisplatz. Dort wird die Kundgebung nach 14.45 Uhr beendet. Die Organisatoren rechnen mit 50 Teilnehmern. mil

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