Über 100 Gräber geschändet

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Ein Bild der Verwüstung bot sich auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof. schon beim ersten Mal hatte der Täter 92 Gräber geschändet.
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Aus dem Tagespost-Fotoarchiv (4) 1980 wühlt ein 23-Jähriger mit seinem Unwesen auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof viele Gmünd emotional auf.

Schwäbisch Gmünd

Mit Maischerz hatte das, was an jenem Feiertag des Jahres 1980 entdeckt wurde, nichts zu tun. 92 Gräber hatte ein Unbekannter auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof zerstört oder zumindest geschädigt. Erde, Kränze und Gebinde lagen wild herumgeworfen auf den Wegen, ein Grabstein war umgestoßen, zwei Metallkreuze waren abgebrochen. Auf mehrere tausend Mark wurde der Sachschaden damals geschätzt, doch es war nicht in erster Linie der materielle Schaden, der die Betroffenen und viele weitere Bürger schmerzte. Die Grabschändungen trafen die Menschen auch emotional tief.

Kein Wunder also, dass die Polizei sehr intensiv ermittelte. Schon wenige Tage später war Näheres bekannt: Offenbar war nur ein Täter am Werk, das verrieten die gefundenen Fußspuren. Sie sagten auch aus, dass dieser Täter Schuhgröße 38 bis 39 hatte. Außerdem fanden die Ermittler einen Feuerwerkskörper, einen so genannten Chinakracher – 12 Millimeter Durchmesser, 5 Zentimeter lang.

Doch trotz dieser ersten Hinweise setzte sich der Schrecken zunächst fort: Knapp zwei Wochen nach der ersten Tat wurden auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof weitere 40 Gräber geschändet, Pflanzen herausgerissen, Holzkreuze umgebrochen. Wie schon beim ersten Mal spielte sich die Tat wieder im zweiten Erweiterungsbereich des Friedhofs ab. Die Polizei ging fest davon aus, dass derselbe Täter am Werk war.

Sonderkommission

Schuhgröße 38 bis 39

Die Polizei zu den Ergebnissen der Spurenanalyse nach der Tat

Wegen der großen Betroffenheit in der Bevölkerung bildete die Gmünder Kriminalpolizei, die damals ihren Sitz noch zwischen Hof- und Brandstatt hatte, eine Sonderkommission, um den Täter zu finden. Inzwischen gab es auch eine Beschreibung eines Tatverdächtigen: etwa 20 Jahre alt, schlank, 180 Zentimeter groß, buschige Haare. Um die Ermittlungen zu unterstützen, setzten die Stadt Schwäbisch Gmünd und die Staatsanwaltschaft Ellwangen Belohnungen von jeweils 1000 Mark für die Ergreifung aus. 2000 Mark insgesamt – für jene Zeit eine hohe Summe. Sie wurde gar nicht benötigt.

Wiederum eine Woche später kam nämlich die erlösende Nachricht: "Grabschänder gefasst" lautete die Schlagzeile in der Gmünder Tagespost. Die eindeutige Formulierung war gerechtfertigt, denn der Mann hatte ein Geständnis abgelegt. Er gab an, unter Drogeneinfluss gewesen zu sein, als er die Grabstellen verwüstete.

Zur Festnahme war es eher aus Zufall gekommen, als der Mann, ein 23-jähriger Kraftfahrer, in der Nacht gegen zwei Uhr am Dreifaltigkeitsfriedhof vorbei lief. Streifenpolizisten kontrollierten ihn dort und stellten fest, dass er der von einem Zeugen gegebenen Täterbeschreibung entsprach und außerdem, wie es die Polizei formulierte, "aufgrund sonstiger individueller Spuren als möglicher Täter in Frage kommen konnte".

Bei der Vernehmung räumte der Mann die Taten ein. Ein Haftrichter entschied, den 23-Jährigen in Untersuchungshaft zu nehmen.

Ein Bild der Verwüstung bot sich auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof. schon beim ersten Mal hatte der Täter 92 Gräber geschändet.

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