Über Leselust, Hitlisten und G-Regeln

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Stadtbibliothek Angelika Fischer
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Welche Bücher und CDs während der Pandemie besonders nachgefragt sind und wie eine Quarantäne für Medien aussieht, erklärt Leiterin Sybille Bruckner-Schmidt.

Schwäbisch Gmünd

Mit klarem Kopf und kreativen Ideen Wege finden, wie Bücher, CDs und DVDs trotz Pandemie an den Mann, die Frau oder das Kind kommen, das war die letzten zwei Jahre in der Gmünder Stadtbibliothek angesagt. Bleib-Daheim-Ausweise wurden eingeführt, Termine vergeben und ein Abholservice etabliert. Auf die komplette Schließung während des Lockdowns folgten eingeschränkte Öffnungszeiten, begrenzte Personenanzahl im Haus und nun Einlasskontrollen; dazu tauchte beinahe wöchentlich das G in einem anderen Kontext auf: 3G, 2G, 2G+, mit 2., mit 3. Impfung, mit negativem Schnell- oder PCR-Test – die letzten beiden Jahre waren für die Gmünder Stadtbibliothek eine große Herausforderung. Beinahe wöchentlich musste Leiterin Sybille Bruckner-Schmidt und ihr Team auf neue Corona-Verordnungen reagieren.

Natürlich haben sich die Einschränkungen auf die Ausleihstatistik ausgewirkt. Wurden 2019 von Benutzerinnen und Benutzern noch 366 875 Medien ausgeliehen, waren es 2020 nur noch 286 523, und 2021 sank die Zahl erneut auf 192 093. Der Digitalisierung sei Dank, dass die Ostalb-Onleihe im gleichen Zeitraum richtig zulegen konnte: Von 37 663 Ausleihen im Jahr 2019 auf 48 082 im nächsten Jahr, 2021 waren es 55 299.

Bei einem Bestand in der GMünder Stadtbibliothek von derzeit 95 777 Medien wurde jeder Titel im Durchschnitt knapp zwei Mal ausgeliehen. Natürlich gibt es Bücher, Filme und Zeitschriften, die mehr als andere nachgefragt werden. Interessant ist ein Blick auf die „Medien mit den höchsten Ausleihen“, wie es im Fachjargon heißt. Eingeteilt sind sie in 17 Kategorien: von Sachliteratur allgemein, über Bestseller Schöne Literatur bis zu DVD Spielfilme, Literatur-CD und Konsolenspielen.

Diplom-Bibliothekar Uwe Aldinger hat eine Statistik für 2021 zusammengestellt. Mit Abstand am meisten ausgeliehen wurden Kinder-CDs, drei Spitzenreiter sind im letzten Jahr 26 Mal von Haushalt zu Haushalt gewandert, natürlich immer mit Zwischenstation in der Bib, wie vor allem die jugendlichen Nutzer die Stadtbibliothek gerne nennen. Dort bleiben alle Medien derzeit eine Nacht in „Quarantäne“, erklärt Sybille Bruckner-Schmidt, um jegliches Übertragungsrisiko auszuschließen.

Das Rennen machten bei den Kinder-CDs die Klassiker Bibi Blocksberg, Asterix und „Die drei ???“. Bücher und andere Medien für Kinder werden überhaupt stark nachgefragt. Das Wort „Buch“ steckt zwar in „Bibliothek“, das aus dem Griechischen kommt und „Buch-Behälter“ bedeutet, aber längst können in der Bildungseinrichtung zusätzlich zu Büchern viele unterschiedliche Medien ausgeliehen werden. Bei Kindern seien zurzeit Hörbücher, Brettspiele, Tonies und Mangas beliebt.

Und was führte 2021 sonst noch die Hitlisten an? „Viele Themen leuchten ein“, findet Sybille Bruckner-Schmidt: Alles, was mit Homeoffice zu tun hat, interessiere derzeit, ebenso wie Wohnungseinrichtung und -verschönerung. Zwei Ausgaben der Zeitschrift „Schöner Wohnen“ etwa wurden 14 Mal ausgeliehen. Des Weiteren seien Upcyceln, Handarbeiten, DIY und Kochen angesagt. Und bei den Reiseführern sei oft das Reiseziel Deutschland nachgefragt gewesen, ebenso wie Tagesausflüge und Bücher über Camping- und Wohnmobil-Urlaube. Konkret war „Weite Wege wandern“ von Christine Thürmer ein beliebter Titel bei der Sachliteratur. Bei den Romanen ist wiederum alles beim Alten geblieben: Was auf der Spiegel-Bestsellerliste landet, ist auch in der Gmünder Bib heiß begehrt.

Leselust weiterhin vorhanden

26 Ausleihen bei den beliebtesten Kinder-CDs – in die Nähe dieser Hits kommen nur CDs, DVDs und Nintendo Konsolenspiele wie Super Mario Party. Kein Wunder, findet Bruckner-Schmidt, „denn um ein Buch ganz zu lesen, braucht es Zeit und Durchhaltevermögen“. Das Leseerlebnis sei die Mühe aber allemal wert. Immerhin liegen auf Platz zwei der 17 relevanten Mediengruppen Literatur CDs, allen voran „Mein Glück in deinen Händen“ von Mary Simses mit 24 Ausleihen. Bei den Büchern liegen Colleen Hoovers „All das Ungesagte zwischen uns“ und Géraldine Dalban-Moreynas „An Liebe stirbst du nicht“ ganz oben, die 19 Mal ausgeliehen wurden. Hoover kam auch bei den Jugendlichen ab 15 Jahren gut an. Ihr Buch „Was perfekt war“, wurde 14 Mal ausgeliehen. Auch wenn die Pandemie-Jahre alles andere als perfekt waren – die Leselust ist davon zum Glück unbeeindruckt.

Um ein Buch ganz zu lesen, braucht es Zeit und Durchhaltevermögen.“

Sybille Bruckner-Schmidt,, Leiterin der Stadtbibliothek

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