Überflutungen nicht zu verhindern

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Die Unterführung im Taubental .
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Viele Einsätze nach dem Starkregen. Laut Polizei ist zum Glück niemand was passiert. Warum die Stadt keine Verbesserungsmöglichkeiten in den Unterführungen sieht.

Schwäbisch Gmünd

Überflutete Unterführungen im Taubental und in der Pfitzerstraße – diese Bilder von der Nacht auf Donnerstag erinnern an das Hochwasser im Mai 2016, bei dem zwei Männer im Taubental ums Leben gekommen sind. Eine Untersuchung sollte in der Folge zeigen, was es braucht, damit das Wasser bei Starkregen künftig besser abfließen kann. Die Stadt habe kleinere Maßnahmen veranlasst, erinnert Baubürgermeister Julius Mihm: Am Wetzgauer Bach im Taubental wurden Rechen eingebaut, die verhindern, dass Äste und Geröll am Einlauf den Kanal verstopfen. Am Ablauf in den Unterführungen selbst könne nichts verbessert werden, sagt er. Dafür müsste flächendeckend ein größerer Kanal eingebaut werden. Und „das kann keiner bezahlen“, betont der Baubürgermeister, der die Investitionen dafür auf mehrere Millionen Euro schätzt. „Technisch kann man nicht verhindern, dass durch eine solche Wasserlawine der tiefste Punkt vollläuft“, sagt er über die Unterführungen, „das ist utopisch“.

Das Wichtigste sei in solchen Fällen, die Reaktionsfähigkeit zu verbessern, um sofort dafür sorgen zu können, dass niemand mehr in die Unterführungen geht oder fährt. Daher hat die Stadtverwaltung an den Unterführungen im Taubental, in der Pfitzerstraße Richtung Mutlangen, an der Aalener Straße Richtung Herlikofen, in der Panoramastraße in Hussenhofen sowie am Josefsbach und an der Rems Kameras installiert. Der Bereitschaftsdienst des Baubetriebsamts, der rund um die Uhr im Einsatz ist, hat diese bei Starkregen ständig im Blick, erklärt Baubetriebsamtsleiter Friedrich Mayer.

Wie wichtig das ist, zeigt sich am Mittwochabend, als er dem Baubürgermeister kurz nach 20 Uhr berichtet, dass in der Taubentalunterführung alles in Ordnung ist. „Zehn Minuten später war sie überflutet, berichtet der Baubetriebsamtsleiter, so schnell kann es gehen. Die Regenüberlaufbecken in Wetzgau, die bei Starkregen als Puffer dienen, seien auf einen Schlag übergelaufen, erklärt Julius Mihm. Die Wasserlawine bahnte sich daraufhin den Weg ins Tal. Bräuchte es mehr oder größere Regenüberlaufbecken? Auch das wäre nicht bezahlbar, antwortet er. Da werde man wohl in Kauf nehmen müssen, alle paar Jahre ein paar tausend Euro für die Reinigung und Behebung der Schäden in die Hand zu nehmen.

78 Einsätze der Feuerwehr

Im Vergleich zu 2016 seien die Schäden dieses Mal überschaubar, erklärt Friedrich Mayer. Das Team vom Baubetriebsamt und der Stadtentwässerung sei in der Nacht mit 24 Mitarbeitern im Einsatz gewesen, am Donnerstag mit weiteren 40, berichtet Hauptamtsleiter Helmut Ott. Mit Radladern, Kehrmaschinen und Schaufeln befreiten sie die Unterführungen vom Schlamm. So war die Pfitzerunterführung bereits am Donnerstagmorgen wieder offen. Die Taubentalunterführung soll an diesem Freitag ab 10 Uhr wieder für den Verkehr freigegeben sein. Fußgänger sollen die Unterführung zwischen Lindenfirststraße und Fehrleparkhaus ab 14 Uhr nutzen können.

In den folgenden Tagen gelte es, Schäden an den Wegen im Himmelsgarten bei Wetzgau sowie im Wald zu beheben, sagt Friedrich Mayer. Einige Privatleute werden wohl auch noch ein paar Tage brauchen, um die Schäden von vollgelaufenen Kellern zu beheben. Die Gmünder Feuerwehr hatte insgesamt 78 Einsätze, bilanziert Ralf Schamberger, stellvertretender Kommandant. Rund 80 Feuerwehrleute aus mehreren Abteilungen waren in der Nacht und am Donnerstag im Einsatz, um die Schäden der zwei Gewitterfronten ab 20 Uhr und ab Mitternacht zu beheben. Während sich das Technische Hilfswerk vor allem um die Taubentalunterführung gekümmert hat, war der größte Einsatz für die Feuerwehr beim Tennisverein Schwäbisch Gmünd im Schießtal. Dort stehen weite Teile der Anlage unter Wasser. Das Ausmaß der Schadens schätzt Vereinsvorsitzender Rudi Groß in der gleichen Größenordnung ein, wie sie das Extrem-Unwetter 2016 bei den Gmünder Tennisspielern angerichtet hat: etwa eine halbe Million Euro. Die Halle stehe komplett unter Wasser, auch sieben der 14 Plätze im Außenbereich sind von Schlamm bedeckt. Verschont geblieben sei dieses Mal der Umkleidetrakt, auch die Gaststätte sei weiterhin Betrieb. In vielen anderen Räumen steht jedoch das Wasser. Der Schaden im Außenbereich sei nicht versicherbar, sagt Groß. Noch sei nicht klar, wo der Verein die großen Mengen Schlamm, die von den Plätzen entfernt werden müssen, entsorgen kann.

Den Schaden im Gebäude hat er bereits der Versicherung gemeldet und hofft, dass die ihn erstattet. Unsicher ist der Vorsitzende jedoch, ob die Versicherung danach nicht den Vertrag kündigt, nachdem ein so großer Schadensfall zum zweiten Mal innerhalb von nur rund fünf Jahren aufgetreten ist. 2016 sei das Wasser vom Hang, der nach Lindach hinauf reicht, herübergeflossen. Dieses Mal, berichtet Rudi Groß, sei es zum einen vom benachbarten Bach, zum zweiten vom Gelände der benachbarten Bosch AS gekommen. Die Anlage des Tennisvereins sei so von zwei Seiten her überschwemmt worden.

Bosch AS betroffen

Vom Hochwasser betroffen war auch Gmünds größter Arbeitgeber Bosch AS. Der Sulzbach sei über die Ufer getreten, Wasser sei in angrenzende Gebäude und Keller gelaufen, sagt Bosch-AS-Sprecherin Julia Naidu. Die Produktion war nicht betroffen. Die Werksfeuerwehr und Feuerwehren aus Gmünd, Lindach, Mutlangen und Iggingen seien mit 80 Kräften im Einsatz gewesen. Verletzt worden sei niemand, und es habe keinen gravierenden Schaden gegeben, sagt Naidu.

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