Ukrainer in Gmünd: Pro Woche kommen rund 100 neue Flüchtlinge

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Am "Ukraine-Schalter" im Gmünder Rathaus: Sandra Imhof (links) und ihre Kolleginnen kümmern sich um den Verwaltungsaufwand.
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Gmünd richtet sich auf weiter anhaltenden Zustrom ein – bisher gemeldeter privater Wohnraum reicht für knapp 500 Geflüchtete.

Schwäbisch Gmünd

Lunchpakete von einer Schule, eine Ausnahmeregelung für Kindergärten und privater Wohnraum für bis zu 500 Geflüchtete. Was der Krieg in der Ukraine und die von dort geflohenen Menschen für Gmünd bedeuten:

Insgesamt 133 Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine waren bis Montag bei der Stadt Gmünd gemeldet. Jede Woche kommen etwa 100 dazu. „Wir haben zehn bis fünfzehn Neuanmeldungen im Schnitt pro Tag“, sagt Gmünds Bürgermeister Christian Baron. Wobei es wahrscheinlich ist, dass schon mehr Neuankömmlinge aus der Ukraine in Gmünd sind: Wer in Gmünd bei Freunden oder Verwandten untergekommen ist, steht nur in der Statistik, wenn er sich am „Ukraine-Schalter“ im Rathaus hat registrieren lassen. „Es ist wichtig, dass sich die Leute anmelden, nur dann bekommen sie Unterstützung“, sagt der Bürgermeister.

Der Platz: Der bisher gemeldete private Wohnraum dürfte noch einige Wochen ausreichen, schätzt Christian Baron. Mehr als 100 private Unterkünfte für Geflüchtete haben Bürger inzwischen der Stadt gemeldet. „Das ist teilweise hochwertiger Wohnraum. Die Hilfsbereitschaft ist riesig, manchmal ist der Kühlschrank schon eingeräumt.“ Alle Wohnungen werden vor der Vermittlung an Geflüchtete von einem dreiköpfigen Team der Stadtverwaltung nach und nach besichtigt. „Wir gehen davon aus, dass die Wohnungen Platz für 450 bis 500 Menschen bieten“, sagt Christian Baron. Die Stadt werde die ortsübliche Miete und die Nebenkosten übernehmen.

Essen und Geld: Für die ersten Tage werden Geflüchtete in Gmünd mit dem Nötigsten versorgt. Oft auch mit Hilfe privater Organisationen. „Die Dietrich-Bonhoeffer-Schule hat Lunchpakete gepackt, in denen auch Hygieneartikel für den täglichen Bedarf drin sind“, erzählt Baron. Im Grundsatz bekommen Geflüchtete Leistungen nach dem „Asylbewerberleistungsgesetz“, „auch wenn sie ja keine Asylbewerber sind“. Bis das geregelt sei, helfen Stadt und Landkreis mit Vorschusszahlungen. „Außerdem sind wir im Gespräch mit lokalen Banken, damit die Menschen ein Konto eröffnen können.“

Schule: Unter den nach Gmünd Geflüchteten sind „sehr viele Kinder“, so Christian Baron. Also stellt sich für die Stadt die Frage nach Kindergarten und Schule. „Es haben sich viele Schulen gemeldet, dass sie mithelfen wollen“, sagt der Bürgermeister. Wann ukrainische Flüchtlingskinder in Gmünd ihren ersten Schultag haben werden, das lasse sich noch nicht sagen. „Das Amt für Bildung arbeitet lösungsorientiert daran.“ Für den regulären Unterricht werde ein „Basiswissen in Deutsch“ notwendig sein, betont der Bürgermeister. Also braucht es vermutlich so genannte Vorbereitungsklassen, um Kindern das zu vermitteln. „Den Bedarf können wir im Moment aber noch nicht einschätzen.“

Kindergarten: Weil es in Gmünd neben den städtischen viele kirchliche Kindergärten gibt, ist die Verwaltung im Gespräch mit den Dekanen Robert Kloker und Ursula Richter, berichtet Baron. „Wir versuchen Kindergarten-Plätze zu schaffen, obwohl wir eigentlich voll sind.“ Der Gedanke sei es, eine Ausnahmeregelung zu schaffen - „so dass wir eventuell eine Überbelegung haben können“.

Die nächsten Wochen: „Noch reichen die Privatquartiere“, sagt Baron. Zugleich versucht die Stadtverwaltung weiter vorzusorgen. „Wir bereiten uns lieber auf mehr vor, als dass wir Engpässe bekommen.“ Man müsse schließlich befürchten, dass die Situation noch eine Weile anhalte – mit Zuzügen und mit länger bleibenden Geflüchteten, die in Gmünd integriert werden müssen. „Es sieht sehr danach aus, dass die Menschen nicht in den nächsten Wochen wieder nach Hause fahren können“, sagt Baron. „Die schwierigste Zeit der Flüchtlingsaufnahme wird sicher noch kommen - dazu brauchen wir einen langen Atem.“

Die Gmünder Ukraine-Hotline

  • Gmünder, die Wohnraum für Geflüchtete stellen wollen oder Fragen dazu haben, können sich wenden an: Birgit Schneider, Amt für Familie und Soziales, Tel. 07171/603-5040 oder per E-Mail: ukrainehilfe@schwaebisch-gmuend.de.

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