Unbewusster Stromklau landet vor Gericht

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Ein 43-Jähriger nutzt Strom auf fremde Kosten, doch das Verfahren wird eingestellt.

Schwäbisch Gmünd. Dass er noch Strom bekam, obwohl die Stadtwerke ihm diesen abgestellt hatten, hätte A. zumindest komisch vorkommen müssen. Davon ist Richter Clemens Wunderlich überzeugt, als es am Mittwoch vor dem Gmünder Amtsgericht um einen Fall von Entziehung elektrischer Energie geht.

Nachdem A. seine Rechnungen nicht bezahlt habe, stellten die Stadtwerke ihm den Strom in seiner Mietwohnung in einem Mehrfamilienhaus in einem Gmünder Ortsteil ab, schildert Staatsanwältin Marlen Kühneisen den Sachverhalt. Daraufhin habe A. ein Verlängerungskabel von einer Steckdose im Kellerflur hoch in seine Wohnung gelegt. So habe er zwischen 16. Juni 2020 und 10. September 2020 unrechtmäßig Strom im Wert von rund 150 Euro bezogen. Doch gegen diesen Vorwurf hat A. Einspruch eingelegt.

Der Keller gehöre zu seiner Mietwohnung, daher habe er gedacht, dies gelte auch für die Steckdose im Kellerflur, sagt der 43-Jährige vor Gericht. Wegen Corona und Kurzarbeit habe er weniger verdient, erklärt er auf Nachfrage des Richters, weshalb er seine Stromrechnungen nicht bezahlen konnte. Aktuell sei er krankgeschrieben und beziehe zwischen 1600 und 1700 Euro Krankengeld im Monat.

Nachdem die Stadtwerke ihm den Strom abgestellt hatten, habe sein Nachtspeicherofen weiterhin funktioniert. Dieser laufe auf einen extra Stromzähler. Er habe gedacht, wenn auf der Steckdose im Keller noch Strom ist, dass diese wohl auch auf den extra Zähler geschaltet sei. Er habe nichts an der Steckdose manipuliert, sondern lediglich ein Kabel in seine Wohnung gelegt, um die Energie für seinen Kühlschrank zu beziehen. "Damit Wurst und Fleisch nicht verderben", erklärt A.. Er habe für nichts anderes Strom gebraucht. Seine Wäsche habe er bei seiner Ex-Partnerin gewaschen und dort auch sein Handy geladen.

Dass es diese Steckdose im Kellerflur überhaupt gibt, war seiner Vermieterin zunächst gar nicht bewusst, wie die 82-Jährige als Zeugin vor Gericht aussagt. Doch dann sei eine recht hohe Rechnung von den Stadtwerken für die leer stehende Einliegerwohnung gekommen. Das sei ihr seltsam vorgekommen. Genauso, dass es immer wieder die Sicherung in der Einliegerwohnung rausgehauen habe. Der Bereich im Keller, in dem die Steckdose liegt, habe früher zu der Einliegerwohnung gehört, erklärt sie. Heute sei der Bereich Teil der Vier-Zimmer-Wohnung von A..

Der 30-jährige Mieter, der im Herbst in die Einliegerwohnung gezogen ist, berichtet, die Stadtwerke hätten ihn informiert, dass bei ihm Strom "geklaut" worden sei. Als er A. zur Rede stellte, habe dieser zunächst alles abgestritten, es dann aber doch zugegeben. A. habe vorgeschlagen, ihm die Hälfte seiner Stromrechnung zu begleichen. Damit habe sich die Sache für ihn erledigt, sagt der 30-Jährige. Auch die ausstehenden gut 150 Euro habe A. bezahlt, erklärt die Vermieterin.

Daher schlägt Richter Wunderlich vor, das Verfahren einzustellen, obwohl die Sache "ein gewisses Gschmäckle" habe. A. muss nun 300 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung bezahlen.

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