Ungeimpfte Pflegekräfte haben bald ein Problem

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Ab dem 16. März gilt die einrichtungsbezogene Impfpflicht in Krankenhäusern und Pflegeheimen. In Mutlangen sind derzeit knapp 150 Mitarbeiter ungeimpft.

Schwäbisch Gmünd

Was passiert am 16. März, wenn ungeimpftes Pflegepersonal nicht mehr in Krankenhäusern, Pflegeheimen oder Arztpraxen arbeiten darf? Ab dann gilt die einrichtungsbezogene Impfpflicht (siehe Infokasten). Das heißt: Beschäftigte in Kliniken oder Pflegeheimen müssen gegen Corona geimpft oder davon genesen sein oder ein Attest vorlegen, dass sie nicht geimpft werden können.

Von den rund 1450 Mitarbeitern am Mutlanger Stauferklinikum sind zirka 90 Prozent geimpft, weiß Kliniksprecher Andreas Franzmann. Das heißt: Knapp 150 Beschäftigte haben aktuell keinen Impfschutz. Bleibt dies bis Mitte März so, dürfen sie ihre Tätigkeit nicht mehr ausüben. „Den Wegfall eines Zehntels unserer Mitarbeiter könnten wir nicht ohne Weiteres kompensieren“, erklärt Franzmann. Im äußersten Fall müssten die Leistungen der Klinik wie Operationen oder Ambulanztermine reduziert werden, wie dies während der Pandemie bereits mehrfach geschehen sei. „Da sind wir aber noch nicht“, sagt der Kliniksprecher. Aktuell hoffe man, dass sich durch die Impfpflicht keine weiteren Personallücken auftun. „Wir führen deshalb Gespräche mit jedem Mitarbeiter, denn die Gründe gegen eine Impfung sind sehr individuell.“ Der persönliche Austausch sei hier ganz wichtig.

In vielen Zeitungen erscheinen derzeit Stellengesuche von ungeimpften Pflegefachkräften, die neue Arbeitsplätze suchen. Sind diese echt oder zumindest teilweise ein koordinierter Versuch, eine Personalflucht aus der Branche wegen der Impfpflicht hochzuspielen? Dazu könne er nichts sagen, erklärt Franzmann. Kündigungen im Zusammenhang mit dem Impfstatus habe es am Stauferklinikum noch nicht gegeben. Absichten, die Klinik zu verlassen, gibt es laut Franzmann bislang „glücklicherweise nur in einzelnen Fällen“. 

Das Unklare an der Sache: Die Konsequenzen für die ungeimpften Pflegekräfte seien noch nicht bis ins Detail geklärt. Franzmann erläutert: Wenn die Mitarbeiter den Nachweis oder ein Attest nicht rechtzeitig vorlegen, müsse die Klinik das Gesundheitsamt informieren. Das Gesundheitsamt könne dann ein Tätigkeitsverbot anordnen. Dies bestätigt Susanne Dietterle, Pressesprecherin des Landratsamtes: Das Gesundheitsamt werde die Fälle untersuchen und die Personen zur Vorlage des Nachweises auffordern. Wenn kein Nachweis vorgelegt werde, könne das Gesundheitsamt ein Betretungs- oder Tätigkeitsverbot aussprechen. „Detaillierte Hinweise, wie die Ämter vorzugehen haben, sind vom Sozialministerium angekündigt“, erklärt Dietterle, aber ihr noch nicht bekannt.

Betroffen vom neuen Gesetz sind auch Auszubildende, die gerade einen Pflegeberuf erlernen, bestätigt Ulrike Fritsch, Schulleiterin der Gmünder Pflegeschule St. Loreto. An ihrer Schule seien im Durchschnitt ein bis zwei Auszubildende pro Klasse mit rund 20 Schülern ungeimpft. Ab dem 16. März müsse die jeweilige Einrichtung, in der die Schüler ihre Praxisausbildung absolvieren, die Ungeimpften ans Gesundheitsamt melden. „Bisher ist unklar, nach welchen Kriterien entschieden wird, ob die Fachkräfte weiter arbeiten dürfen oder nicht“, erklärt die Schulleiterin. „Wir empfehlen allen unseren Schülern die Impfung gegen Corona“, erläutert Ulrike Fritsch. Weil dies eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft darstelle. Sie kritisiert aber die Einseitigkeit der Impfpflicht und findet, alle Bürger müssten Verantwortung übernehmen, beispielsweise Verantwortung gegenüber dem Pflegepersonal, das sich um alle kümmern muss – ob geimpft oder ungeimpft.

Schreckt Corona viele ab, in den Pflegeberuf einzusteigen? Dies verneint Ulrike Fritsch. Die Ausbildungsklassen zum Pflegefachmann und zur Pflegefachfrau seien voll, die Schule könnte aber noch mehr Schüler aufnehmen. Auch die einjährige Ausbildung zur Altenpflegehilfe werde gut nachgefragt. Alle Absolventen hätten danach sicher einen Arbeitsplatz. Weder Corona, noch der vermeintlich geringe Verdienst schrecke die Interessenten ab. Viel wichtiger seien den Pflegekräften ein verlässlicher Dienstplan und ein höherer Personalschlüssel. Viele in der Pflege schätzten ihren Beruf sehr, weil sie anderen damit helfen könnten, weil sie viele positive Rückmeldungen erhielten, erläutert Ulrike Fritsch. Während der Ausbildung erhielten die Schüler 1100 bis 1300 Euro brutto im Monat. Das sei im Vergleich nicht wenig.

„Die Kurse an den drei Pflegeschulen in Mutlangen, Aalen und Ellwangen sind voll, jedes Jahr können wir an allen drei Standorten neue Kräfte gewinnen“, bestätigt Andreas Franzmann. Dem gegenüber stehe allerdings die größte Herausforderung, denn in den kommenden Jahren werden sehr viele Mitarbeiter altersbedingt die Kliniken verlassen. Franzmann: „In der Pflege gehen rund 40 Prozent der Mitarbeiter in den nächsten zehn Jahren in den Ruhestand.“

Kündigungen im Zusammenhang mit dem Impfstatus hat es am Stauferklinikum noch nicht gegeben.“

Andreas Franzmann, Kliniksprecher
  • Ab dem 16. März gilt diese Impfpflicht
  • Die Änderungen im Infektionsschutzgesetz laut Bundesgesundheitsamt: Beschäftigte von beispielsweise Kliniken, Pflegeheimen, Arztpraxen und Rettungsdiensten müssen bis zum 15. März 2022 ihrem Arbeitgeber einen Nachweis über eine abgeschlossene Impfung, einen Genesenennachweis, oder ein ärztliches Attest, dass sie nicht geimpft werden können, vorlegen. Arbeitgeber haben das zuständige Gesundheitsamt zu informieren, wenn die Nachweise nicht fristgerecht vorgelegt werden oder Zweifel an der Echtheit oder Richtigkeit der vorgelegten Nachweise bestehen. Das Gesundheitsamt kann die Beschäftigung in – oder den Zutritt zu - den Einrichtungen, in den die Nachweispflicht gilt, untersagen. Ab dem 16. März 2022 ist ohne Vorlage eines Nachweises keine Aufnahme der Tätigkeit in den betroffenen Einrichtungen mehr möglich. Die Nachweispflichten gelten zum Beispiel in Krankenhäusern, Einrichtungen für ambulantes Operieren, Arztpraxen, Zahnarztpraxen oder Rettungsdiensten.
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