Unglaubliche Geschichte von 40 Infizierten beim Einkaufen

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Über die Gmünder Kaufland-Filiale kursiert die gleiche moderne Sage wie über viele Supermärkte im Bundesgebiet.

Schwäbisch Gmünd

Die Geschichte, die uns ein Leser da mitteilte, klingt unglaublich. Erfahren hatte er sie von einem Bekannten, dessen Bekannte Anfang der Woche zum Einkaufen in der Kaufland-Niederlassung bei Hussenhofen gewesen sei. Dort habe sie einen Mann gesehen, von dem sie wisse, dass er aktuell mit Corona infiziert ist und in Quarantäne sein müsste. Sie habe dies der Marktleitung berichtet, die wiederum über eine Lautsprecherdurchsage informiert habe, dass sich ein infizierter Kunde im Markt befinde. Er möge sich sofort bei der Marktleitung melden, sonst müsse die Filiale geschlossen werden und müssten die Impfnachweise aller Anwesenden müssten kontrolliert werden. Auf diesen Aufruf hin, so die Bekannte, hätten sich sage und schreibe 40 Leute gemeldet. Soweit die Geschichte.

Eine Pressesprecherin der Kaufland-Zentrale ist wenig überrascht, als die Tagespost bei ihr nachfragt, ob sich dieser Vorfall tatsächlich ereignet hat. Seit April bekomme sie immer wieder Anfragen mit diesem Inhalt. Die „Heilbronner Stimme“ zum Beispiel berichtete - mit dem klaren Hinweis auf die Unrichtigkeit -, dass sich dieses Gerücht hartnäckig über die Kaufland-Filiale Neckarsulm, den Zentralsitz der Handelskette, halte. Die Unterschiede: Dort soll ein Mitarbeiter des Gesundheitsamtes den Infizierten entdeckt haben und es hätten sich auf die Durchsage hin „nur“ fünf Infizierte gemeldet. In einem Schramberger Supermarkt, über den diese Geschichte ebenfalls kursiert, seien es sieben gewesen, im nordrhein-westfälischen Menden immerhin 13. Auch andere Handelsketten sind betroffen.

„Das hört sich nicht wirklich realistisch an“, sagt Gerd Hägele, Leiter des städtischen Ordnungsamts in Gmünd. Die bisherige Erfahrung des Amts bei Kontrollen: „Die Leute halten die Quarantäne zu nahezu 100 Prozent ein.“ Er ist auch überzeugt, dass sein Amt einen solchen Vorfall mitbekommen hätte. Es gingen viele Anrufe über Verstöße gegen Corona-Auflagen ein, wenn zum Beispiel die Maskenpflicht irgendwo nicht eingehalten wurde. Aber 40 Corona-Infizierte beim Einkaufen soll niemand gemeldet haben?

Die Kaufland-Pressesprecherin jedenfalls fragte in der Gmünder Filiale nach und erhielt die Antwort, dass sich ein solcher Vorfall nicht ereignet hat. Die gleiche Antwort habe sie bereits aus mehreren anderen Filialen erhalten, die ebenfalls schon als Schauplatz genannt worden waren.

In der Kaufland-Pressestelle hat man auch einen heißen Verdacht über den Ursprung dieser Erzählung: Der Fernseh-Kabarettist Sebastian Puffpaff habe in seiner Satire-Show „Noch nicht Schicht“ am 26. April eine solche Geschichte erzählt - als Satire eben.

Die Geschichte gehört offenbar zur Kategorie der modernen Sagen: Schauergeschichten, die heutzutage meist in sozialen Netzwerken als absolut wahr verbreitet werden, sich aber in Schauplätzen und anderen Details durchaus unterscheiden. Als bekanntes Beispiel gilt die Story von der Vogelspinne, die aus einer neu gekauften Yucca-Palme gekrabbelt sei oder auch die von der blonden Bekannten eines Bekannten, die entführt und in einen arabischen Harem verschleppt worden sei.

Die Leute halten die Quarantäne zu nahezu 100 Prozent ein.“

Gerd Hägele,, Leiter des Gmünder Ordnungsamts

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