Unimog ist ein Stück Gmünder Industriegeschichte

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Foto: Jan-Philipp Strobel
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Vor 75 Jahren begann der Bau der Prototypen in der Firma Erhard & Söhne. Festakt und Gedenktafel in der Weißensteiner Straße.

Schwäbisch Gmünd

Ein ungewöhnlicher Fuhrpark am Samstag rund ums DRK-Gebäude: Dort stehen Unimog-Urtypen, der Nachbau des ersten Unimog überhaupt und weitere Exemplare bis zur Gegenwart. Es ist die Hommage an ein Stück Gmünder Industriegeschichte. Vor 75 Jahren begann eine Gruppe um Eduard Köhler, den Technischen Leiter der Firma Erhard & Söhne, mit dem Bau eines Unimog-Prototypen. In einer von Egon Spillier initiierten Feierstunde am einstigen Produktionsort – heute steht dort in der Weißensteiner Straße das DRK-Zentrum – erinnerten er und weitere Festredner an die Geburtsstunde des Erfolgsprodukts aus dem Ländle. Profitiert haben andere davon: Nach dem Bau von vier Prototypen ging die erste Fertigung an die Firma Böhringer in Göppingen. 1950 übernahm Daimler-Benz das Unimog-Projekt. Am DRK-Gebäude wurden außerdem eine Unimog-Gedenktafel und eine Erinnerungstafel an Eduard Köhler enthüllt.

"Nach nur neun Monaten war es geschafft.“

Egon Spiller, über die Entwicklung

Obwohl die Unimog-Entwicklung unmittelbar nach Kriegsende nur eine kurze Episode im Leben Eduard Köhlers war, „hat meinen Vater nichts mehr geprägt als diese Sturm- und Drangzeit“, so erinnert sich der älteste Sohn, Professor Dr. Eduard Köhler heute. Technikbegeisterung, Teamspirit und viel Optimismus hätten das Projekt ermöglicht. Oberbürgermeister Richard Arnold spricht von einem „Stück Industriegeschichte, auf das wir in Gmünd stolz sind“. Und er schätzt es, dass der Unimog heute Menschen zusammenbringe, die darin nicht nur eine Arbeitsmaschine sehen, sondern ein Hobby. Möglich, weil sich 1945 zur richtigen Stunde die richtigen Leute begegnet seien. Am Werk beteiligt, daran erinnert Egon Spiller, waren damals neben Eduard Köhler Heinrich Rößler, Albert Friedrich, Christian Dietrich und Hans Zabel. Alle waren sich einig, gemeinsam Neues auf den Weg zu bringen. Spiller: „Nach nur neun Monaten war es geschafft.“ So schnell ging es von der Idee zum ersten Erprobungsfahrzeug.

Längst gibt es in und um Schwäbisch Gmünd und in Gaggenau eine verschworene Unimog-Interessengemeinschaft. Egon Spiller zählt zu den Initiatoren in Gmünd. Er war ab 1954 Mitarbeiter bei Erhard & Söhne, zuletzt Verkaufsleiter und Prokurist.

Erhard und Söhne wurde 1844 als Silber- und Metallwarenfabrik gegründet. Zuletzt produzierte das Unternehmen im neuen Werk auf dem Gügling.

  • Eine kleine Entstehungsgeschichte
  • Der Unimog: Vier Fahrzeug- und Motorenkonstrukteure trafen sich 1945 , weil berufliche Herausforderungen beim früheren Arbeitgeber Daimler-Benz nicht mehr möglich waren. Diplom-Ingenieur Heinrich Rößler kritzelte die Idee für eine Neukonstruktion auf ein Stück Papier. Vier Räder, vier Gelenke, Rahmenträger und Motor. Er zeigt sie seinen langjährigen Weggefährten, den Ingenieuren Albert Friedrich, Christian Dietrich und Hans Zabel. Alle waren sich einig, gemeinsam Neues auf den Weg zu bringen. Es war die Initialzündung für den Unimog. „Dann kam die schwerwiegende Frage, wer sollte nun die Prototypen bauen“, schrieb Rößler später. „Zum Glück war der Mitinhaber und technische Leiter Eduard Köhler von dieser technischen Lösung sehr angetan“, heißt es in den Erinnerungen weiter. Also wurde gebaut, die Hürden waren groß, vor allem der Materialmangel machte zu schaffen. Eine geniale Idee steuerte Hans Zabel bei. Er pickte sich aus dem Begriff Universal-Motor-Gerät die passenden Buchstaben heraus. Fertig war die Namensgebung. kust
OB, Prof. Dr. Eduard Köhler, Egon Spiller, Baron.
Foto: Jan-Philipp Strobel
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