Unter Drogen Feuer gelegt vom Kindergarten bis zur PH

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Mehrfach musste die Feuerwehr im vergangenen Jahr zu kleinen Bränden an der Pädagigischen Hochschule ausrücken. Nun hat ein 31-Jähriger zugegeben, einen Teil dieser Btände gelegt zu haben. Archivfoto: onw(>Christian Wiediger
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Gmünder Schöffengericht verurteilt 31-Jährigen wegen mehrerer Brände und Sachbeschädigungen im Stadtgebiet.

Schwäbisch Gmünd

Das stimmt nicht, sagte V. Der 31-Jährige antwortete so auf die Anklage, die ihm Oberstaatsanwalt Dirk Schulte am Montag vor dem Schöffengericht des Gmünder Amtsgerichts vorgehalten hatte: Sachbeschädigungen und eine ganze Reihe von Bränden 2020 und 2021.

Erinnerungslücke?

Die Anklage warf ihm unter anderem vor, dass er 2020 und 2021 im Kindergarten Wippidu in Bettringen einen Kinderstuhl und andere Dinge angezündet habe. Auf einer Baustelle in der Heidenheimer Straße sei ein Lastwagen durch Flammen teilweise zerstört worden, bei der Pädagogischen Hochschule verbrannten Sitzbänke. In der Uferstraße im Zentrum habe er Altpapiercontainer angezündet und damit das direkt danebenstehende Laborgebäude beschädigt. Zumindest, so versicherte V. auch auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters Thomas Baßmann, habe er keine Erinnerung an solche Vorfälle - eine Erinnerungslücke, die auch der psychiatrische Sachverständige Dr. Felix Segmiller wenig glaubhaft fand. Zudem hatten die Ermittler an einigen der Tatorte Spuren gesichert, die sehr deutlich auf V. hinwiesen: Kleidungsstücke und in zwei Fällen sogar DNA-Spuren. Außerdem gab es da Bilder von Videokameras.

Verteidiger Martin Lang sprach mit seinem Mandanten und erklärte dann, V. wolle nicht ausschließen, dass er die Taten begangen hat. Der Angeklagte schaute sich die von der Überwachungskamera bei der PH aufgenommenen Bilder an und sagte dann: „Das bin ich.“ Auch zum Lastwagen-Brand auf der Baustelle meinte er: „Ich denke, dass ich das war.“ Und wenn am Brandort im Kindergarten Wippidu seine DNA gefunden wurde, „dann war ich das wohl“. Ganz ähnlich äußerte er sich zum Brand in der Uferstraße.

Die Taten hatten sich alle am frühen Morgen gegen vier oder fünf Uhr ereignet. Da habe er sich wohl in den Nächten davor „alles Mögliche reingeschmissen“, begründete der 31-Jährige die Handlungen. Alles Mögliche war bei ihm viel: Kokain, Amphetamine, Cannabis, Medikamente zählte er auf. Oft habe er vieles gleichzeitig konsumiert, immer begleitet von viel Alkohol. „Dann war mein Kopf irgendwann richtig Matsch.“ Seit seinem 18. Lebensjahr habe er praktisch täglich Drogen konsumiert. Oft sei er er direkt nach den nächtlichen Exzessen zur Arbeit gegangen und habe dort mit Hilfe von etwas Amphetamin auch „funktioniert“. Obwohl die Drogen sicher V.'s Verhalten bei den Taten beeinflusst hatten, sah Dr. Felix Segmiller keine Hinweise auf verminderte Schuldfähigkeit.

Zukunftsperspektive

Immerhin konnte V. eine Zukunftsperspektive aufzeigen: Derzeit absolviert er eine Reha, der soll eine Anschlussbehandlung bis Anfang September folgen. Dann, so sagte er, möchte er wieder einen Arbeitsplatz suchen, nach einer medizinisch-psychologischen Untersuchung seinen Führerschein wieder machen - und das gemeinsame Sorgerecht für seine beiden Kinder beantragen. Denn nach seiner Einschätzung bessert sich das Verhältnis zur Mutter der Kinder, seiner früheren Partnerin.

Diese Pläne wollte Oberstaatsanwalt Dirk Schulte nicht gefährden - obgleich V.'s Vorstrafenregister bereits neun Eintragungen hat und er zum Zeitpunkt der jüngsten Taten unter Bewährung stand. Schulte forderte eine zweijährige Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt werden solle. Verteidiger Martin Lang schloss sich dieser Forderung an.

Das Gericht folgte dem und verhängte eine Freiheitsstrafe, die es zur Bewährung aussetzte. Das schließlich doch noch erfolgte Geständnis habe dabei eine große Rolle gespielt, sagte Amtsgerichtsdirektor Thomas Baßmann. Er wies aber auch darauf hin, dass Brandstiftung hochgefährlich ist. Besonders der Brand mitten in der Innenstadt hätte schlimme Folgen haben können. Das Urteil schreibt V. allerdings neben anderen Auflagen vor, dass er seine Behandlung fortsetzen muss. Tue er dies nicht, könnten die derzeit bei ihm zur Bewährung ausgesetzten Freiheitsstrafen von rund vier Jahren doch noch verhängt werden, warnte er den 31-Jährigen.

Dann war mein Kopf

Der Angeklagte V., über seine Drogensucht

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