Unterwegs im Design-Traum der 60er

  • Weitere
    schließen
+
Edith und Reinhard Bogena schätzen die Form der Corvette und sind damit gerne unterwegs, hier im Bauern- und Technikmuseum in Seifertshofen.

Oldtimer (5). Edith und Reinhard Bogena und ihre Corvette C3. Coke-Bottle-Design schappt damals über den Teich.

Schwäbisch Gmünd

Einen Sommer lang. Wenn Reinhard Bogena aus Essingen davon spricht, dann denkt er nicht an Ingmar Bergmanns Filmklassiker von 1951, schon gar nicht an ein Drama, sondern an die Glücksgefühle mit der Corvette C3 aus dem Jahr 1977. Nur einen Sommer lang wollte er anfangs der 1990er-Jahre dieses Auto fahren und dann wieder verkaufen. Aber es steht noch heute in der Garage. Längst ist klar, "dieses Auto geben wir nie wieder her", das sagt auch Edith Bogena, die Ausfahrten in diesem besonderen Klassiker schätzt, auch die kleine Rundfahrt für die Fotos dieser Geschichte, die ins Schwäbische Bauern- und Technikmuseum Kiemele in Seifertshofen führt.

Vor dem Hintergrund ausgelutschter Düsenjets sticht die makellose Corvette heraus, auch nach 43 Jahren ist dem Wagen kein Verschleiß anzumerken. Rost ist kein Thema, die Karosserie besteht aus Kunststoff und die Technik ist nach 77000 gefahrenen Meilen längst nicht ausgereizt.

Vorbild für den GT

Die Corvette C3, gebaut von 1967 bis 1982, ist Ende der 1960er-Jahre das Original eines automobilen Traums, dessen Kopie in Form eines Opel GT die Jugend hierzulande begeistert. Opel weckt mit den Rundungen Emotionen und für die reicht schon ein kleiner Vierzylinder mit 90 PS. Eine Corvette tut es nicht unter 210 PS aus 5,7 Litern Hubraum. "Und schon die sind mehr als ausreichend", sagt Reinhard Bogena, der das Auto keinesfalls für schnelle Ausritte nutzt, sondern damit lieber gemütlich über Landstraßen rollt. Er will "cruisen", verabscheut durchdrehende Räder und aufheulende Motoren. "Das verbietet mir der Respekt vor der Umwelt und vor der Technik." Die Kraft spürt er dennoch, akustisch meldet sich der Achtzylinder auch bei niedrigen Drehzahlen zu Wort.

Die eigentliche Begeisterung hat mit der Form der Corvette C3 zu tun. "Coke-Bottle-Design" ist in den späten 1960ern in den USA angesagt, in der Tat erinnert der Sportwagen aus der Vogelperspektive einer Cola-Flasche mit schmaler Taille. Die 1960er-Jahre machen sich auch an anderer Stelle bemerkbar: Porsche hat 1965 den Targa präsentiert und die Amerikaner haben schnell begriffen: Das ist die Lösung, weil wegen neuer Sicherheitsbestimmungen schon ein Verbot von Cabrios in der Luft liegt. Bei der Corvette entscheidet man sich für zwei abnehmbare Dachhälften, die das Auto zum Beinahe-Cabrio machen. Fein säuberlich verstaut Reinhard Bogena jede Dachhälfte in speziellen Taschen.

Nachhaltiges Auto

Man muss auch Träume haben.

Reinhard Bogena Oldtimer-Besitzer

Diese Hüllen sind einige der wenigen Teile, die nach so vielen Jahren erneuert werden mussten. Sonst gab‘s nur neue Bremssättel, das war‘s. Weil Edith und Reinhard Bogena das Auto regelmäßig bewegen – bei Sonnenschein versteht sich – hat der Wagen auch keine Standschäden. Im Prinzip ist er sogar genügsam, auch wenn der Verbrauch 15 Liter aufwärts beträgt. "Wir fahren vielleicht 1000 Kilometer im Jahr und in Sachen Nachhaltigkeit gibt es bei einem 43 Jahre alten Auto nicht viel zu sagen." Lange Urlaubsfahrten sind damit nicht geplant, Ausflüge in die nähere Umgebung schon. Das liegt aber nicht an der Konstruktion des Wagens, der von außen keinen Zugang zum Kofferraum hat. Alle Gepäckstücke müssen hinter den Sitzlehnen in der tiefen Höhle verstaut werden. Auch dafür gibt es Vorbilder. Solche Verrenkungen waren schon in den 1950er-Jahren im Lloyd LP 400 nötig. Damals hat man allerdings nur aus Kostengründen auf einen Kofferraumdeckel verzichtet.

Käufer einer Corvette mussten nie den (US-)Cent umdrehen. Der Wagen der Bogenas wurde in Santa Monica in Kalifornien neu zugelassen, vielleicht hat er gelegentlich auch Hollywood gesehen. Anfang der 1990er-Jahre steht er bei einem Händler in Deutschland und Reinhard Bogena folgt dem Hinweise eines Bekannten, sich das Auto mal anzusehen. "Ich habe gleich bemerkt, dass der Wagen in bestem Zustand ist", sagt Reinhard Bogena. Für den Kauf verabschiedet sich der Oldtimer-Liebhaber damals von seinem fast neuen Alltagsauto und setzt auf Langzeitqualitäten.

Bereut hat er das nie. Auch weil er bis heute immer wieder Bestätigung erfährt: Bei Oldtimertreffen ist das Auto rasch von Leuten umstellt, die so ein Auto mal gesehen, aber sich nie geleistet haben.

Auch Reinhard Bogena kennt Autos, die er sich gerne leisten würde: Er begeistert sich für amerikanische Karossen und könnte sich einen Ford Edsel gut in seiner Garage vorstellen. Ausladende Formen, aufkommende Heckflossen und ein unverwechselbares Gesicht könnten ihn reizen. "Aber man muss auch Träume haben", sagt Reinhard Bogena.

Kräftig aber nicht aufdringlich: Big-Block.
Stil der späten 60er-Jahre im Innenraum.
Die Corvette ist auch Kurvenkünstler.
Komplettausstattung: auch Corvette als Gürtelschnalle.
Wie aus dem Design-Bilderbuch: Corvette C3 von hinten.

Zurück zur Übersicht: Stadt Schwäbisch Gmünd

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL