Unverschämte Beleidigungen, Schokolade und Trinkgeld

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Christian Lesan von L & P Security, Wachdienst & Sicherheitsdienst, bei seinem täglichen Gang durch das City Center.
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Trotz Lockdown und überwiegend geschlossenen Läden gibt es für den Sicherheitsdienst im City Center mehr zu tun.

Schwäbisch Gmünd

Unachtsam weggeworfener Müll, Streitigkeiten, Missverständnisse, Diebstahl und Schlägereien gehören zum Alltag von Christian Lesan. Der Inhaber der Firma L & P, und seine Mitarbeiter sind zuständig für Ordnung und Sicherheit im Gmünder City Center. Seit 30 Jahren ist Lesan im Sicherheitsdienst tätig, seit 2003 in Selbstständigkeit. "Früher", damit meint er die Zeit vor Corona und den damit verbundenen Ladenschließungen und Hygienemaßnahmen, "hatten wir auch schon jede Menge zu tun. Wenn ich nur an den Faschingsdienstag denke, wird's mir schwindlig! Da waren wir den ganzen Tag damit beschäftigt, Betrunkene zu versorgen oder aus dem Center zu begleiten."

Ob ein Kunde ein Taxi braucht oder sein Auto im Parkhaus nicht mehr findet, Christian Lesan ist die gute Seele des Einkaufszentrums und Ansprechpartner sowohl für Kunden als auch für Geschäftsinhaber. Und er hilft auch, wo er kann. "Es kommt schon vor, dass ich nach Feierabend noch bei Kunden vorbeifahre um ihnen einen verlorenen Ausweis oder die vergessenen Einkäufe vorbeizubringen" erzählt er lachend. "Das macht den Job so unterhaltsam und abwechslungsreich." Da ist ihm Dank und Anerkennung auch gewiss. Anders an vielen Tagen, oft sogar stündlich, ist dies aber nicht der Fall. Seit Beginn der Pandemie kommen sowieso zur geltenden Hausordnung noch zahlreiche weitere Maßnahmen hinzu. Mindestabstände, Maskenpflicht und die begrenzte Anzahl der Kunden pro Geschäft, all das muss zwischenzeitlich vom Sicherheitsdienst kontrolliert werden. "Die meisten Kunden denken mal kurz nicht dran, aber wenn ich sie dann höflich darauf hinweise, die Maske bitte über die Nase zu ziehen, dann entschuldigen sie sich sofort", meint Lesan.

Essen, Trinken oder auch auf einer Bank mal eine Pause machen, das ist momentan nicht erlaubt. Er berichtet mehrmals, dass ihm sehr positiv auffällt, wie wenig Probleme er vor allem bei Jugendlichen und Kindern hat, diese Regeln umzusetzen. Es genügt oft ein Zwinkern oder eine Geste. Der Wachmann beschreibt die ersten Monate der Pandemie als die schlimmsten der letzten Zeit. "Es hat mich persönlich oft sehr frustriert", schildert er weiter, "dass genau die Menschen, die wir alle eigentlich mit diesen Maßnahmen schützen wollen, nämlich die ältere Generation, so uneinsichtig waren!" Christian Lesan erzählt von Kunden, die zwar beim Bäcker den Coffee to go oder den Leberkäse auf dem Brötchen zum Mitnehmen kaufen, ein paar Meter weiter dann aber zum Essen oder Trinken stehen bleiben. "Ich formuliere meine Sätze dann schon extra freundlich", scherzt Lesan. "Entschuldigen Sie bitte die Herrschaften, könnten Sie bitte Ihre Speisen oder Getränke außerhalb des Centers zu sich nehmen?"

Die Reaktionen sind so unterschiedlich wie die Menschen. Die einen lachen, entschuldigen sich, gehen. Andere nennen ihn Trottel, Idiot oder im schlimmsten Fall auch einen Nazi. Christian Lesan ist keiner, der solche Anfeindungen persönlich nimmt. Er bezeichnet sich selbst als äußerst tolerant und aufgeschlossen. "Eine Grenze ist bei mir aber überschritten, wenn man mich körperlich angeht", räumt er ein, "oder, wie erst vergangene Woche, wenn mich jemand anspuckt". Im Gegensatz dazu gibt es dann aber auch Kunden, die dem Team ein Trinkgeld oder Schokolade zustecken und sich bedanken. Trotz all dem, oder auch gerade deswegen, mag er seinen Beruf und die tägliche neue Herausforderung.

Ländliche Idylle und Ruhe mit Günter, Dorie und Olaf

Christian Lesan, 48 Jahre, lebt mit seiner Frau und den drei Katzen Günter, Olaf und Dorie und dem Schäferhundmischling Nala in ländlicher Ruhe und Idylle in einer kleinen Gemeinde außerhalb von Schwäbisch Gmünd. "Ich nehme nichts von der Arbeit mit nach Hause." sagt er. "Sobald ich im Auto sitze und den Heimweg antrete, schalte ich ab."

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