Ursula Richter und Robert Kloker äußern sich zur Pandemie-Situation

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Ursula Richter und Robert Kloker

Dekane: „Wir bewältigen Probleme nur gemeinsam“

Schwäbisch Gmünd. Mit einer „Stimme der Kirchen“ bringen sich Ursula Richter und Robert Kloker in die Spannungen ein, die sich in „Spaziergängen“ und Kundgebungen äußern.

„Zwei Jahre dauert die Pandemie an. Wir leiden alle unter den Einschränkungen und Lasten. Wir teilen alle miteinander die Sehnsucht nach Freiheit und Entlastung. Doch tun sich erschwerend zur Pandemie Risse zwischen uns auf wegen unterschiedlicher Ansichten über Impfen und Corona, über Freiheit und Verantwortung. Nicht nur auf Straßen und Plätzen, auch in Familie, Freundeskreis, Büro, Supermarkt und mitten im Alltag stoßen die Gegensätze aufeinander.

Menschen laufen Gefahr, einander nur noch durch die Brille „Geimpft-Ungeimpft“ anzusehen. Wir erinnern daran: Jeder Mensch ist mehr als ein Geimpfter oder Ungeimpfter, hat Würde und verdient Respekt und Menschlichkeit und schuldet sie anderen. Darum: „Seid auf das Gute bedacht gegenüber jedermann.“ (Römer 12,17)

In unsere Kirchen laden wir mit Abstand, Maske und anderen Einschränkungen zum Gottesdienst seither bei „Null G“ (nach der neuen VO der Landesregierung soll ab 14. Februar 3G gelten). Niemand soll vom Hören auf Gottes Wort, vom Gebet, von der Feier der Sakramente ausgeschlossen sein. Vor Gott gilt kein Ansehen der Person.

Dennoch bitten wir und rufen gemeinsam mit unseren Kirchen auf zur Impfung. Wegen des eigenen Schutzes, wegen des Schutzes der andern. Wegen der Not und Überlastung des Pflegepersonals. Je mehr Geimpfte, desto mehr Entlastung. Auch für Kultur, Schulen, Kitas, Handel. Freiheit ist ein hohes Gut. Doch die Pandemie lehrt uns eine alte Weisheit: Freiheit ist nicht nur individuell. Freiheit gibt es nur in Verantwortung für andere. Seid auf das Gute bedacht gegenüber jedermann.

Zur Demokratie gehört Meinungsfreiheit, die sich in öffentlichen Aktionen wie Spaziergängen und Demonstrationen zeigen darf. Es ist gut, genau hinzusehen, mit wem man unterwegs ist und welche Werte man damit unterstützt. Gemeinsam - ob für oder gegen die Coronamaßnahmen - braucht es die Vielen guten Willens, jenen Äußerungen zu widersprechen, die unseren Staat mit einer „Corona-Diktatur“ vergleichen. Das ist geschichtsvergessen und verpönt die Menschen, die unter wirklicher Diktatur litten und leiden. Seien wir gemeinsam wach gegenüber Kräften, die die Demokratie und ihre Institutionen und Repräsentanten schwächen wollen und bedrohen. So manche schütten in die entstandenen Risse Fakes, Verschwörungstheorien, Hass und Drohungen. Seid vielmehr auf das Gute bedacht gegenüber jedermann.

Die Pandemie lehrt uns alte Weisheiten, die wir womöglich vergessen hatten:

Wir machen Fehler und haben einander viel zu verzeihen - alle, Politik, Kirche, neu entstandene Bewegungen, jeder und jede einzelne. Wir haben weniger in der Hand, als wir dachten.

Wir bewältigen Probleme nur gemeinsam - hier und weltweit.

Und wir hören das „Fürchte dich nicht“, den göttlichen Zuspruch an alle Menschen.

Gemeinsam rufen wir im Vertrauen auf Gott trotz all der Probleme auf zur Zuversicht. Denn in schwierigen Zeiten gibt es geradezu eine Pflicht zur Zuversicht (Immanuel Kant). Wer aufhorcht aufs „Fürchte dich nicht“, schöpft Zuversicht und wird frei, aufs Gute bedacht zu sein gegenüber jedermann.

Am kommenden Freitag, 4. Februar, laden Dekanin Ursula Richter und Dekan Robert Kloker um 17 Uhr zu einer kurzen Andacht mit Gebet und Segen für Stadt und Land anlässlich der Pandemie und der derzeitigen Spannungen in die Augustinuskirche. Herzliche Einladung an die Bevölkerung“.

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