Urteil: „In erheblichem Maße auf Kosten anderer gelebt“

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Amtsgericht Schwäbisch Gmünd
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Schöffengericht schickt 34-Jährigen nach fünf Verhandlungstagen wegen Betrugs und Untreue in Haft.

Schwäbisch Gmünd. Mit einer Strafaussetzung zur Bewährung, wie sie Verteidigerin Kristina Brandt gefordert hatte, wurde es nichts: Das Schöffengericht am Amtsgericht verurteilte den Angeklagten F. wegen Betrugs und Untreue in zwei Tatkomplexen zu insgesamt fünf Jahren und zwei Monaten Haft. Das Gericht, so dessen Vorsitzender Thomas Baßmann, sei nach fünf Verhandlungstagen zu dem Schluss gekommen, dass der 34-Jährige „ab einem gewissen Zeitpunkt in erheblichem Maße auf Kosten anderer gelebt“ habe. 

F. hatte eine inzwischen insolvente Firma im Gmünder Raum gehabt, gleichzeitig aber in der Firma seines Bruders die Buchhaltung geführt. Die beiden Brüder hatten sich zerstritten, der Bruder hatte F. schließlich angezeigt. Dabei, so Verteidigerin Brandt, habe er der Polizei gefälschte Unterlagen vorgelegt. Sie sah darin „schlicht und einfach Betrug“, Die Ermittler hätten die Vorwürfe genauer hinterfragen müssen. 

Der Bruder habe als Zeuge auch auf die Richter keinen uneingeschränkt guten Eindruck gemacht, sagte Baßmann. Doch als Betrüger sah das Gericht vielmehr F.. In der gesamten „seltsamen“ Firmenkonstruktion habe es keine vernünftige Buchhaltung gegeben, meinte Amtsgerichtsdirektor Baßmann und teilte damit die Aufassung des Anklagevertreters, Oberstaatsanwalt Jörg Böhmer. Für diese Buchhaltung aber sei F. verantwortlich gewesen. Der habe, als der Streit der Brüder eskalierte, das Konto leergeräumt „und dafür gesorgt, dass Unterlagen verschwinden“. In den Unterlagen, die im Verlauf der Ermittlungen noch beigebracht wurden, fanden sich Buchungen mit Vermerken wie „bekannt“ oder „Tanken“ , für die es keine plausiblen Erklärungen gebe. 

Doch F., habe sich nicht nur auf dem Firmenkonto des Bruders bedient. Auch Vertrags- und Geschäftspartner von F.‘s eigener Firma seien zumindest in Gefahr gewesen, ihr Geld nicht zu bekommen. 

Insgesamt hatte die Anklage dem 34-Jährigen 165 Punkte vorgeworfen und einen Schaden von mehreren zehntausend Euro festgestellt. Einige der Punkte, da waren sich Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung einig, waren F. nicht anzulasten. Andere hatte er im Verlauf der Verhandlung gestanden. Richter Baßmann schloss gar nicht aus, dass F., sein Vorgehen nicht geplant habe. Möglicherweise sei es ein schleichender Prozess gewesen, in dem F. immer wieder Finanzlöcher habe stopfen müssen. Doch F. war in den vergangenen Jahren schon an den Amtsgerichten in Gmünd und Schorndorf verurteilt worden. Dass er eine Tat kurz nach einer Verurteilung in Schorndorf und vor einer Verhandlung in Gmünd begangen habe, fand Baßmann „besonders dreist“. Fürs Gericht sei klar: „Jetzt ist Schluss.“

Die Verteidigerin hatte ihre Forderung nach einer Strafaussetzung zur Bewährung auch damit begründet, dass die „unsägliche Firmenkonstruktion“ nicht mehr existiere und somit keine Wiederholungsgefahr mehr bestehe. Doch Thomas Baßmann gab F. den Rat mit, nach der Strafverbüßung keine erneute Selbstständigkeit mehr anzustreben. Eine abhängige Beschäftigung wäre für ihn besser, meinte Bachmann. Und in der Baubranche, in der der Angeklagte Kenntnisse habe, würden händeringend Arbeitskräfte gesucht.


Der Angeklagte hat die Möglichkeit, gegen das Urteil Rechtsmittel einzulegen. 

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